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Die „Keramik-Familie“ trifft sich in Zürich

Die „weiße Alternative“ stand klar im Mittelpunkt beim 3. European Congress Ceramic Implant Dentistry der European Society for Ceramic Implantology (ESCI) in Zürich. Drei Tage lang konnten die rund 180 Teilnehmer im bestens organisierten Programm verschiedenste Themen rund um die Keramikimplantologie verfolgen. Dabei wurden durchaus auch kritische Töne angeschlagen – etwa zur aktuellen Lieferproblematik bei Zirkoniumdioxid in der Dentalindustrie.

Die Lieferengpässe lassen es bereits vermuten: Keramikimplantate werden immer beliebter und sind mittlerweile vom Nischenprodukt zu einer echten Therapiealternative geworden. Davon profitiert auch die ESCI und ihr Kongress. Die Nachfrage nach der Fortbildung in der Schweiz war groß und die Teilnehmer international wie nie – aus mehr als 20 Nationen reisten diese an.

Das freute insbesondere ESCI-Präsident Dr. Jens Tartsch und seine Vorstandskollegen vom ESCI, PD Dr. Stefan Röhling, Prof. Dr. André Chen und PD Dr. Frank Maier, die die Veranstaltung erfolgreich organisierten und das wissenschaftliche Programm moderierten. 

ESCI-Präsident Dr. Jens Tartsch begrüßte bereits zum dritten Mal Teilnehmer beim ESCI-Kongress in Zürich.
ESCI-Präsident Dr. Jens Tartsch begrüßte bereits zum dritten Mal Teilnehmer beim ESCI-Kongress in Zürich.
Rund 180 Teilnehmer aus mehr als 20 Nationen machten die Veranstaltung so international wie nie.
Rund 180 Teilnehmer aus mehr als 20 Nationen machten die Veranstaltung so international wie nie.
Einen Überblick zum Material Zirkoniumdioxid gab Prof. Dr. Jérôme Chevalier. Zirkonia ist dabei nicht gleich Zirkonia – die Materialfamilie habe sich in den vergangenen zehn Jahren stark erweitert. Auch beim yttriumstabilisiertes Zirkoniumdioxid welches im Dentalbereich verwendet wird. Siliziumnitrid-Materialien könnten eine Option sein, benötigen aber noch weitere Forschung in der dentalen Implantologie.
Einen Überblick zum Material Zirkoniumdioxid gab Prof. Dr. Jérôme Chevalier. Zirkonia ist dabei nicht gleich Zirkonia – die Materialfamilie habe sich in den vergangenen zehn Jahren stark erweitert. Auch beim yttriumstabilisiertes Zirkoniumdioxid welches im Dentalbereich verwendet wird. Siliziumnitrid-Materialien könnten eine Option sein, benötigen aber noch weitere Forschung in der dentalen Implantologie.
Wie es mit der Stabilität von Keramikimplantaten aussieht, berichtete Prof. Dr. Ralf Kohal in seinem Vortrag. Natürlich würden auch bei Keramikimplantaten Frakturen auftreten, so der Experte. „Die Frakturrate kommerziell erhältlicher Implantate liegt aber innerhalb der Frakturrate von Titanimplantaten“, betonte Kohal. Auch die Überlebensraten seien mittlerweile ähnlich wie bei Titanimplantaten.
Wie es mit der Stabilität von Keramikimplantaten aussieht, berichtete Prof. Dr. Ralf Kohal in seinem Vortrag. Natürlich würden auch bei Keramikimplantaten Frakturen auftreten, so der Experte. „Die Frakturrate kommerziell erhältlicher Implantate liegt aber innerhalb der Frakturrate von Titanimplantaten“, betonte Kohal. Auch die Überlebensraten seien mittlerweile ähnlich wie bei Titanimplantaten.
Was hat man aus den klinischen Studien rund um Keramikimplantate eigentlich gelernt, fragte Dr. Marc Balmer, der pünklich zum ESCI-Kongress in den ESCI-Vorstand aufgenommen wurde. Er zeigte, dass Keramikimplantate über eine hohe Überlebensrate und stabile marginale Knochenwerte bei mehr als 10 Jahren verfügen. Schmale und durchmesserreduzierte Keramikimplantate könnten eine Behandlungsoption bei begrenzter Knochenverfügbarkeit darstellen. Studien hätten zudem gezeigt, dass die Plaqueansammlung und Entzündungsreaktionen bei Keramikimplantate geringer ausfallen können. Allerdings gebe es weder Studien zu einem direkten Vergleich mit Titanimplantaten noch Langzeitstudien zu zweiteiligen Keramikimplantaten.
