Während man bei Titanimplantaten durchaus sehr detailverliebt diskutiert, warum dieses System einem anderen bei einer spezifischen Indikation oder auch generell überlegen sei, werden Keramikimplantate gern noch pauschal beurteilt. Warum auch hier auf das Detail geachtet werden sollte, wollte pip von einem der Autoren dieser Ausgabe wissen.

Bild: Interview mit Dr. med. dent. Arnd Lohmann, Implantologe, M.Sc.

pip: Keramik ist also nicht gleich Keramik?

Arnd LohmannNatürlich nicht – schon allein hinsichtlich des Werkstoffes nicht. Die ersten Keramikimplantate aus Aluminiumoxid hatten sich z.B. nicht durchgesetzt, weil sie über eine nur sehr geringe Risszähigkeit verfügten. Heutige sogenannte Hochleistungskeramiken wie das Zirkonoxid, und hier ist besonders das ATZ – aluminium-toughened-zirconia – zu nennen, das auch bei den Zeramex-Implantaten eingesetzt wird, haben durch besondere Herstellungsverfahren eine den Titanimplantaten vergleichbare Stabilität, eine für die Osseointegration optimale Oberflächenstruktur und daneben die bekannten biologischen Vorteile, auf die wir sicher noch zu sprechen kommen. Daneben stellt sich auch die Frage der Ein- oder Zweiteiligkeit und damit der Versatilität bei der prothetischen Versorgung. Bei zweiteiligen Implantaten interessiert mich dann auch persönlich sehr, ob das metallfreie Konzept konsequent durchgehalten wird – auch hier überzeugte mich die Vicarbo-Schraube, die aus einem sehr steifen, karbonfaserverstärkten Hochleistungs-PEEK besteht. In der Kombination nimmt die Keramik die Druckkräfte auf, während die Vicarbo-Schraube den Zug- und Biegekräften entgegenwirkt. Und ich habe kein ‚verstecktes Metall‘.

pip: Wie wichtig ist für Sie beim prothetischen Workflow die Möglichkeit der Gestaltung individueller Abutments?

Arnd LohmannEinen Patienten mit immunologischer Problematik gegenüber Titanoxid interessiert anfangs durchaus das Material mehr als einen davon nicht betroffenen Patienten – am Ende interessiert diesen Patienten aber auch die Optik, rot-weiße Ästhetik und die Haltbarkeit seines Zahnersatzes. Je weniger Kompromisse ich da machen muss, umso besser. Für mich ist daher ganz wesentlich, dass ich mit Zeramex Digital Solutions auch die Möglichkeit des digitalen Workflows und der Herstellung individueller Abutments habe, ganz besonders bei ästhetisch anspruchsvollen Frontzahnversorgungen, die seitens unserer Patienten verstärkt für Keramikimplantate gewünscht werden. Zeramex bietet neben den individualisierten Abutments und monolithischen Kronen auch einen Service für die Aufbereitung der Daten und für das Finishing der vorgefertigten rohen Versorgung, hier kann ich also alles aus einer Hand haben. Ich sehe in diesen Workflows absolut die Zukunft und denke, dass es Hersteller, die diese Services nicht anbieten können, künftig schwer haben werden.

pip: Welchen Anteil haben Patienten mit nachweisbarer Titanunverträglichkeit aktuell in Ihrer Praxis und wie schätzen Sie es prognostisch ein?

Arnd LohmannWir sind keine auf Umweltzahnmedizin oder ganzheitliche Zahnmedizin spezialisierte Praxis, daher liegt bei uns der Anteil mit 5 % in einem eher niedrigen, aber spürbar wachsenden Bereich. Ich weiß allerdings, dass spezialisierte Praxen Quoten von um die 20 % aufweisen, eine sehr bekannte Praxis im Raum Mainz kommt sogar auf 60%. Es kommt hier auch gar nicht darauf an, Hysterien zu schüren, wo keine sind. Diese Unverträglichkeiten gibt es nachweislich und ich möchte diesen Patienten in meiner eigenen Praxis eine überzeugende Alternative bieten.

pip: Haben Sie noch einen Rat an unsere Leser, die sich erstmalig mit Keramikimplantaten befassen wollen?

Arnd LohmannEin Keramikimplantat ist kein Titanimplantat in weiß. Das OP- Protokoll ist ein anderes und muss auch von einem erfahrenen Chirurgen und Zahnarzt erst erlernt werden. Zeramex ist übrigens auch hier ein echter Partner mit vielen Fortbildungsveranstaltungen und Hands on-Seminaren. Während des Lockdowns haben sie sich wirklich hervorgetan und in kürzester Zeit eine Serie von Online-Tutorials herausgebracht. So konnten Interessenten die Zwangspause gut nutzen, sich in das Thema einzuarbeiten. Auch wenn Keramikimplantate für Patienten mit Unverträglichkeiten eine segensreiche Entwicklung sein mögen, sollten sie bei den prothetischen Versorgungsmöglichkeiten hinsichtlich Einfachheit, Vorhersagbarkeit und Ästhetik dem Titan in nichts nachstehen. Mit dem zweiteiligen Zeramex XT und den Digital Solutions sind wir erneut einen wesentlichen Schritt weiter, Keramikimplantate als echte Alternative anbieten zu können.

pip: Herzliches Dankeschön für dieses Gespräch, Herr Dr. Lohmann.