Die zahnärztliche Behandlung von multimorbiden und/oder kognitiv eingeschränkten Patienten stellt sich immer wieder als eine große Herausforderung dar. Die Seniorenzahnmedizin war auch Thema beim Deutschen Zahnärztetag 2018 in Frankfurt/Main.

Bild: Dr. Dirk Bleiel, Prof. Dr. Ina Nitschke, Dr. Dr. Anna Greta Barbe, ZA Hansmartin Spatzier

In der Seniorenzahnmedizin ist die Versorgung nach anerkannten und vertrauten Vorgehensweisen oft nicht mehr möglich. Ob eine Behandlung als Erfolg gelten darf oder als Misserfolg gewertet werden muss, zeichnet sich als schmaler Grat ab. In einem Vortragsblock während des wissenschaftlichen Kongresses beim Deutschen Zahnärztetag in Frankfurt am Main zeigten drei Spezialisten der Deutschen Gesellschaft für AlterszahnMedizin (DGAZ) „Zahnmedizinische Therapien bei pflegebedürftigen Senioren“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf.

Perspektivwechsel

Zum einen galt es mit den Vorträgen, die Behandlung in der Zahnarztpraxis und zum anderen im Rahmen der aufsuchenden Betreuung oder universitären Fachabteilung vorzustellen. Dr. Dirk Bleiel, ZA Hansmartin Spatzier und Dr. Dr. Anna Greta Barbe stellten Patientenfälle aus ihrem Alltag vor, um diese mit dem Auditorium anschließend zu diskutieren. Anhand der Beispiele pflegebedürftiger Senioren eröffneten die Referenten ein zahnmedizinisch weites Feld und zeigten eine große Bandbreite an Möglichkeiten für nicht immer alltägliche, aber adaptierte Therapiekonzepte.

Gerostomatologie in der Praxis

Schwerpunkte des Vortrags von Dr. Dirk Bleiel lagen auf der Darstellung des gerostomatologischen Wohlfühlfaktors in der Praxis, die Einschätzung der Patienten nach der zahnmedizinischen funktionellen Kapazität, Änderungen für die Präventionsmaßnahmen durch den § 22a sowie auf Hilfestellungen bei der Entscheidung zur Extraktionstherapie. Hansmartin Spatzier vermittelte an einem konkreten Patientenfall die Vielfältigkeit der mobilen, aufsuchenden Behandlung und zeigte die Grenzen der Machbarkeit auf.

Gerostomatologie interdisziplinär

Dr. Dr. Anna Greta Barbe beeindruckte mit Videosequenzen eines Parkinson-Patienten und schilderte komplexe Behandlungskonzepte, die interdisziplinär durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher universitärer Abteilungen angegangen werden konnten.  Besonders wichtig war ihr dabei die Darstellung einer auf Mundtrockenheit spezialisierten Sprechstunde für diese Patienten, da dieser Befund, vor allem bei Vorliegen einer Polypharmazie, eine Leitfunktion in der Therapieentscheidung darstellt.