Spannung versprach der 33. DGI-Kongress, der Ende November 2019 die Aufmerksamkeit der Dentalwelt nach Hamburg lenkte. Unter dem Motto „Konzepte im Wettstreit“ setzten DGI-Vizepräsident Prof. Dr. Florian Beuer MME (Berlin) und DGI-Pastpräsident Prof. Dr. Frank Schwarz (Frankfurt) konsequent auf die Disputation als lebendiges, interessantes und interaktives Format.

Ein doppelter Geburtstag lud Ende November 1.900 Teilnehmer nach Hamburg an den 33. DGI-Kongress 25 Jahre DGI und zehn Jahre der erfolgreichen parallelen Industrieausstellung Implant expo. Dafür hatte die DGI das Motto „Wettstreit der Konzepte“ gewählt. Die pip-Redaktion war live dabei und hat berichtet: Zur Bildergalerie!

Konzepte im Vergleich

Unter der Moderation von Prof. Dr. Hans-Joachim Nickenig aus Köln startete DGI-Präsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz aus Wiesbaden den Kongress-Freitag. Er erörterte die Möglichkeit einer Implantation beim kompromittierten Patienten – insbesondere bei Immunsuppression und Immundefizienz, während Prof. Dr. Hans-Joachim Nickenig verschiedene Fälle mit klinischer Relevanz präsentierte, um die Unterschiede zwischen der analogen und der 3D-basierten Planung aufzuzeigen. Dr. Karl-Ludwig Ackermann aus Filderstadt stellte die Frage, ob die perio-implantologisch-prothetisch-analoge Planung noch zeitgemäß ist und Dr. Georgia Trimpou aus Frankfurt/Main widmete sich den Vorzügen der digitalen Planung. Alle Referenten waren sich darin einig, dass die Zukunft der Zahnmedizin digital und der dentale Nachwuchs bereits absolute „digital Natives“ seien.

Die Referenten der Pressekonferenz (v.li.): Priv. Doz. Dr. G. Iglhaut, Prof. Dr. J. Nickenig, Prof. Dr. S. Wohlfahrt, Präsident Prof. Dr. Dr. K. A. Grötz, Pastpräsident Prof. Dr. F. Schwarz, Vizepräsident Prof. Dr. F. Beuer, Schriftführer Prof. Dr. Dr. B. Al-Nawas, EAO-Präsident Prof. Dr. Dr. H. Schliephake.

Der zweite Teil wurde von Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas moderiert und befasste sich mit dem richtigen Implantationszeitpunkt. Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake aus Göttingen stellte die Voraussetzungen von Sofortimplantationen anhand verschiedener Ausgangssituationen vor. Prof. Dr. Daniel Buser aus Bern sprach über die Vorteile der Frühimplantation. Sowohl die Sofort- als auch die verzögerte Implantation liefern sehr gute Ergebnisse. Wichtig sind eine ausreichende Länge, Stärke und Durchmesser des komplett in gesundem Knochen eingebetteten Implantats. Auch eine keratinisierte periimplantäre Mukosa schützt vor Implantatverlust.

Im Anschluss an die Mittagspause startete die dritte Session (DGI-Kongress) mit dem Fokus auf die Implantatmaterialien. Moderiert wurde diese von Dr. Frederic Hermann aus Zug/Schweiz. Einleitend dazu stellte Dr. Kathrin Becker, M.Sc., aus Düsseldorf die Vorzüge von Mini-Implantaten zur skelettalen Verankerung in der Kieferorthopädie vor. Dr. Benedict Spies aus Berlin widmete sich den Keramikimplantaten und Prof. Dr. Michael Stimmelmayr aus Cham arbeitete die Vorzüge der Titanimplantate heraus. Keramik- und Titanimplantate haben ihre Vorzüge und sind in der Praxis je nach Indikation gut einsetzbar. Prof. Stimmelmayr betont, dass trotz hohem Fokus der Fachwelt auf Keramik die Titanimplantate als im Vergleich langzeitlich besser untersuchtes Material zur Verfügung stehen würden.

Alle Faktoren von Mutter Natur für die Augmentation, patienteneigene Wachstumsfaktoren im Blut mit Knochenchips und Ringerlösung. Das ist es. 


Auch beim Thema der letzten Session des Tages scheiden sich die Geister: festsitzende oder herausnehmbare Suprakonstruktion? Unter der Moderation von Prof. Dr. Stefan Wohlfart aus Aachen arbeitete Prof. Dr. Hannes Wachtel die Vorteile der festsitzenden Suprakonstruktion u. a. in Interviews mit Patienten heraus, während Dr. Detlef Hildebrandt aus Berlin zeigte, warum er auf die herausnehmbare Versorgungsform setzt. Auch hier wurde schnell klar, dass beide Konzepte ihre verdienten Indikationen besitzen, langfristig erfolgreich, sicher und zuverlässig sind.

Weitere Highlights

Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden aus Kassel wurde die Ehre zuteil, die Laudatio auf Prof. Dr. Günter Dhom zu halten, der zum Ehrenmitglied der DGI ernannt wurde. In seiner herzlichen Rede zeigte Prof. Terheyden, welch großen Respekt er den Leistungen Prof. Dhoms zollte. DGI- Präsident Prof. Grötz aus Wiesbaden überreichte einem deutlich gerührten Prof. Dhom unter großem Applaus die Ehrenmitgliedschafts-Urkunde.

Erstmals fand während eines DGI-Kongresses eine Live- Implantation statt. Der Oralchirurg Dr. Puria Parvini aus Frankfurt am Main hatte sich dazu bereit erklärt, eine Sofortimplantation mit Augmentation in der ästhetischen Zone bei einer kompromittierten Alveole zu zeigen. Auch die Industrieausstellung zeigte sich hochfrequentiert und an allen Ständen herrschte reges Treiben, entspannen sich interessante Gespräche und wurden neue Kontakte geknüpft.

Es ist nicht der Wettstreit, sondern das Miteinander im
Sinne der besten Selektion für den Patienten, appelliert Prof. Buser. 


Fazit

„Der Weg ist das Ziel war früher. Im Team müssen wir mit guter Diagnostik von Anfang an die Erwartungen der Patienten erfüllen.“ Dieses Zitat aus dem Vortrag von Prof. Dr. Martin Gollner fasste perfekt alle Vorträge, Workshops, Symposien, Foren sowie Poster- und Industrieausstellungen zusammen.

34. DGI-Kongress

29th Annual Scientific Meeting: Berlin, 8.-10. Oktober 2020.

Motto: „Tear down this wall!“