Neben tiefgreifenden fachlichen Einblicken bot das Event 2025 den offiziellen Startschuss für die mectron Learning Academy (MLA), die künftig auch via App Wissen vermittelt – modern, interaktiv und international.
Bild: Zum „mectron-Familientreffen“ kamen wieder rund 45 Teilnehmer zur Intensiv-Fortbildung zusammen.
Zum Auftakt setzte das renommierte Duo Prof. Dr. Karin Jepsen und Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen mit seinem Workshop zur regenerativen Parodontalchirurgie gleich einen Maßstab: In Theorie und Praxis ging es um anspruchsvolle Indikationen wie vertikale Knochendefekte ≥ 3 mm oder Furkationsbeteiligung Grad 2–3. Mit einem klaren roten Faden entlang der Leitlinien erläuterten sie komplexe Konzepte wie den modifizierten oder simplifizierten Papillenerhaltungslappen. Wichtig war ihnen: Primäre Wundheilung ist die Grundvoraussetzung für Regeneration. Für diese braucht es Weichgewebeerhalt, exakte Schnittführung sowie einen kontrollierten Einsatz von Materialien wie Schmelzmatrixproteinen (z. B. Emdogain) und Knochenersatzmaterialien. Auch PRF, so die Experten, sei zwar noch nicht Teil der offiziellen Leitlinien, werde aber in kommenden Updates sicher berücksichtigt. Ergänzend vermittelten sie bei ausführlichen Hands on-Übungen am Schweinekiefer Schritt für Schritt die chirurgischen Techniken. Ein spannender Ausblick: Studien zur KFO-Remodellierung zeigten, dass eine frühe kieferorthopädische Behandlung nach parodontaler Regeneration langfristig bessere Ergebnisse bringen kann – sofern die primäre Wundheilung gesichert ist.

Meister der Mikrochirurgie: Prof. Tomaso Vercellottir
Der zweite Tag begann mit einem Vortrag von Prof. Tomaso Vercellotti, dem Erfinder der Piezochirurgie. Mit gewohntem Charisma präsentierte er nicht nur den historischen Werdegang, sondern auch neueste Entwicklungen, darunter eine ultradünne Sindesmotomie-Spitze, die noch dieses Jahr erscheinen soll. Prof. Vercellotti hob hervor, wie Piezo das Spektrum der Implantologie erweitert: durch mikrometergenaues, gewebeschonendes Arbeiten mit deutlich geringerer Kraftanwendung als beim konventionellen Bohren. Ein besonderes Augenmerk legte er auf die biologische Reaktion des Knochens. Studien zeigen signifikant höhere Wachstumsfaktor-Konzentrationen um Implantate, die mit Piezo gesetzt wurden. Für ihn ist klar: Implantatüberleben ist nicht gleichbedeutend mit dem Behandlungserfolg. Entscheidend ist die Vermeidung von Periimplantitis – durch korrekte Weichgewebsbedingungen (mind. zwei Millimeter keratinisierte Gingiva), infektionsfreie Voraussetzungen und präzise chirurgische Planung.


Augmentationen in allen Facetten
Prof. Dr. Susanne-Maria Nahles und Dr. Oliver Wagendorf lieferten anschließend einen praxisorientierten Überblick zu allen augmentativen Verfahren – vom internen Sinuslift über Blockaugmentation bis zur Weichgewebsoptimierung. Zentrale Empfehlungen: Unter 5 mm Knochenhöhe sei ein externer Sinuslift angezeigt, dabei gelte es, das Fenster so klein wie nötig, aber so groß wie möglich für die Instrumente zu wählen. Materialien und Instrumente, wie etwa die Größe des Osteotoms oder die Konsistenz des Hammers, müssten individuell angepasst werden. Die Referenten plädierten für stringente Planung, sorgfältige Schnittführung und eine gute Einschätzung der Weichgewebeverhältnisse. Hands on wurde unter anderem an Eiern (Sinuslift) und Schweinerippen (Schalentechnik) geübt – mit hilfreichen Tipps zur periostalen Entlastung und Tunnelierungstechnik. Besonderes Augenmerk legten beide auf das Komplikationsmanagement: Von der Membranabdeckung bei Perforation bis zur Kontrolle postoperativer Schwellung lieferten sie ein praxisnahes Gesamtpaket.

Der „heiße Scheiß“: PRF mit Peer Kämmerer
Zum Finale wurde es nochmal blutig – im besten Sinne: Prof. Dr. Dr. Peer Kämmerer begeisterte mit einem ebenso humorvollen wie fundierten Vortrag zu Platelet Rich Fibrin (PRF). Seine These: PRF sei das „Add-on“ für Wundheilung, Reduktion von Schwellung und Schmerzlinderung – ohne Nebenwirkungen. Mit beeindruckenden Studienzahlen belegte er, dass PRF bereits nach zwei Tagen eine 16-fach bessere Wundheilung zeige, nach sieben Tagen immerhin noch doppelt so gut abschneidet wie ohne. Auch wenn bislang keine Studien zur Kombination mit Hyaluronsäure vorliegen, sieht Kämmerer additive Potenziale. Im anschließenden Workshop erarbeiteten die Teilnehmer konkrete Behandlungsstrategien – Hands on und praxisnah. Die Mectron-Intensivfortbildung in Sestri Levante war einmal mehr ein Paradebeispiel für wissenschaftliche Tiefe, didaktische Qualität und mediterrane Gelassenheit. Mit dem Launch der MLA-App ist der Weg zu nachhaltiger Fortbildung geebnet – digital wie analog, auf Augenhöhe mit den Besten des Fachs.
