Allein die Anfahrt zur Yachthafenresidenz „Hohe Düne“ in Warnemünde lässt Großes erwarten, und der 7. Dental-Gipfel von Dental Balance zum traditionellen und etablierten Auftakt der dentalen Fortbildungsveranstaltungen Anfang Januar in Warnemünde blieb hinter den hohen Erwartungen nicht zurück. Ein umfassendes Angebot von zahntechnischen, zahnmedizinischen und ganzheitlichen Praxis- und Personalorganisationsthemen begeisterte über 300 Teilnehmer.

Der Dental Balance-Geschäftsführer Helge Vollbrecht begrüßte zum Dental Gipfel.

Es lag so auch nicht nur am alltäglich ausgelobten „Dental- Gipfel-Pünktlichkeitspreis“, dass bereits frühmorgens der Saal wohl gefüllt war. Launig moderiert von dem Berliner Lokalmatador Prof. Dr. Klaus-Peter Lange und dem Leipziger ZTM Carsten Müller begann nach herzlichen Begrüßungsworten von Helge Vollbrecht, Geschäftsführer Dental Balance, das Programm am Freitag mit den interdisziplinären Ausführungen zur Orthostatik von Lydia Aich aus Neuhaus am Inn. Zwischen Kiefergelenk und Hüfte besteht eine Reziprozität, die oft übersehen wird. Fehlstellungen können sich vom Kiefergelenk über die Wirbelsäule und Hüfte bis zum Knie oder den Fußgelenken auswirken. Selbst geringfügig erscheinende okklusale Fehlpositionen können sich durch Ausweichreaktionen in einer deutlichen funktionalen Beinlängendifferenz niederschlagen. Reziprok kann sich nach einer Endoprothetik die vormals komplikationslose prothetische Versorgung verändern. Eine einseitige Erhöhung im Schuh kann die Stellung des Kiefergelenks so maßgeblich beeinflussen, dass die Frage nach solchen orthopädischen Korrekturen zur Standard-Anamnese vor einer prothetischen Versorgung gehören sollte. Thematisch passend schlossen Dres. Stephan Gutschow und Matthias Müller aus Potsdam mit einem Teamvortrag zu häufig auftretenden Problemen des Bewegungs- und Stützapparates und den dazugehörenden Okklusionsmustern an. „Modellanalysen sollten zu Ihrem Alltag gehören“, so Dr. Müller. Krönenden Abschluss bildete Prof. Dr. Peter Pospiech von der Charité Berlin mit der Einstellung bzw. Neueinstellung der Lage des Unterkiefers zum Oberkiefer als Basis für den prothetischen Erfolg. „Das Einstellen der Modelle in den Artikulator ist Aufgabe des Zahnarztes, nicht des Zahntechnikers“, forderte er.

Zahn und Medizin

Dr. Peter Randelzhofer teilte seine Erfahrungen mit modernen Behandlungstechniken.

Den zweiten Vortragsblock eröffnete Dr. Babak Saidi, Neuss, mit dem Einsatz von Wachstumsfaktoren zur Vereinfachung der chirurgischen Therapie. Besondere Implantatoberflächen wie die Bti UniCa und Wachstumsfaktorenkonzentrate wie PRGF Endoret böten messbare Vorteile bei der Heilungszeit und -qualität sowohl beim Weich- als auch Hartgewebe, bei Extraktionsalveolen, im Sinus und auch bei größeren Knochendefekten und in der Parodontalchirurgie. Daneben berichten Patienten messbar über verringerte postoperative Schmerzen und Schwellungen. Dr. Saidi untermauerte seine Ausführungen mit fundierten und aktuellen Studien. Im selben Geiste schloss nun Dr. Peter Randelzhofer aus München an, der neben seinen biologischen Ansätzen die unabdingbare Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit seinen Zahntechnikern hervorhob und damit den Teamgedanken des Dental-Gipfels verkörperte. Mit „Implantologie 2020“ gab er einen Ausblick auf neue und nachhaltige Ästhetik-Konzepte und neue Technologien zur Periimplantitis-Prävention. Mit dem Präventionspass und dem chairside durchzuführenden Implant-Safe MMP-8-Test stellte er ein neues Patientenbindungs- und Prophylaxe- Tool zur kontinuierlichen Periimplantitis-Diagnostik vor. Auch bei einer klinisch noch unauffälligen Situation lassen sich eventuelle Probleme damit frühzeitig abfangen. Über 15 Jahre Praxiserfahrung mit Keramikimplantaten referierten Johan Feith (Wolfratshausen) und Dr. Wolfgang Winges (Bad Hersfeld) und beantworteten damit die aktuellen Forderungen nach Langzeitbeobachtungen und -ergebnissen für diesen Bereich.