Was hat man aus den klinischen Studien rund um Keramikimplantate eigentlich gelernt, fragte Dr. Marc Balmer, der pünklich zum Kongress in den ESCI-Vorstand aufgenommen wurde. Er zeigte, dass Keramikimplantate über eine hohe Überlebensrate und stabile marginale Knochenwerte bei mehr als 10 Jahren verfügen. Schmale und durchmesserreduzierte Keramikimplantate könnten eine Behandlungsoption bei begrenzter Knochenverfügbarkeit darstellen. Studien hätten zudem gezeigt, dass die Plaqueansammlung und Entzündungsreaktionen bei Keramikimplantate geringer ausfallen können. Allerdings gebe es weder Studien zu einem direkten Vergleich mit Titanimplantaten noch Langzeitstudien zu zweiteiligen Keramikimplantaten.
Die prothetischen Lösungen für Keramikimplantate waren das Thema von PD Dr. Frank Spitznagel. Auch hier würden noch die wissenschaftlichen Daten bei zweiteiligen Keramikimplantaten fehlen, bedauerte er. Um eine Zementitis zu verhindern empfiehlt Spitznagel palatinale Austrittskanäle bei der prothetischen Versorgung anzulegen, durch überschüssiger Zement austreten und entfernt kann.
Die prothetischen Lösungen für Keramikimplantate waren das Thema von PD Dr. Frank Spitznagel. Auch hier würden noch die wissenschaftlichen Daten bei zweiteiligen Keramikimplantaten fehlen, bedauerte er. Um eine Zementitis zu verhindern empfiehlt Spitznagel palatinale Austrittskanäle bei der prothetischen Versorgung anzulegen, durch überschüssiger Zement austreten und entfernt kann.
Welche Hürden es bei empirischen Studien zu überwinden gebe, konnte Prof. Dr. Sebastian Kühl eindrücklich anhand eines eigenen Beispiels verdeutlichen. Der langwierige Prozess, zu dem Punkte wie Material-Sponsoring, Kooperation dreier Universitäten und die Finanzierung gehörte, bereitete besonders dank der Vielzahl an schriftlicher Anträge Kopfzerbrechen.
Welche Hürden es bei empirischen Studien zu überwinden gebe, konnte Prof. Dr. Sebastian Kühl eindrücklich anhand eines eigenen Beispiels verdeutlichen. Der langwierige Prozess, zu dem Punkte wie Material-Sponsoring, Kooperation dreier Universitäten und die Finanzierung gehörte, bereitete besonders dank der Vielzahl an schriftlicher Anträge Kopfzerbrechen.
Die klinischen Leitlinien rund um Keramikimplantate betrachtete Prof. Dr. Dr. Eik Schiegnitz. Einteilige Keramikimplantat-Systeme seien für Einzelkronen und kurze Brücken in klinischen Leitlinien gut dokumentiert. „Diese erfordern allerdings chirurgische und prothetische Expertise“, betonte Schiegnitz. Zweiteilige Systeme seien bisher kaum dokumentiert und würde eine umfassende medizinische Aufklärung des Patienten erfordern. Auch sei der Einsatz von Keramikimplantaten als Sofortimplantate und für die Sofortversorgung nur unzureichend belegt. „Wenn jedoch die Biologie respektiert wird und mit hoher chirurgischer Expertise sowie klinischer Erfahrung gearbeitet wird, können vielversprechende klinische Ergebnisse für alle Indikationen erzielt werden.“
Die klinischen Leitlinien rund um Keramikimplantate betrachtete Prof. Dr. Dr. Eik Schiegnitz. Einteilige Keramikimplantat-Systeme seien für Einzelkronen und kurze Brücken in klinischen Leitlinien gut dokumentiert. „Diese erfordern allerdings chirurgische und prothetische Expertise“, betonte Schiegnitz. Zweiteilige Systeme seien bisher kaum dokumentiert und würde eine umfassende medizinische Aufklärung des Patienten erfordern. Auch sei der Einsatz von Keramikimplantaten als Sofortimplantate und für die Sofortversorgung nur unzureichend belegt. „Wenn jedoch die Biologie respektiert wird und mit hoher chirurgischer Expertise sowie klinischer Erfahrung gearbeitet wird, können vielversprechende klinische Ergebnisse für alle Indikationen erzielt werden.“
Hoch im Kurs stand in Zürich auch das neueste Buch zum Thema: „Zirconia. Material Properties and Surgical Principles for Dental Implants and Restorations“ an dem die ESCI aktiv mitgearbeitet hat. Die Neuerscheinung ist im Quintessenz Verlag erhältlich: https://www.quintessence-publishing.com/deu/de/product/zirconia
Hoch im Kurs stand in Zürich auch das neueste Buch zum Thema: „Zirconia. Material Properties and Surgical Principles for Dental Implants and Restorations“ an dem die ESCI aktiv mitgearbeitet hat. Die Neuerscheinung ist im Quintessenz Verlag erhältlich.
