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Implantatpflege: Vorausschauend planen, besser versorgen

Mit zunehmendem Alter verändern sich die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implantatpflege. Motorische Einschränkungen, kognitive Defizite und Pflegebedürftigkeit stellen besondere Anforderungen an Patienten, Angehörige und das zahnärztliche Team.

Interview mit Prof. Dr. med. dent. Gerhard Schmalz, M.Sc., M.A. – Leiter der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie: Medizinische Hochschule Brandenburg

Herr Professor Schmalz, welche besonderen Herausforderungen stellen sich bei der Implantatpflege älterer oder gar pflegebedürftiger Patienten?

Gerhard Schmalz: Ältere Patienten, besonders bei Pflegebedürftigkeit, bringen zahnmedizinisch grundsätzlich relevante Herausforderungen mit. Risikofaktoren wie Systemerkrankungen und Medikamente beeinflussen die Mundgesundheit und damit die periimplantäre Stabilität deutlich. Mit zunehmendem Alter nehmen motorische Fähigkeiten ab. Hinzu kommen kognitive Aspekte wie Demenz, die die Fähigkeit zur Eigenpflege und die Möglichkeit der Mitarbeit stark einschränken. In vielen Fällen und besonders bei Pflegebedürftigkeit muss die Implantatpflege daher durch Angehörige oder das Pflegefachpersonal durchgeführt werden. Es ist dabei durchaus anspruchsvoll, die Implantatversorgung eines Patienten adäquat zu reinigen, besonders wenn diese aufwendige prothetische Konstruktionen mit einschließt.

Dabei limitieren drei wesentliche Faktoren die Umsetzung der Implantatpflege: Kompetenzen und Fähigkeiten der Pflegeperson zur Reinigung von Implantaten, die Mitarbeitsfähigkeit der Patienten und nicht zuletzt das Vorhandensein von hinreichend Zeit und Ressourcen für die Mund- und Implantatpflege.

Inwieweit beeinflussen die von Ihnen genannten altersbedingten Einschränkungen – etwa motorische oder kognitive Defizite – die Fähigkeit zur eigenständigen Implantatpflege?

Gerhard Schmalz: Diese beiden Aspekte müssen durchaus differenziert voneinander betrachtet werden. Motorische Defizite, die mit steigendem Alter häufiger werden, beeinflussen vor allem die patienteneigenen Mund- und Implantatpflegefertigkeiten. Demnach bedarf es für diese Patienten adäquater Hilfsmittel, wie speziell geformte Bürsten, welche die Mundhygiene ermöglichen. Gegebenenfalls können daneben Adjuvanzien zum Einsatz kommen. Problematischer sind kognitive Beeinträchtigungen, da diese die gesamte Mitarbeitsfähigkeit der Patienten beeinflussen können. Für die Praxis besteht hier eine Konsequenz darin, sensibel und individuell auf die Patienten einzugehen und daneben Angehörige oder Pflegefachpersonen hinsichtlich der Durchführung der Implantatpflege zu schulen. Eine aus meiner Sicht viel wichtigere Konsequenz ist die vorausschauende Planung der Versorgung: Implantate und Suprakonstruktionen sollten so gestaltet werden, dass sie auch im Falle einer Pflegebedürftigkeit hygienefähig bleiben. Ziel ist eine stabile Versorgung, die Funktion und Wohlbefinden erhält, ohne das Risiko biologischer Komplikationen zu erhöhen.

Welche Rolle spielt das zahnärztliche Team bei der Betreuung von Senioren mit Implantaten?

Gerhard Schmalz: Solange die Patienten motorisch und kognitiv in der Lage sind, ihren Mund und die Implantate zu pflegen, ist das zahnmedizinische Team besonders in der Verantwortung, gemeinsam mit den Patienten eine individuell umsetzbare Strategie zu entwickeln. Konkret bedeutet dies, einen Mundhygieneplan mit den Patienten zu entwerfen, welcher individuell eine optimale Mundhygiene und damit auch eine Implantatpflege ermöglicht. Dafür sollten spezielle Produkte mit antibakterieller Wirksamkeit, wie das meridol Parodont Expert System, verwendet werden. Je stärker altersbedingte Einschränkungen zum Tragen kommen, desto größer wird die Bedeutung der Angehörigen oder des Pflegepersonals. Hier ist das zahnmedizinische Team in der Verantwortung, den pflegenden Personen klare und im Alltag gut umsetzbare Anweisungen mitzugeben, diese gegebenenfalls zu üben und sie bei der Umsetzung zu unterstützen. Auch stellt das zahnmedizinische Team eine wichtige Informationsquelle dar. In einem individuellen Mundhygieneplan sollte dabei die Implantatpflege gesondert abgebildet sein und ebenfalls auf ihre Realisierbarkeit geprüft werden.

Aus meiner Wahrnehmung ist das Erreichen kleiner, realistischer Zwischenziele dabei deutlich wertvoller, als mit zu ambitionierten Zielen zu scheitern.

Herzlichen Dank für das Gespräch.