Dres. Gutschow und Müller gaben Einblicke in das Zusammenspiel von Bisslage und einer Vielzahl korrelierender Beschwerden.

Außergewöhnlich und vielversprechend waren die Ausführungen sowohl unter werkstoffkundlichen als auch klinischen Aspekten. Mit zwei zahntechnischen Highlights schlossen ZTM Volker Hamm aus dem sauerländischen Meschede zur „Kieferrelationsbestimmung im Alltag – was tun, damit man die Arbeit nicht zweimal macht?“ und ZTM Christian Petri aus Rumänien zur Synergie von Zahntechnik und digitaler CAD/CAM-Fertigung den ersten Veranstaltungstag.“ Wir sehen in unserem Labor auf unseren Modellen zu 60 % gestörte Funktionen”, rief Hamm zu einer verbesserten CMD-Diagnostik auf. Petri beeindruckte mit modernster digitaler Fertigung und beruhigte die zahntechnischen Teilnehmer, die CAD/CAM-Fertigung mache keinen Zahntechniker arbeitslos, im Gegenteil arbeiteten in ihrem Labor inzwischen seit Einrichtung der Einheiten zehn Kollegen mehr. Am Nachmittag konnten in den praktischen Workshops der einzelnen Referenten neue Erkenntnisse ausprobiert und persönlich diskutiert werden.

Materialien und Methoden von heute

Prof. Dr. Florian Beuer von der Berliner Charité lockte am zweiten Tag die Teilnehmer früh auf die Plätze mit einem Update zu vollkeramischen Versorgungen. Er betonte die Wichtigkeit des kompetenten zahntechnischen Partners und präsentierte eine umfassende Übersicht der aktuellen Leitlinien und Studienlage zum klinischen Einsatz der verschiedenen Keramiken in den einzelnen Indikationsbereichen. Moderne Zirkonoxide zeigen sich effizient, ästhetisch und vielversprechend auch in Hinsicht auf eine minimalinvasive Zahnmedizin. Den Ball griff Priv.-Doz. Dr. Bogna Stawarczyk aus München mit einem werkstoffkundlichen Exkurs zu dentalen Keramiken und Zirkonoxid auf – aus den Eigenschaften der Materialien ergeben sich ganz natürlich die Besonderheiten im klinischen Umgang. Ebenfalls aus dem Süden angereist war Dr. Alexandra Bodmann aus Schongau, die temperamentvoll mit der Einbeziehung der Haltung und der Optik des Patienten in ihre zahnmedizinischen und kieferorthopädischen Therapieansätze an die Vorträge des Vortages anknüpfte.

Den erfogreichen Einsatz von Wachstumsfaktoren zeigte Dr. Babak Saidi.

Rechtsanwalt Dr. Ralf Großbölting aus Berlin folgte mit hilfreichen Ausführungen zu Wachstums- und Abgabestrategien für Praxis und Labor. Dr. Ramona Schweyen und Priv.-Doz. Dr. Jeremias Hey von der Universitätsklinik Halle gaben einen animierenden Überblick über den Einsatz des intraoralen TRIOS Scanners in der Praxis. An der Technologie führe kein Weg mehr vorbei, man könne die Kollegen nur ermuntern, sich die Vorteile in der Diagnostik und der Prozesskette zunutze zu machen.

Den Vormittag beschloss ein zahntechnisches Themen-Feuerwerk: ZTM Simon Schömer aus Bayreuth gab Einblicke in die Zukunft der Zahntechnik, Urgestein ZTM Hans-Joachim Lotz aus Weikersheim schilderte launig die Problematik bei der Farbbestimmung der Prothetik zwischen Praxis und Labor und präsentierte moderne Abstimmungssysteme und ZTM Sebastian Schuldes aus Eisenach zeigte die heutigen digitalen Wege zur implantatgetragenen Sofortversorgung. Den Theorieteil beschloss Dr. Josef Vizkelety von der Paracelsus-Klinik Lustmühle (CH) mit Ausführungen zum zweiteiligen Ceralog-Keramikimplantat und Praxiserfahrungen aus fünf Jahren. Auch an diesem Tag konnten die theoretischen Ausführungen in den praktischen Workshops der einzelnen Referenten am Nachmittag vertieft werden, ehe der 7. Dental-Gipfel von Dental Balance in einer fröhlichen Party feierlich ausklang.

„Bei dieser Veranstaltung lernt man immer wieder, dass Zahnmedizin und -technik nicht nur Zahn-, sondern auch Medizin sind“, lud Prof. Lange die Teilnehmer auf, diesen Gedanken und die vielen neuen Erfahrungen und Erkenntnisse des 7. Dentalgipfels mit in die Praxis zu tragen. Der 8. Dental-Gipfel findet vom 11. bis 13. Januar ebenfalls in Warnemünde statt.

 

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Bilder Kongress: A. Kieschnick