Planmeca hat angekündigt, die Geschäftsbereiche Behandlungseinheiten und Instrumente von KaVo zu übernehmen. Im Interview spricht Heikki Kyöstilä, Gründer, Eigentümer und CEO von Planmeca, über seine Beweggründe für den Kauf von KaVo und die künftige Zusammenarbeit zweier starker Marken unter einem Dach. 

Interview mit Heikki Kyöstilä, Gründer, Eigentümer und CEO von Planmeca

​Herr Kyöstilä, in diesem Jahr feiert Ihr Unternehmen sein 50-jähriges Bestehen. Nun haben Sie bekanntgegeben, dass Sie die Geschäftsbereiche Behandlungseinheiten & Instrumente des deutschen Traditionsunternehmens KaVo erwerben. Wie kam es dazu?

Heikki Kyöstilä: Die Entscheidung, KaVo zu kaufen, ist für mich bedeutend naheliegender und auch ein wenig persönlicher, als es auf den ersten Blick zu vermuten sein mag. Mit dem Unternehmen KaVo verbindet mich seit langen Jahren eine Beziehung. Seit ich als junger Handelsvertreter in Finnland Dentalbedarf verkauft habe – das war noch vor der Gründung meines eigenen Unternehmens Planmeca –, kenne ich die Produkte der Firma KaVo sehr gut.

Ich habe KaVo über die Jahre immer als hervorragendes Unternehmen und natürlich auch als starken Wettbewerber wahrgenommen, der ganz ähnliche Wurzeln wie Planmeca hat. KaVo entstammt einem inhabergeführten Familienunternehmen, Planmeca ist es noch heute. Beide Unternehmen sind Spezialisten für zahnmedizinische Technologien und darum von einer starken dentalen Kundenorientierung geprägt.

Die früheren Eigentümerfamilien des Unternehmens KaVo – Kaltenbach und Hoffmeister – kenne ich seit vielen Jahren und die Kultur unserer Unternehmen ist sich in vielen Bereichen durch diese ähnliche historische Prägung recht nah. Planmeca und KaVo sind als Familienunternehmen aus eigener Kraft zu starken Marken geworden – mit Weitblick, unabhängigen Eigentümerentscheidungen, dem unbedingten Willen zu technologischer Innovation und Qualität und vor allem getragen von Mitarbeitern, die sich mit unseren Unternehmen in besonderer Weise verbunden fühlen. Als sich mir nun die Möglichkeit eröffnete, das Herz von KaVo, die beiden traditionell stärksten Unternehmensbereiche, in die Planmeca-Familie zu holen, habe ich die großen Potenziale und Chancen für beide Marken gesehen.

Und dann bin ich der Planmeca-Philosophie der vergangenen 50 Jahre gefolgt: Immer wieder haben wir langfristige Chancen gesucht, gefunden und genutzt. So auch jetzt.

Welche Chancen sehen Sie konkret für Planmeca und KaVo?

Heikki Kyöstilä: Ganz kurz gesagt: zwei starke Marken unter einem Dach. Global gesehen sind Planmeca und KaVo heute auf vielen Märkten aktiv und auch gut aufgestellt. Jedes Unternehmen hat aber weltweit betrachtet regionale Schwerpunkte, Stärken und Marktzugänge, die wir zukünftig gemeinsam nutzen werden. In diesen Synergien liegt sehr viel Potenzial.

In einigen – vor allem in den großen und technisch hoch entwickelten – Märkten, wie in Deutschland, stehen wir mit unseren Produkten im harten Wettbewerb um die beste Lösung für unsere Kunden. Das wollen wir künftig produktiv nutzen. Wir verfügen in beiden Unternehmen über leistungsstarke Entwicklungsabteilungen mit je über 100 erfahrenen und innovativen Experten. Die Chancen, die hier in einem konstruktiven Austausch und in kreativen Lösungen liegen, sind enorm. Wir haben da ein Entwicklungs-Know-how mit großen Stärken in den jeweiligen Segmenten, die sich gegenseitig gut ergänzen. Daraus werden neue, innovative Produktlinien entstehen und anwenderoptimierte Workflows, vor allem in den digitalen Anwendungsbereichen. Die Produktsortimente beider Unternehmen werden sich künftig in ihren Stärken perfekt ergänzen.

