Eigentlich ist sich die Implantologie-Szene einig, dass sich Unternehmen nicht mehr über das Implantat selbst, sondern über begleitende Faktoren wie einen guten Service und eine stete Ansprechbarkeit, ein umfangreiches Fortbildungsangebot und dergleichen softe Angebote abgrenzen können. Dr. Frank Maier aus Tübingen sieht das nicht ganz so.

Interview mit Dr. med. dent. Frank Maier, M.Sc. (Implantologe)

Mal ehrlich, spielt heutzutage das Design vom Implantat wirklich noch eine Rolle?

Frank Maier: Das Implantatdesign sowie die Implantat-Abutment-Verbindung spielen eine große Rolle und sind keineswegs vergleichbar. Sonst hätten wir ja bereits so etwas wie das ideale Implantat und alle Hersteller würden dieselbe Philosophie verfolgen. Die Gewindeform und der Implantat-Durchmesser entscheiden über die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise in der Sofortimplantation oder einer bestmöglichen Verankerung in weichem Knochen. Damit wird auch die Grundlange für eine Sofortbelastung geschaffen. Die Verbindung zwischen Implantat und Aufbau wiederum entscheidet maßgeblich über die vertikale Positionierung eines Implantats. Ein Butt-joint-Design oder eine weite Konusverbindung sollten nicht subkrestal positioniert werden, da sonst ein Remodeling mit der Folge von Knochenabbau provoziert wird. Dasselbe gilt für polierte Implantatschultern: Der Knochen wird sich bis zur Rau-Glatt-Grenze zurückziehen, sofern diese subkrestal positioniert wird. Der aktuell wichtigste Fokus liegt meines Erachtens auf der sogenannten Transition Zone, also der Übergangszone: Diese beschreibt das Durchtrittsprofil von der Implanatschulter bis zur anatomischen Emergenz durch das Weichgewebe in die Mundhöhle. Der Durchmesser des Abutments und dessen Verbindung in das Implantat sollte möglichst schmal ausfallen. Dadurch wird in dieser kritischen Zone Raum für Knochen und Bindegewebe geschaffen und andererseits die Angriffsfläche für mögliche Infektionen minimiert. Als Folge für das Implantatdesign bedeutet dies einen möglichst schmalen Durchmesser an der Schulter und eine stabile Implantat-Abutment-Verbindung über einen selbsthemmenden Innenkonus. Die meisten Implantatformen auf dem Markt haben ein entgegengesetztes Design: Die Schulter ist breit und der Implantatkörper darunter wird schmaler. Dadurch wird in ebenjener Transition Zone wichtiges Gewebe durch Titan ersetzt. Diese Zusammenhänge sind bereits längere Zeit bekannt und unter Begriffen wie Chamber Concept nach Marco Degidi oder Zero Bone Loss Concept nach Thomas Lincevicius veröffentlicht. Zusammenfassend ist meine Meinung zu Ihrer Frage: Wenn es lediglich darum geht Osseointegration zu erzielen, lautet für alle etablierten Implantatsystemen die Antwort: Ja. Wenn es um gute Ästhetik, knochenfreundliche Verankerung, stabilen krestalen Knochen, gesundes Weichgewebe und eine langfristige Vorbeugung von Periimplantitis geht, dann unterscheiden sich die Systeme deutlich.

Wenn es um gute Ästhetik, knochenfreundliche Verankerung, stabilen krestalen Knochen, gesundes Weichgewebe und eine langfristige Vorbeugung von Periimplantitis geht, dann unterscheiden sich die Systeme deutlich.

Was ist denn nun das Besondere am Design des AnyRidge Implantats und welche Auswirkungen hat es?

