Zimmer Biomet Dental hat sein System für die schablonengeführte Implantologie um innovative Komponenten erweitert. Dazu gehört die RealGuide Software sowie das RealGuide Z3D Kit – ein neues chirurgisches Tray für die vollnavigierte Implantologie.

Interview mit Dr. med. dent. Torsten Kamm, Implantologe

pip: Herr Dr. Kamm, wie haben Sie bislang implantiert?

Torsten Kamm: Die schablonengeführte Implantologie praktizieren wir seit mehr als 15 Jahren. Mit Ausnahme der Sofortimplantationen habe ich immer mindestens ‚guided‘ gearbeitet, d.h. Pilotbohrung und erste Bohrung sind geführt. Vollnavigiert haben wir bislang eigentlich nur bei großen, komplexen Fällen implantiert. Mit dem neuen System von Zimmer Biomet stellen wir jetzt komplett auf die full-guided Implantation um.

pip: Wie waren Ihre Erfahrungen mit der schablonengeführten Implantologie früher – und wie sind sie heute?

Torsten Kamm: Damals waren die Systeme noch sehr umständlich, mit vielen analogen Arbeitsschritten. Alles war zwar machbar, aber bei weitem noch nicht so genau. Unsere alten Systeme haben wir früher auch seltener genutzt, weil der Aufwand so groß war. Alleine der Wechsel der verschiedenen Bohrhülsen-Einsätze war enorm zeitintensiv. Bei dem neuen RealGuide Tray von Zimmer Biomet muss die Hülse nicht mehr gewechselt werden, weil der Bohrer – egal welchen Durchmesser er innen hat – mittels eines Führungsschafts exakt passt. Dadurch können wir auch in Regionen mit Schablone bohren, wo wir sonst weggerutscht sind, z.B. bei einer Sofortimplantation. Mit dem neuen System machen wir alles vollnavigiert und mit Tiefenanschlag. Es dauert nicht länger, ist einfacher, weniger fehleranfällig und wesentlich genauer als jedes andere Verfahren. Das ist ein Riesenschritt nach vorne.

pip: Wie ist nun der moderne Workflow im Einzelnen bei Ihnen?

Torsten Kamm: Wir matchen die Dicom-Daten aus dem DVT mit den STL- aten aus dem extra- oder intraoralen Scanner und können bei Bedarf das Ganze noch mit den STL-Daten aus einem 3D-Facescanner matchen. Damit gewinnen wir eine vierte Dimension und können die Ebenen und Implantatachsen genau bestimmen. So wissen wir, wo die Prothetik stehen muss. Bei uns plant und fertigt der Zahntechniker die Prothetik, das Provisorium und die Bohrschablone. Und auch die Schablone fertigen wir inhouse mit dem 3D-Drucker. Man kann aber auch die Planung und die Fertigung über Implant Concierge komplett extern machen lassen.

pip: Inwiefern sind Sie als Zahnarzt in die Planung eingebunden?

Torsten Kamm: Früher bedurfte es wesentlich mehr Abstimmung im Vorfeld. Jetzt ist es so, dass der Zahntechniker alles fertig plant und ich in den allermeisten Fällen die Planung auch genauso freigeben kann, weil sie einfach perfekt ist. Ob der Zahntechniker nebenan oder in einer anderen Stadt sitzt, ist dabei unerheblich. Über die Cloud der Software können wir jederzeit auf alles zugreifen.

pip: Was ist für Sie der größte Vorteil dieses Workflows?

Torsten Kamm: Eindeutig die Genauigkeit. Erst jetzt ergibt die vollnavigierte 3D-Planung wirklich Sinn – und zwar mit einer Schnelligkeit und Präzision, von der wir vor ein paar Jahren nur träumen konnten. Noch nie konnten wir chirurgisch und prothetisch so exakt planen. Das spiegelt sich auch im klinischen Erfolg, den wir haben. Für den Patienten haben wir außerdem einen großen Komfortgewinn. Wir können den Patienten bei Sofortbelastung mit einem fertigen Provisorium nach Hause schicken. Dabei überzeugen Passung und Ästhetik wie nie zuvor.

pip: Ermöglicht die Vollnavigation (schablonengeführte Implantologie) einem Anfänger den Einstieg?

Torsten Kamm: Nein. Die schablonengeführte Implantologie eignet sich keineswegs für Anfänger, wie uns die Werbung manchmal weismachen will. Um sie gut und erfolgreich zu machen, braucht man sehr viel Erfahrung. Die Systeme sind heute sehr gut geworden, aber sie gehören in die Hände von Vollprofis.

pip: Wie ist Ihr vorläufiges Fazit?

Torsten Kamm: Die Arbeit von letzter Woche zum Beispiel war ein kompletter Oberkiefer. Die Arbeit hat einfach perfekt und spannungsfrei gepasst. Der Zahntechniker musste nichts mehr einschleifen. Das liegt an dem sehr guten System von Zimmer Biomet und an unserer langjährigen Erfahrung in der Chirurgie und der Prothetik.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.