Erst Ende 2024 auf der von Resorba organisierten und hochgelobten UBB-Konferenz in Wien konnten interessierte Teilnehmer den Meister persönlich treffen und ihm ganz nahekommen: Kein Zahnarzt, der in der Implantologie oder Chirurgie tätig ist, würde von Prof. Dr. Istvan Urban nicht beeindruckt sein.
Interview mit Prof. Dr. Istvan Urban, DMD, MD, PhD, Spezialist für Knochenregeneration und rekonstruktive Weichgewebechirurgie
Horizontale und vor allem vertikale Augmentationen gelten als besonders anspruchsvoll. Wo sehen Sie die größten Unterschiede hinsichtlich des Risikos und der anzuwendenden Techniken?
Istvan Urban: Ich denke, dass wir heute auch in der Knochenregeneration wenig oder sogar bestmöglich minimalinvasiv vorgehen müssen. Wir haben in der Fachzeitschrift Periodontology 2000 einen Artikel über Minimalinvasivität bei vertikalen Augmentationen veröffentlicht. Die GBR – geführte Knochenregeneration – gilt dabei als die am wenigsten invasive und am besten dokumentierte Methode und weist bis heute nachweislich die geringste Anzahl an Komplikationen auf. Dies gilt für horizontale ebenso wie für die, tatsächlich meist anspruchsvolleren, vertikalen Augmentationen.
Ein intelligentes Weichgewebemanagement gilt als Schlüssel zum langfristigen Implantaterfolg. Welche Strategien und Techniken gewährleisten ein stabiles und ästhetisches Ergebnis?
Istvan Urban: Die Rekonstruktion von Knochen und Weichgewebe muss insbesondere in der Oberkieferfront zwingend Hand in Hand gehen. Wir haben aus unserer Forschung und Klinik dazu mehrere chirurgische Verfahren neu eingeführt, wie z. B. das labiale Streifengewebe-Transplantat aus der Gingiva für die ästhetische Augmentation von keratinisiertem Gewebe oder das Iceberg- und das sogenannte Garagen-Bindegewebstransplantat für die Rekonstruktion der periimplantären Papille. Diese Techniken zielen darauf ab, die Schleimhautdicke und die Höhe des suprakrestalen Gewebes zu verbessern und gleichzeitig ästhetische Probleme bei gleich mehreren Implantaten im Frontzahnbereich zu vermeiden. Die ästhetischen Ergebnisse sind hervorragend, erfordern jedoch eine optimale Knochenunterstützung, um gute Langzeitergebnisse zu erzielen.
Dann ist das endgültige ästhetische Ergebnis wirklich ausgezeichnet und führt zu harmonischem Weichgewebe mit angemessener Dicke, einer guten Symmetrie zu den Nachbarzähnen, sehr gut ausgeformten Interdental- und Interimplantatpapillen und einer sehr hohen Patientenzufriedenheit. Insgesamt macht das diesen Ansatz zu einer wertvollen Ergänzung des chirurgischen Instrumentariums.
Welche Rolle spielt die Wahl des richtigen Nahtmaterials und der geeigneten Nahttechnik bei komplexen Augmentationsfällen und in der Weichgewebechirurgie?
Istvan Urban: Für mich ist es ausnehmend wichtig, welche Art von Nahtmaterial ich verwende. Beispielsweise habe ich für meine Labialstreifentransplantationen kein gutes resorbierbares 7-0 mit einer sehr feinen Nadel gefunden. Das Unternehmen Resorba hat mir auf meine Empfehlungen hin dann ganz speziell eines hergestellt, das bei diesem Vorgehen einfach perfekt funktioniert. Ich verwende für meine Weichgewebeeingriffe sehr oft Glycolon, das Polyglykolsäure und ԑ-Caprolacton in einem bestimmten Verhältnis copolimerisiert. Nach dem Eingriff nimmt die Reißkraft der Naht nach sieben Tagen auf 30 % ab. Der Abbau des polymeren Fadenmaterials im Gewebe erfolgt durch Wasseraufnahme in Umkehrung der Synthese. Gewebereaktionen werden zum einen durch die dabei entstehenden unbedenklichen Zwischenprodukte und zum anderen durch die monofile und glatte Oberflächenstruktur des Fadens minimiert.
Neben Ihrer ‚Sausage-Technik‘ setzt auch Ihre ‚Urban Regeneration‘-Methode weltweit Maßstäbe. Welche Tipps können Sie unseren Lesern für einen vorhersehbaren Erfolg geben?
Istvan Urban: Meine beste Empfehlung lautet: Gehen Sie keine Kompromisse bei der Vorbereitung des Patienten, während der Operation und auch bei der postoperativen Behandlung und Provisoriumsversorgung ein. Wenn ein Patient noch nicht bereit ist, Sie beispielsweise die Parodontaltherapie noch nicht erfolgreich abgeschlossen haben, beginnen Sie noch nicht mit der Knochentransplantation. Wir haben es in der Hand, viele unserer Unternehmungen nicht von Anfang an zu kompromittieren oder uns und unsere Patienten vermeidbaren Risiken auszusetzen.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