Aus Sicht der klinischen Expertise sprach Prof. Dr. Michael Payer. Die signifikant höheren Überlebensraten für kommerziell verfügbare Zirkonoxid-Implantate im Vergleich zu nicht-kommerziell verfügbaren – seien vergleichbar mit Titanimplantaten. Positiv sei hervorzuheben, dass aktuelle Studien und Übersichtsarbeiten reduzierte Frakturraten und weniger technische Komplikationen bei Keramikimplantaten belegen würden.
Aus Sicht der klinischen Expertise sprach Prof. Dr. Michael Payer. Die signifikant höheren Überlebensraten für kommerziell verfügbare Zirkonoxid-Implantate im Vergleich zu nicht-kommerziell verfügbaren – seien vergleichbar mit Titanimplantaten. Positiv sei hervorzuheben, dass aktuelle Studien und Übersichtsarbeiten reduzierte Frakturraten und weniger technische Komplikationen bei Keramikimplantaten belegen würden.
PD Dr. Paul Weigl befasste sich in seinem Vortrag auch mit einer Studie zur Überhitzung bei Keramikimplantaten. Die Ergebnisse dieser In-vitro-Studie zeigten einen Temperaturanstieg, der für den periimplantären kortikalen Knochen beim Einsetzen eines Keramikimplantats gefährlich sei. Trotz der begrenzten Übertragbarkeit auf die klinische Situation empfehlen die Autoren laut Weigl eine sehr langsame Insertionsgeschwindigkeit für Keramikimplantate, um frühe Implantatverluste zu vermeiden.
PD Dr. Paul Weigl befasste sich in seinem Vortrag auch mit einer Studie zur Überhitzung bei Keramikimplantaten. Die Ergebnisse dieser In-vitro-Studie zeigten einen Temperaturanstieg, der für den periimplantären kortikalen Knochen beim Einsetzen eines Keramikimplantats gefährlich sei. Trotz der begrenzten Übertragbarkeit auf die klinische Situation empfehlen die Autoren laut Weigl eine sehr langsame Insertionsgeschwindigkeit für Keramikimplantate, um frühe Implantatverluste zu vermeiden.
Auch Prof. Dr. Ralf Smeets befasste sich mit Titan und Korrosionen in seinem Vortrag und bestätigte die Aussagen von Dr. von Baehr. Er betonte dabei, dass Epikutantests oft negativ seien. Es bestehe in der Regel keine klare Korrelation zwischen dem Testergebnis und dem klinischen Bild beim Patienten.
Auch Prof. Dr. Ralf Smeets befasste sich mit Titan und Korrosionen in seinem Vortrag und bestätigte die Aussagen von Dr. von Baehr. Er betonte dabei, dass Epikutantests oft negativ seien. Es bestehe in der Regel keine klare Korrelation zwischen dem Testergebnis und dem klinischen Bild beim Patienten.
Seine Erfahrunen mit unterschiedlichen Keramikimplantat-Systemen schilderte Prof. Dr. Michael Stiller. Der unterschiedliche haptische Charakter von Keramikimplantaten mit verschiedenen IAC-, Abutment-Komponenten, PEEK/PEKK-Strukturen/Gingivaformern sowie Healing-Abutments erfordere ein neues Maß an Präzision und Geschicklichkeit während des gesamten Herstellungs- und Therapieprozesses. Sowohl die notwendigen chirurgischen als auch die prothetischen Verfahren erfordern eine sorgfältige Vertrautheit mit diesen Behandlungstechniken. Dabei müssten die Phänomene der Weichgewebeentwicklung in der Literatur bei der Gestaltung temporärer und definitiver Restaurationen berücksichtigt werden, so Stiller.
