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Implantatprothetik von analog bis digital

Ende Oktober setzt das nächste Curriculum Implantatprothetik der DGOI ein. Prothetisch orientierte Zahnärztinnen und Zahnärzte und Zahntechniker können hier moderne implantat-getragene Verfahren vom Einzelzahnersatz bis zur Versorgung des zahnlosen Kiefers erlernen und in praktischen Modulen hands on einüben. Auch die immer wichtigere Diagnostik und therapeutische Ansätze der Funktionsstörungen sind Themen der Fortbildung. Von analogen Grundlagen bis zur individualisierten digital gestützten Prothetik: Das Curriculum sichert den Absolventen in der Praxis den prothetischen Langzeiterfolg.

Bild: Dr. Henriette Lerner, Implantologie, Advisory Board und Vorstandsmitglied der DGOI e.V.

Dass die Implantatchirurgie an den Universitäten nicht ausreichend vermittelt wird, ist ja bekannt – aber bei der Implantatprothetik sollte es doch ausreichen?

Henriette Lerner: Die neuen Technologien machen Teile der Welt zu einem ganz neuen Ort, und auch die Zahnmedizin zu in Teilen einer ganz neuen Disziplin. Die Zahnmedizin erlebt durch die Digitalisierung eine wahrhafte Revolution. Zum einen wurde die Entwicklung von den gestiegenen Ansprüchen der Patienten gesteuert, die sich kürzere, schmerzfreiere und voraussagbare Behandlungen wünschen, auf der anderen Seite streben die Zahnärztinnen und Zahnärzte selbst nach mehr Genauigkeit und Präzision in der prothetischen Fertigung, auch in der Implantatprothetik. Die Digitalisierung umfasst dabei inzwischen alle Bereiche, findet in unserer Spezalisierung aber ihren natürlichen Anfang in der Implantat- und Prothetikplanung und von dort in den CAD CAM Verfahren.

Heute sind wir in der Lage,Implantate mit einer sehr hohen Präzision digital zu platzieren und innerhalb eines komplett digitalen Workflows Implantatkronen mit einer Präzision von 40 µ herzustellen. Diese Technologien wollen gelernt werden.

Wie ist der genaue Ablauf des Curriculums und welche Schwerpunkte haben die einzelnen Module?

Henriette Lerner: Ein implantologisch tätiger Zahnarzt muss natürlich alles zunächst auch analog herstellen können, parallel und der heutigen Zeit entsprechend muss er die Kriterien und den komplett digitalen Workflow mit all seinen Vorteilen kennenlernen. Das Curriculum Prothetik (Implantatprothetik) geht hierbei ganz systematisch durch alle Etappen: Die Akquise der digitalen Daten über Fotos, Intraoralen Scan und Face Scan, die Implantat- und Prothetikplanung, die Herstellung der Implantat Schablonen, und der Provisorien durch 3D-Druckverfahren, das chirurgische Vorgehen und die finale prothetische Rehabilitation von den Materialien und dem Design bis zu den verschiedenen Technologien zu deren Herstellung.

Warum halten Sie sich noch mit analogen Techniken auf – wollen heute nicht alle sofort die digitalen Verfahren erlernen an Fortbildungen?

Henriette Lerner: Ein Chirurg muss auch analog implantieren können, er darf ohne die neuen Technologien doch nicht verloren sein! Ebenso muss ein Prothetiker die Grundlagen kennen, und alles auch analog umsetzen können, auch für den, zugegeben seltenen Fall, bei dem die neuen Technologien einmal nicht vorhanden sein oder ausfallen sollten. Der Behandler darf daneben nie von den Technologien gesteuert und kontrolliert werden, sondern umgekehrt – das geht nur mit soliden Kenntnissen.

Wie wichtig sind die Hands-on -Module bei Ihrem Konzept?

Henriette Lerner: Bei aller Digitalisierung bleibt die Zahnmedizin ein Handwerk im reinsten Sinne des Wortes. Alle Module sind daher mit intensiven Hands On -Teilen versehen. Es heißt auch nicht umsonst `learning by doing´. Das ganze Spektrum der heutigen digitalen Möglichkeiten erschließt sich erst durch die praktische Umsetzung, das merken wir in unseren Fortbildungen immer wieder. Ich glaube persönlich, dass die oft fehlenden Möglichkeiten, die neuen Technologien auch praktisch und unter Anleitung einmal auszuprobieren, für viele Zahnärztinnen und Zahnärzte der Hauptgrund ist, sie noch nicht so aktiv zu adaptieren, wie es tatsächlich sinnvoll wäre.

Sie sprechen Zahnmediziner und Zahntechniker gleichermaßen an – wird auch das immer wichtigere Zusammenspiel im Team in der Fortbildung abgedeckt?

Henriette Lerner: Eigentlich war das erfolgreiche zahnmedizinische und zahntechnische Werk schon immer Teamarbeit, mit der digitalen Zahnmedizin wird das nur umso offensichtlicher. Die Ausbildung vermittelt daher die gleichen Parameter für beide Teammitglieder, denn diese müssen ´dieselbe Sprache´sprechen. Das betrifft die ästhetische, chirurgische und prothetische Planung ebenso wie später dann das gelungene Miteinander bei der Anfertigung der implantatgetragenen prothetischen Arbeit.

Herzliches Danke für dieses Gespräch!

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