In der Literatur werden aktuell Häufigkeitsraten für eine Periimplantitis angegeben, die zwischen 1,1-85,0 % bzw. 1,0-47,0 % schwanken. Die hohen Spannweiten sind vom jeweils eingesetzten Diagnoseparameter und den jeweiligen Schwellenwerten (z. B. bei den Sondierungstiefen und krestalen Knochenverlusten) abhängig.

Die Faktoren, die eine Entstehung periimplantärer Erkrankungen fördern können, sind dabei vielfältig. Dazu gehören u. a. lokale Faktoren wie eine höhere Rauigkeit der Implantatoberfläche, das Oberflächendesign im Implantat-Halsbereich und ein potenziell zytotoxischer Einfluss freiwerdender Titanpartikel. Auch die Art der Befestigung scheint einen Einfluss zu haben. Bei zementierten Suprastrukturen konnten beispielsweise geringere periimplantäre Knochenverluste und höhere Implantatüberlebensraten als bei verschraubtem Zahnersatz ermittelt werden. Allerdings erhöhen Zementüberschüsse das Periimplantitisrisiko signifikant. Die Oberflächenbeschaffenheit, das Design sowie das Material der Abutments hatten hingegen keinen Einfluss auf die periimplantäre Gesundheit. Allerdings konnte bei Abutments aus Zirkonoxid eine geringere Blutungsneigung beobachtet werden als bei Titanabutments.

Ätiologie und Behandlungsprotokolle von Periimplantitis

Anhand der augenblicklichen Studienlage wird deutlich, dass noch immer keine eindeutigen Erkenntnisse zur Ätiologie der periimplantären Erkrankungen, keine einheitlichen Diagnosekriterien und somit auch keine validen epidemiologischen Angaben zur Prävalenz periimplantärer Erkrankungen vorliegen. Folgerichtig sind mit Blick auf die ungeklärte Genese der Entitäten, insbesondere im Bereich der Therapie, eine Vielzahl Behandlungsprotokolle vorzufinden. Im Rahmen der nicht-chirurgischen und chirurgischen Therapie periimplantärer Erkrankungen stehen neben der mechanischen Reinigung der Implantatoberflächen mit Handinstrumenten, rotierenden Bürstchen, Ultraschall- oder Pulverstrahlgeräten, chemische Reinigungsverfahren, verschiedene medikamentöse Therapien u. a. mit Antibiotika und Probiotika sowie verschiedene Arten von Lasertherapien zur Verfügung, 
die sehr häufig miteinander 
kombiniert werden. Der adjunktive Einsatz von systemischen
Antibiotika scheint je nach Art 
des Antibiotikums, respektive
 der Nachbeobachtungsdauer, 
zu unterschiedlichen Ergebnissen zu führen. Amoxicillin
hatte etwa als Zusatz zu einer 
resektiven chirurgischen Periimplantitis-Therapie keinen
 Zusatzeffekt. Auch bei einer
 konservativen Therapie der 
Mukositis mittels regelmäßiger
 professioneller Plaqueentfernung führte eine zusätzliche Antibiotikagabe nicht zu besseren klinischen Ergebnissen. Bei zusätzlicher Anwendung eines Diodenlasers beim geschlossenen Scaling und Root Planing (SRP) war nach einem sechsmonatigen Follow up kein Zusatznutzen im Vergleich zu einem SRP als alleiniger Maßnahme erkennbar.

Laser und Periimplantitis

In einem systematischen Review konnten im Gegensatz dazu bakterizide Effekte eines Diodenlasers ermittelt werden. Auch beim Einsatz von Er:YAG- bzw. Er,Cr:YSSG-Lasern waren Effekte auf parodontopathogene Keime bzw. die knöcherne Regeneration erkennbar. Allerdings gingen die Autoren aufgrund der geringen Anzahl verfügbarer hochwertiger Studien von einer eingeschränkten Evidenz aus. Zwei weitere systematische Reviews hingegen bescheinigen dem Diodenlaser und Lasern grundsätzlich keinerlei bzw. nur geringe Zusatzeffekte auf die Reduktion klinischer Entzündungsparameter.

Antimikrobiellen Photodynamischen Therapie

Auch die einmalige Durchführung einer antimikrobiellen Photodynamischen Therapie (aPDT) führte im Hinblick auf klinische und röntgenologische Parameter bei der chirurgischen Periimplantitis-Therapie zu keiner Verbesserung. Zu anderen Ergebnissen kommen einige andere Publikationen. So konnten in einer Metaanalyse zur Wirksamkeit einer aPDT als zusätzliche Maßnahme bei mechanischer Kürettage signifikant bessere klinische und mikrobiologische Ergebnisse ermittelt werden als bei alleiniger bzw. einer mit Chlorhexidin (als lokalem Antiseptikum) kombinierten mechanischen Plaqueentfernung. Auch eine Netzwerk-Metaanalyse neueren Datums kommt zum Schluss, dass der Einsatz der aPDT zu einem signifikant besseren Gewinn klinischen Attachments als ein alleiniges mechanisches Debridement führt. Auch auf mikrobiologische Parameter scheint die aPDT günstig zu wirken. Zu widersprüchlichen Ergebnissen bezüglich der Wirksamkeit einer aPDT kamen die Autoren einer systematischen Übersichtsarbeit aus dem gleichen Jahr wie die vorgenannte Arbeit. Die Ergebnisse wurden u.a. auf die heterogenen Studiendesigns, die kurzen Nachbeobachtungsperioden sowie insbesondere die unterschiedlichen Laserparameter zurückgeführt. In einigen Publikationen war beim Einsatz von Pulverstrahlgeräten ein Zusatznutzen erkennbar, während an anderer Stelle kein Zusatzeffekt bei der Therapie und Prävention der Periimplantitis bestätigt werden konnte. Gegenüber einem Placebopräparat führte der zusätzliche
bei der Mukositis-Therapie nicht zu einem signifikant besseren Behandlungsergebnis als eine nicht-chirurgische Therapie als alleinige Maßnahme.

Auch im Rahmen einer Erhaltungstherapie nach Implantatinsertion führte die Gabe eines CHX-Lacks nicht zu einem Zusatznutzen. Auch die Wirksamkeit von Probiotika konnte bislang aufgrund heterogener Studienergebnisse nicht eindeutig belegt werden. Triclosanhaltige Zahnpasta scheint sich zur Prävention von Periimplantitiden zu eignen.

Fazit

Aufgrund der offensichtlichen Komplexität des Krankheitsgeschehens scheint es noch immer keinen evidenzbasierten, schlüssigen und vorhersehbaren Therapieansatz für periimplantäre Erkrankungen zu geben. Eine wirkungsvolle Prävention scheint mittels geeigneter und regelmäßiger Nachsorgemaßnahmen möglich zu sein.