Seine Erfahrunen mit unterschiedlichen Keramikimplantat-Systemen schilderte Prof. Dr. Michael Stiller. Der unterschiedliche haptische Charakter von Keramikimplantaten mit verschiedenen IAC-, Abutment-Komponenten, PEEK/PEKK-Strukturen/Gingivaformern sowie Healing-Abutments erfordere ein neues Maß an Präzision und Geschicklichkeit während des gesamten Herstellungs- und Therapieprozesses. Sowohl die notwendigen chirurgischen als auch die prothetischen Verfahren erfordern eine sorgfältige Vertrautheit mit diesen Behandlungstechniken. Dabei müssten die Phänomene der Weichgewebeentwicklung in der Literatur bei der Gestaltung temporärer und definitiver Restaurationen berücksichtigt werden, so Stiller.
Einen Blick in die Geschichte der Keramikimplantate inklusive der ersten Tierstudien an Mini-Schweinen wagte PD Dr. Stefan Röhling. Wichtig sei es damals gewesen eine mikrorauhe Implantatoberfläche für die Osseointegration hinzubekommen.
Einen Blick in die Geschichte der Keramikimplantate inklusive der ersten Tierstudien an Mini-Schweinen wagte PD Dr. Stefan Röhling. Wichtig sei es damals gewesen eine mikrorauhe Implantatoberfläche für die Osseointegration hinzubekommen.
Gemeinsam mit PD Dr. Gahlert gab PD Dr. Stefan Röhling auch einen Ausblick die Zukunft der Keramikimplantate. Neuere zweiteilige Keramikimplantate, die ein Spritzgussverfahren in der Produktion verwenden, würden positive Zeichen setzen.
Gemeinsam mit PD Dr. Gahlert gab PD Dr. Stefan Röhling auch einen Ausblick die Zukunft der Keramikimplantate. Neuere zweiteilige Keramikimplantate, die ein Spritzgussverfahren in der Produktion verwenden, würden positive Zeichen setzen.
Zur Osteoimmunologie äußerte sich Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas. Bei dem medizinischen Blick über den Tellerrand stellte er fest, dass chronische Osteomyelitis häufiger vorzukommen scheint, als berichtet wird.
Zur Osteoimmunologie äußerte sich Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas. Bei dem medizinischen Blick über den Tellerrand stellte er fest, dass chronische Osteomyelitis häufiger vorzukommen scheint, als berichtet wird.
Prof. Dr. André Chen und Dr. João Borges ließen die Teilnehmer einen Blick in das Konzept der gemeinsamen Praxis in Lissabon gewähren. Ihr Motto ist eine prothetisch geriebene Keramikimplantologie. Keramikimplantate seien manchmal schwieriger zu setzen, gerade bei einer gewünschten Sofortbelastung. Chens Tipp für die richtige Implantatposition: Mehr Zeit bei den Bohrpräparationstechniken nehmen.
Prof. Dr. André Chen und Dr. João Borges ließen die Teilnehmer einen Blick in das Konzept der gemeinsamen Praxis in Lissabon gewähren. Ihr Motto ist eine prothetisch getriebene Keramikimplantologie. Keramikimplantate seien manchmal schwieriger zu setzen, gerade bei einer gewünschten Sofortbelastung. Chens Tipp für die richtige Implantatposition: Mehr Zeit bei den Bohrpräparationstechniken nehmen.
Unterstützt wurde der ESCI-Kongress durch Aussteller von Seiten der Dentalindustrie, die aucheinige Diskussionen mit den Teilnehmern wegen kürzlich vom Markt genommener Keramikimplantate und der Lieferproblematik aushalten mussten.
Unterstützt wurde der ESCI-Kongress durch Aussteller von Seiten der Dentalindustrie, die auch einige Diskussionen mit den Teilnehmern wegen kürzlich vom Markt genommener Keramikimplantate und der Lieferproblematik aushalten mussten.
Mit dem Keynote-Speaker Prof. Dr. Tomas Albrektsson feierte man gemeinsam 60 Jahre Implantologie. Fast auf den Tag genau 60 Jahre war es her, dass Per-Ingvar Brånemark das erste dentale Implantat setzte.
Mit dem Keynote-Speaker Prof. Dr. Tomas Albrektsson feierte man gemeinsam 60 Jahre Implantologie. Fast auf den Tag genau 60 Jahre war es her, dass Per-Ingvar Brånemark das erste dentale Implantat setzte.