Die Ponte 25 de Abril als weltweit drittlängste Hängebrücke der Welt und eines der herausragenden Wahrzeichen Lissabons nahm die EAO zum Motto ihres mit mehr als 4.000 Teilnehmern sehr erfolgreichen Jahreskongresses Ende September. Ebenso wie die portugiesische Nelkenrevolution 1974 und die nach deren Datum umbenannte Brücke Portugal in die Moderne führen sollte, schlug die EAO mit einem Gesamtspektrum von Themen für regenerative und implantatprothetische Konzepte eine „Brücke in die Zukunft“.

Es war endlich wieder einmal eine EAO wie in alten Zeiten: Mit Teilnehmern aus mehr als 88 Ländern traf man auf Schritt und Tritt auf Meinungsbildner in den Bereichen Chirurgie, Implantologie oder regenerative Techniken. Auch auf den Podien entstanden engagierte Debatten der unterschiedlichen Schulen und Philosophien. Alle können voneinander lernen und der Blick über den Tellerrand ist umso lohnender, als das globale Wissen mit heutigen Techniken in kürzester Zeit und nahe zueinander rücken kann. Prof. Dr. Gil Alcoforado als Chairman des Kongresses und seine Co-Chair Dr. Susana Noronha freuten sich zu Recht über die anerkennende silberne Ehrenmedaille der EAO. Das Junior Committee profilierte sich mit einem dem Hauptkongress vorgeschalteten Workshop „My first implant“ mit abschließenden Hands-On-Übungen. Mit viel Spannung und Begeisterung begleitet wurden provokante Sessions wie jene zwischen Prof. Dr. Irena Sailer, Dr. Isabella Rocchietta und Prof. Dr. Markus Hürzeler „Implantate in der ästhetischen Zone – am besten vermeiden?“, bei denen das Auditorium echte „Battles“ der Konzepte erlebte. 

Begehrt: Die Hands-On-Formate.

Aber auch Fragen wie „Sind Stammzellen die Implantate der Zukunft?“ wurden diskutiert, zukunftsweisende Konzepte der Knochenregeneration vorgestellt und etablierte Belastungsprotokolle für Implantate einer erneuten Prüfung unterzogen. Viel beachtet wie immer die diesmal von Dr. Franck Renouard und Univ.-Doz. Dr. Werner Lill vorgestellten biologischen und technischen Komplikationen sowie die von den Lokalmatadoren Dr. Ricardo Faria e Almeida und Adriano Sousa chirurgischen und prothetischen Lösungsansätze bei Problemen in der ästhetischen Zone und die Optionen bei Rezessionsbildung um Implantate, die eine internationale Gruppe um Prof. Dr. Anton Scuelan vorstellte. Aber auch Trend-Themen wie der digitale Workflow, die CAD/CAM-Herstellung individualisierter Abutments oder die „Zirco-Mania“ wurden auf ihren aktuellen Stand und ihre Belastbarkeit im täglichen therapeutischen Einsatz überprüft. Immer wieder fanden dabei die Vorträge zurück zur Basis der biologischen Gegebenheiten und wissenschaftlich evidenten Prozesse – getreu dem Leitsatz der EAO, die Wissenschaft mit der Praxis zu verbinden.

Neuer Schwung mit Formaten wie dem EAO Channel.

Die EAO geht neue Wege

Neben dem umfassenden und für alle Interessensgebiete ansprechenden wissenschaftlichen Programm wusste die EAO mit einigen Überraschungen aufzuwarten: Mit der „Delphi-Study- Horizons 2030: Identifying and predicting trends in implant dentistry in Europe“ legte man ein viel beachtetes neues Projekt auf, das sehr selbstbewusst das bekannte Orakel zitiert. 138 Experten werden im Zuge dieser Studie 60 offene Fragen beantworten, die die künftigen Entwicklungen im Bereich der dentalen Implantologie bestimmen und präziser vorhersagen lassen werden, um Entwicklungen der Hardware ebenso wie der Behandlungstechniken darauf auszurichten. Medial neu aufgestellt hatte sich die Gesellschaft mit dem eigenen „EAO Channel“, über den mehr als zehn Stunden Live-Übertragungen und Diskussionen direkt ausgestrahlt wurden. Die Mitglieder können sich in der Online-Bibliothek die Aufzeichnung von weiteren 30 Sessions anschauen. Eine Ausstellung mit 600 wissenschaftlichen E-Postern und viele bereits im Vorfeld ausgebuchte praktische Workshops rundeten die gelungene Veranstaltung ab.

Nach heftigem Battle wieder fröhlich vereint: Dr. Homayoun Zadeh, Prof. Dr. Irena Sailer, Dr. Isabella Rocchietta und Prof. Dr. Markus Hürzeler.

Mauern einreißen – in Berlin und in den Köpfen

Prof. Mariano Sanz von der Madrider Complutense Universität nahm sichtlich bewegt die goldene Ehrenmedaille der EAO in Anerkennung seiner herausragenden langjährigen Dienste für die Gesellschaft als Mitglied des Wissenschaftlichen Komitees in Empfang. Prof. Dr. Friedrich Neukam empfing als neues Ehrenmitglied von insgesamt nur sechs bisher Ausgezeichneten die höchste Anerkennung des Verbands für seinen hochgeschätzten und langjährigen Einsatz. Ehre wurde diesmal aber auch den in großer Zahl erschienenen internationalen Ausstellern zuteil: Prof. Dr. Alcoforado und Dr. Noronha ließen es sich nicht nehmen, bei jedem Stand persönlich zu erscheinen und für die Unterstützung zu danken, die eine Veranstaltung dieser Größenordnung und Qualität überhaupt erst ermöglichte. Eine stilvolle und bislang selten erlebte Geste des Respekts und der Wertschätzung, die bei der Industrie großen Anklang fand. In Lissabon wurden Brücken gebaut und in Berlin werden Mauern eingerissen: Der Gemeinschaftskongress der EAO mit der DGI vom 8. bis 10. Oktober 2020 steht unter dem Motto: „Tear down this wall!“ Wenn das Motto denselben Effekt zeitigt wie das historische Reagan-Zitat, wird Berlin ein großes Fest, sowohl des Umbruchs als auch der Vereinigung unterschiedlicher Anschauungen.

Mit einem letzten besinnlichen Moment gedachte man des jüngst verstorbenen visionären Schweizer Chirurgen Prof. Dr. Sami Sandhaus, der das Potential der keramischen Werkstoffe bereits vor 60 Jahren erkannt und als erster den Respekt vor dessen Besonderheiten eingefordert hatte. „Wir freuen uns, dass es uns so erfolgreich gelungen ist, ein Zeichen für die zahnärztliche Implantologie mit Keramik-Implantaten gesetzt zu haben“, freute sich Organisator und ESCI-Präsident Dr. Jens Tartsch am Ende der beiden Tage und kündigte für das Jahr 2021 eine Fortsetzung an. Bis dahin wird sich die ESCI länderspezifischen Projekten sowie dem Aufbau spezieller Trainingszentren für die Keramikimplantologie widmen.

Save the Date: Annual Scientific Meeting EAO/DGI 08.-10.10.2020
, Berlin, CityCube