Frank Maier: Das AnyRidge orientiert sich an der Biologie sowie den unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnissen des Hart- und Weichgewebes. Das Gewindedesign sorgt für einen stabilen Halt selbst in kritischen Knochenklassen und erzielt eine hohe Primärstabilität. Das innovative krestale Design mit einer schmalen Schulter sorgt für einen maximalen Erhalt des kortikalen Knochens um das Implantat. Das selbstschneidende Gewinde sorgt für eine verbesserte Druckverteilung, erlaubt ein minimalinvasives Einbringen und schafft einen besonders hohen BIC – die vergrößerte Oberfläche schafft dabei bis zu 40% mehr Knochenkontakt als herkömmliche Implantate. Dadurch können im Vergleich zu klassischen Designs kürzere und schmalere Implantate verwendet werden. Das System verfügt über einen doppelten Versatz an der Schulter, also einen verbesserten Platform Switch, der sich in Verbindung mit der stabilen Innenkonusverbindung bioligisch positiv auswirkt. Die anatomische S-Linien-Form der Abutments sorgt für eine bessere Weichgewebeanlagerung, gleichzeitig schafft die schmale Verbindung mehr Raum für den krestalen Knochen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Implantat-Abutment-Verbindung für alle Teile gleich ist. Dadurch wird die Lagerhaltung und Zuordnung wesentlich vereinfacht. Die Kalzium-Ionen besetzte Xpeed-Oberfläche erzeugt eine CaTiO3-Nanostruktur und beschleunigt die Osteoblastenbildung. 

Das Gewinde sieht recht aggressiv aus. Einst war so etwas in Händen von implantologischen Einsteigern gar nicht gern gesehen.

Frank Maier: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder Anwender gewisse Schulungen und Fortbildungen durchlaufen sollte, ehe sie oder er in der eigenen Praxis erstmalig implantologisch tätig wird. Dies gilt auch für Umsteiger. Grundsätzlich ist es wichtig, nicht mit zu viel Kraft bzw. zu hohen Drehmomenten zu arbeiten. Zu viel Druck endet in Knochenabbau und Implantatverlust. Weit ausladende Gewinde sind für weichen Knochen und größere Defekte sowie bei kurzen Implantaten von Vorteil. Bei hartem Knochen sollte ein schmales Gewinde gewählt werden. Wie der Name schon sagt: AnyRidge bietet für jeden Knochen das geeignete Implantat und ist daher universell einsetzbar. AnyRidge kann dem noch nicht ganz so versierten Behandler helfen, indem es kleinere Positionierungsfehler oder auch eine Fehleinschätzung der Knochenklasse dank seiner spezifischen Design-Vorzüge abfangen kann. Einsteigern empfehle ich ihre Fälle präzise digital vorzuplanen und geführt zu implantieren. Dafür bietet Megagen einen preiswerten Planungsservice und das Guided Surgery System R2Gate.

Bei welchen Indikationen setzen Sie AnyRidge bevorzugt ein oder haben Sie sogar Situationen, in denen es für Sie derzeit einziges Design der Wahl ist?

Frank Maier: Für mein Team und mich ist wichtig, einen möglichst breiten Handlungsspielraum zu haben, auch in kritischeren Situationen und bei einem nicht optimalen Knochenangebot. Ich versuche die Chirurgie möglichst in einer Sitzung abzuhandeln. Daher nimmt die Sofortimplantation einen immer größeren Stellenwert ein und die Patienten bevorzugen die verkürzte Behandlung. Ursprünglich schaffte ich das System zur Sofortimplantation im Molarenbereich an, die insbesondere im Oberkiefer bei großen Defekten mit herkömmlichen Systemen kaum machbar ist. Heute ist AnyRidge für mich ein Allrounder, der mich in kompromittierten Situationen nicht im Stich lässt, und mit dem ich auch einmal Grenzbereiche lösen kann. Ob am Sinus, bei massiv atrophen Verhältnissen oder schlechteren Knochenqualitäten – mit dem AnyRidge Implantat kann ich all diesen Fällen vorhersagbar begegnen. Nicht zuletzt auch wegen des sehr umfangreichen Sortiments an prothetischen Komponenten.

Herzlichen Dank, Herr Dr. Maier, für dieses Gespräch.