Erfolgsentscheidend sind kundenorientierte Lösungen, die in der Praxis jeden Tag funktionieren. Wir wissen bei Planmeca genau, wie unerlässlich höchste Produktqualität ist, und auch KaVo hat hier eine starke Tradition. Darauf werden wir uns künftig gemeinsam konzentrieren.

Der Zusammenschluss von starken Marken und traditionellen Unternehmen ist immer eine Herausforderung. Wieso sind Sie so sicher, dass aus starken Wettbewerbern starke Partner werden?

Heikki Kyöstilä: Das stimmt. Die große Herausforderung liegt immer in den Unternehmenskulturen, Historien, Denkweisen und ungeschriebenen Gesetzen, die Unternehmen prägen. Und hier liegt auch die Antwort auf Ihre Frage. Planmeca und KaVo sind über lange Jahre als Familienunternehmen geprägt worden. Beide Unternehmen tragen diesen Kern, dieses Bewusstsein und dieses Denken in sich. Und beide Unternehmen verstehen diese Tradition auch in einem größeren Rahmen.

Die Dentalfamilie, wie man in Deutschland doch so schön sagt, umfasst für uns immer auch unsere Kunden und Handelspartner. KaVo und Planmeca können nur erfolgreich sein, wenn unsere Kunden mit uns in höchstem Maße zufrieden sind. Dazu bedarf es der besten Produkte, aber auch eines optimalen Kundenservices durch einen pluralistischen Fachhandel.

Wir sind als Industrieunternehmen überzeugt davon, dass sich gerade im Fachhandel und im technischen Kundendienst ein gesunder Wettbewerb um die beste Servicequalität für unsere Kunden in den Praxen und Laboren positiv auswirkt. Auch darum wollen wir beide Unternehmen als eigenständige, fachhandelsorientierte Herstellermarken mit sich ergänzenden Portfolios fortführen. Gleichzeitig werden wir die technische Innovation und die fortwährende Optimierung der Workflows für unsere Kunden zusammen vorantreiben. Hier wird uns die gemeinsame Erfahrung als inhabergeführte Unternehmen helfen.

Langfristig orientierte Entscheidungen und kurze Kommunikationswege sind hier kaum zu unterschätzende Erfolgsfaktoren und beides liegt in unseren Wurzeln.

Sie sehen also so etwas wie Ähnlichkeit, die KaVo und Planmeca verbindet?

Heikki Kyöstilä: Ja, ich denke, wir sind uns ähnlich. Ich bin sicher, dass innovative Produkte und ein klares Bekenntnis zur Qualität eine gemeinsame Basis bilden, mit der sich die Mitarbeiter von KaVo und Planmeca ja bereits heute gerne identifizieren. Getragen von Mitarbeitern, denen ihr Unternehmen auch persönlich etwas bedeutet, die sich gerne zu gemeinsamen Werten bekennen und die aus einem hohen persönlichen Engagement heraus an einem Strang ziehen, werden wir die vor uns liegenden Möglichkeiten gemeinsam nutzen.

Diese Art von Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen, der Stolz auf das eigene Produkt: Das ist etwas Besonderes, das beide Unternehmen gemeinsam haben. Aus diesem Grund freue ich mich umso mehr, dass wir mit Herrn Dr. Martin Rickert eine ebenso erfahrene wie geachtete Führungspersönlichkeit für die Aufgabe des künftigen Vorsitzenden des KaVo-Verwaltungsrates gewinnen konnten.

Herr Dr. Rickert hat ja nicht nur bis vor wenigen Jahren als langjähriger Präsident des VDDI und Vorstandsvorsitzender der Sanavis Group (Micro-Mega; SciCan; SycoTec) die deutsche Dentalindustrie mitgeprägt. Vor allem kennt er das Unternehmen KaVo durch seine dortige Geschäftsführertätigkeit bis zum Jahr 2006 auch in seinem Wesen. Er hat die KaVo-Kultur selbst mitgeprägt und die Idee der deutschen Dentalfamilie aus Zahnärzten, Dentallaboren, Fachhandel und Industrie immer persönlich verkörpert. Wir teilen diesbezüglich eine Grundhaltung und ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

Herr Kyöstilä, wir danken Ihnen für das Gespräch.