Mit dem MT Bone, das 2025 erstmals vorgestellt wurde, erweitert mectron die Piezochirurgie um eine neue Dimension der Implantatbettpräparation. Wir befragten einen der ersten Anwender über seine klinischen Erfahrungen, neue Sicherheitsaspekte und den Mehrwert für Behandler und Patienten.
Interview mit Prof. Dr. med. dent. Marcus Schiller – Oralchirurg
Herr Prof. Schiller, Sie verwenden das neue MT Bone von mectron bereits seit einiger Zeit in Ihrer Praxis. Was sind Ihre Erfahrungen als Anwender?
Marcus Schiller: Die ersten Anwendungen mit dem MT Bone waren ausgesprochen spannend. Das Arbeiten unterscheidet sich grundlegend von der klassischen rotierenden Technik, da das Instrument oszillierend in einer Auf-und-Ab-Bewegung agiert. Diese Umstellung erfordert zunächst Aufmerksamkeit, lässt sich jedoch schnell und sicher in den klinischen Alltag integrieren.
Besonders positiv fiel die Reaktion der Patientinnen und Patienten aus: Die sonst typischen Bohrgeräusche entfallen weitgehend, was die Behandlung deutlich angenehmer macht und zu einer höheren Akzeptanz beiträgt.
In welchen Situationen zeigt sich für Sie besonders, dass das MT Bone harmonischer und kontrollierter arbeitet?
Marcus Schiller: Vor allem bei schmalen, spitzen Kieferkämmen – etwa bei der Sofortimplantation mit Nutzung des Septums als Implantatlager – zeigt sich der Vorteil der Anwendung durch die Piezodrill-Technologie sehr deutlich. Im Gegensatz zu rotierenden Instrumenten kommt es nicht zu einem unkontrollierten ‚Wandern‘ des Bohrers auf dem Knochen. Das Ergebnis ist eine deutlich höhere Kontrolle und Präzision, insbesondere in anatomisch anspruchsvollen Situationen.
Die Kombination aus Piezosurgery und Piezodrill erweitert das chirurgische Spektrum. Für welche Indikationen nutzen Sie MT Bone bevorzugt?
Marcus Schiller: Ich setze das MT Bone konsequent im implantologischen Workflow ein, insbesondere bei Implantatdurchmessern bis 4,2 mm. Die Pilotbohrung erfolgt zunächst mit dem Piezosurgery-System, während Profilbohrung und die Präparation des Implantatbettes vollständig mit der Piezodrill-Funktion des MT Bone durchgeführt werden. Auf diese Weise lassen sich sowohl Miniimplantate als auch klassische konische Implantate sicher und reproduzierbar inserieren.
Wie beeinflussen die gesteigerte Präzision und die gezieltere Kühlung Ihre operative Sicherheit und die Sicht im OP-Feld?
Marcus Schiller: Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Kühlung direkt an der Instrumentenspitze. Durch den piezoelektrischen Kavitationseffekt wird die Kühlflüssigkeit fein verteilt, was sowohl die thermische Sicherheit als auch die Sicht im OP-Feld deutlich verbessert. Der Operateur behält den Drill jederzeit gut im Blick. Ein kleiner Nebeneffekt ist, dass der Patient dabei mit einer leichten ‚Regendusche‘ rechnen muss – klinisch jedoch ohne Relevanz.
Welche Bedeutung hat die höhere Arbeitsgeschwindigkeit des Systems für Ihren Behandlungsablauf und den Komfort Ihrer Patientinnen und Patienten?
Marcus Schiller: Die gesteigerte Effizienz wirkt sich spürbar auf den gesamten Behandlungsablauf aus. Insbesondere bei der Entnahme von Knochenblöcken lässt sich deutlich schneller und zugleich kontrollierter arbeiten als mit älteren Handstücken. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dies nicht nur eine kürzere Behandlungszeit, sondern auch eine deutlich angenehmere Geräuschkulisse. Darüber hinaus bestätigen sowohl meine klinischen Beobachtungen als auch aktuelle Studien, dass piezochirurgische Verfahren mit geringeren postoperativen Beschwerden einhergehen. Schwellungen und Schmerzen fallen im Vergleich zu klassischen rotierenden Instrumenten signifikant geringer aus – ein klarer Vorteil für den Heilungsverlauf und den Patientenkomfort. Aus meiner Sicht ist das insbesondere für sensible oder vorerkrankte Patientengruppen ein relevanter Aspekt. Eine geringere Traumatisierung des Knochens wirkt sich positiv auf die Wundheilung aus und unterstützt eine insgesamt stressärmere Behandlungssituation.
Insgesamt sehe ich im MT Bone eine konsequente Weiterentwicklung der Piezochirurgie, die Präzision, Sicherheit und Anwenderkomfort sinnvoll miteinander verbindet und sich gut in moderne implantologische Konzepte integrieren lässt.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
