​Wie unsexy nimmt sich ein Fortbildungsteil „Naht-und Knotentechniken“ aus gegen die Präsentation des neuesten digitalen Meilensteins – und doch entscheiden Material und Beherrschung ebendieser Techniken oft über den ungetrübten Heilungsverlauf und das ästhetische Outcome. Was gilt es besonders zu beachten?

Interview mit Dr. med. Dr. med. dent. Martin Bonsmann, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg

pip: Welche Prinzipien erachten Sie als besonders wichtig beim chirurgischen Nähen und Knoten?

Martin Bonsmann: Der spannungsfreie Wundverschluss und die Vermeidung von Dehiszenzen sind für den ungestörten Heilungserfolg entscheidend. Sobald man im Gewebe nachbessern muss, ist die Biologie schon empfindlich gestört. Mir fällt sehr oft in den von mir für die DGI abgehaltenen Supervisionen auf, dass Leute, die durchaus gut und sicher implantieren können, bei den chirurgischen Nahttechniken viel zu lange Zeit brauchen und häufig korrigiert werden müssen. Spannungsfreiheit und vollendeter Wundverschluss bilden aber die unabdingbare Plattform, auf der Sie dann später alle Ihre tollen Kunststücke im Gewebemanagement und der Prothetik durchführen können.

pip: Was empfehlen Sie für den Anfang und die weitere Lernkurve?

Martin Bonsmann: Suchen Sie sich einen Mentor, machen Sie eine Famulatur in einer Praxis. Auch Zahnmedizinstudenten möchte ich einladen, viel öfter in Praxen zu hospitieren. Die meisten Kollegen sind aufgeschlossen und freuen sich, ihre Expertise weiterzugeben. Es gibt mit den Büchern ‚Arbeitstechniken Chirurgie‘ von Koeppen und Sterk und ganz aktuell mit ‚Der rote Faden‘ von Beuer und Stangl anspruchsvolle, aber sehr gute Bücher als Anleitungsmaterialien. Über das Dental Online College können viele Videos zu den im Beuer/Stangl-Buch beschriebe-en Nahttechniken abgerufen werden. Auch auf YouTube sind dazu tolle Tutorials zu finden. Ich habe in meinen Anfängen stundenlang an einem frischen Hähnchen Naht- und Knotentechniken geübt – die Haut ist in der Haptik und der Nachgiebigkeit ideal dafür. Üben Sie damit die grundlegenden Dinge. Allein das korrekte Halten der Fäden im Nadelhalter ist so ein Beispiel: Halten Sie ihn zu locker, bekommen Sie sogenannte ‚Luftknoten‘, mit denen eine Wunde nicht verschlossen werden kann. Es gibt auch viele kleine Tricks zu erlernen – dass Sie unfallfrei ein Päckchen verschnürt bekommen, wird Ihnen im Mund nicht viel helfen! Daneben veranstaltet die DGI, aber auch andere Fachverbände, regionale, oft spezielle Hands on-Kurse, in denen Sie neue Techniken kennenlernen können. Suchen Sie Fortbildungsveranstaltungen einmal eine Weile gezielt danach aus, ob auch ein praktischer Chirurgieteil angeboten wird. Jede Übungsstunde hilft.

pip: Für wie hoch schätzen Sie den Einfluss gut ausgeführter Nähte und Knoten für den chirurgischen Erfolg?

Martin Bonsmann: Ich würde so weit gehen, das korrekte Nähen sowie die Beherrschung der gängigen Techniken als das A und O zu bezeichnen. Das Vernähen von Extraktionswunden offenbart – das sehen wir manchmal bei unseren Zuweiserpraxen – große Schwächen, die sich mit mehr Übung leicht verbessern ließen. Üben Sie vor allem so lange, bis Sie die Techniken blind und quasi ‚direkt nach dem Wachwerden‘ beherrschen. Während der Operation sind Sie im Stress, da brauchen Sie Ihre Energie für anderes als über den korrekten Faden und dessen Führung oder eine Knotentechnik nachzudenken.

pip: Was nimmt Sie besonders für das Nahtmaterial- Portfolio von Mectron ein?

Martin Bonsmann: Wir arbeiten schon sehr lange mit Mectron beispielsweise im Bereich der Piezosurgery oder beim Bone Splitting zusammen. Da lag es nahe, auch deren Nahtmaterial auszuprobieren, das zudem ein optimales Preis-Leistungsverhältnis aufweist. Solange Nahtmaterialien noch Kassenleistung waren, hatte sich bei uns auch niemand Gedanken darum gemacht. Nachdem das aber, wie so vieles andere, aus der Erstattung herausgefallen war, bemerkten wir, wie viel davon bei uns bereits an einem Tag verbraucht wird. Übrigens, kleiner Tipp am Rande: Vergleichen Sie bei Herstellern immer die Packungsgrößen. So mancher Kampfpreis entpuppt sich dann als Mogelpackung. Besonders eingenommen hat uns für Mectron wieder einmal, dass wir selbst in einem so trivial anmutenden Bereich ernst genommen wurden, als wir zum Beispiel besondere Nadel-Faden-Kombinationen für spezifische Indikationen anregten. Dieselbe faire Partnerschaft, die wir im High-Tech-Gerätebereich erleben, fanden wir hier wieder. Das macht einfach Freude.

pip: Herzliches Dankeschön für unser Gespräch.