Das periimplantäre Weichgewebe entscheidet über Stabilität, Ästhetik und Langzeiterfolg. Doch warum eröffnen schlanke Implantatgeometrien, einteilige Konzepte und Zirkonoxid neue biologische Spielräume – und weshalb ist perfekte Ästhetik stets das Resultat funktionierender Biologie?
Interview mit Dr. med. dent. Holger Scholz – Implantologe
Herr Dr. Scholz, das periimplantäre Weichgewebe steht im Mittelpunkt implantologischer Konzepte. Warum ist es aus Ihrer klinischen Erfahrung heute entscheidend, Implantatgeometrien konsequent von der Seite des Weichgewebes zu denken?
Holger Scholz: Die Implantatgeometrie ist sowohl für den Knochen als auch das Weichgewebe relevant. Die Veränderungen der Geometrie im ossären Bereich sind vielfach optimiert, auch bei keramischen Implantaten, sodass ich hier wenig Entwicklungspotenzial sehe. Im Bereich des Weichgewebes hat es in den vergangenen Jahren vielfältige Innovationen gegeben. Eine für mich sehr spannende Entwicklung durfte ich von Beginn an begleiten. Nach meiner Wahrnehmung ist die Tendenz bei den Implantatdurchmessern hin zu geringeren Durchmessern gegangen, um dem vitalen Knochen mehr Raum und damit Stabilität zu geben. Einen ähnlichen Schritt für das Weichgewebe ist das Unternehmen bredent mit dem Tissue Line Implantat gegangen. Das schlanke Design im Durchtrittsbereich schafft Raum für ein gesundes und stabiles Weichgewebe.
Zusammen mit den Vorteilen eines einteiligen Implantates aus Zirkonoxid sehe ich als Resultat nach der Einheilphase stabiles Weichgewebe, fest verbunden mit der Implantatoberfläche im Sinne eines Pseudoattachments. Regelmäßig beobachte ich gerade bei Sofortimplantaten einen Attachmentgewinn von ein bis zwei Millimetern.
In welchen Indikationen profitieren Sie besonders von dem zusätzlichen Weichgeweberaum, den die schlanke Tissue-Line von whiteSKY schafft – und wie wirkt sich das konkret auf Stabilität, Heilung und ästhetisches Ergebnis aus?
Holger Scholz: In aller Kurze: Mehr Platz für das Weichgewebe schafft stabileres Gewebe, die Spaltfreiheit einteiliger Implantate vermeidet Räume für Bakterien, das Material Zirkonoxid hat von allen dentalen Materialien die beste Anlagerung von Weichgewebe – wir denken wieder an das Pseudoattachment Im Ergebnis sehen wir nach der Einheilphase eher zu viel als zu wenig Weichgewebe, eine Luxussituation für eine perfekte Ästhetik. Und die Ergebnisse nach jetzt etwa fünf Jahren Beobachtung können sich im Vergleich zu anderen Designs sehen lassen.
Welche Rolle spielt das Material Zirkonoxid im Zusammenspiel mit der Implantatform, insbesondere im Hinblick auf Weichgewebeanlagerung, Entzündungsfreiheit und langfristige periimplantäre Gesundheit?
Holger Scholz: Wir wissen aus unterschiedlichen Studien, dass Zirkonoxid aktuell das beste Material im Bereich des Weichgewebes ist, was die Anlagerung angeht sowie natürlich auch die Ästhetik. Je besser und intensiver die Anlagerung des Weichgewebes, desto geringer das Periimplantitisrisiko und desto besser die Prognose der Implantate.
Wenn Sie auf Ihre klinischen Erfahrungen mit whiteSKY blicken: Welche zentrale Botschaft möchten Sie Kolleginnen und Kollegen mitgeben, die im ästhetischen Bereich arbeiten und ihr chirurgisches Konzept stärker auf nachhaltige Weichgewebeintegration ausrichten möchten?
Holger Scholz: Sie werden es schon herausgehört haben: Vollständig metallfreie Zahnversorgungen sind, zahnmedizinisch gesehen, meine große Liebe. Mein zweiter Fokus ist die ganzheitliche Gesundheit der Menschen, nicht nur die Zahngesundheit. Entzündungen sind die Epidemie des 21. Jahrhunderts mit dramatischen Folgen für die allgemeine und die Zahngesundheit. Zirkonoxid ist aktuell das verträglichste Material mit den geringsten Entzündungsreaktionen des Körpers.
Die perfekte Ästhetik ist hier lediglich die Folge der biologisch inerten Situation – denn wir wissen ja: Form follows function.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
