Keramikimplantate etablieren sich in der modernen zahnärztlichen Implantologie als Ergänzung zum Behandlungsspektrum mit Titanimplantaten. Ein steigendes Interesse lässt sich nicht nur auf Seiten gesundheitsbewusster Patienten, sondern auch in der Zahnärzteschaft auf Grund der biologischen Vorteile beobachten. Es liegen bereits vielversprechende kurz- und mittelfristige Daten zum erfolgreichen Einsatz von Keramikimplantaten vor. Dennoch wird das Thema „Keramikimplantate“ teilweise noch kontrovers diskutiert, da es an langfristigen Daten mangelt. Systematische Übersichtsarbeiten beziehen sich auf die spezifischen Erfahrungen mit einzelnen Systemen. Hier fehlen noch umfassende Erkenntnisse aus dem allgemeinen praktischen Umgang mit Keramikimplantaten und die Erfahrungen aus der täglichen zahnärztlichen Praxis.

Die Europäische Gesellschaft für Keramikimplantologie (ESCI) trägt mit dieser Umfrage dazu bei, einen tieferen Einblick in den allgemeinen täglichen Umgang mit Keramikimplantaten zu erhalten und Fragen zur Keramikimplantologie zu beantworten. Diese Umfrage liefert wertvolle Informationen für die Weiterentwicklung von Keramikimplantaten und leistet einen wichtigen Beitrag zu deren zuverlässigem Einsatz – letztlich für die sichere Anwendung bei unseren Patienten.

Methode

Der Fragenkatalog wurde durch den wissenschaftlichen Beirat der ESCI in deutscher und englischer Sprache entworfen und richtete sich sowohl an Anwender von Keramikimplantaten, als auch an Anwender von Titanimplantaten, sowie an Zahntechniker. Die Ergebnisse der Umfrage wurden durch die ESCI ausgewertet. Um eine übersichtliche Darstellung zu gewährleisten, wurde im Folgenden eine relevante Auswahl der Fragen dargestellt. Eine detaillierte Übersicht aller Fragen und Resultate kann bei der ESCI angefragt werden. Die Umfrage verfolgte keine wirtschaftlichen Zwecke, es sind hierfür keine finanziellen Mittel durch Partner oder andere Dritte geflossen.

Dieser Fragenkatalog wurde in ein online Umfragetool implementiert und von April bis November 2021 als Online Link per email, u.a. an die Mitglieder der ESCI, versendet, auf der Homepage der ESCI veröffentlicht, über Printmedien der Fachpresse publiziert, sowie über verschiedene weitere Kanäle der Umfragepartner verbreitet. Hierzu gehörten Social Media Aktivitäten und Newsletter von kooperierenden Fachgesellschaften und den ESCI Company Partnern.

An dieser Stelle möchte sich die ESCI bei allen Unterstützern für ihr aktives Engagement bedanken: dies waren die Österreichische Gesellschaft für Implantologie (ÖGI), der Bund der implantologisch tätigen Zahnärzte (BDIZ), PEERS, die Deutsche Gesellschaft für Umweltzahnmedizin (DEGUZ), der Zahngipfel, die Firmen Straumann AG, Camlog Biotechnologies AG, Nobel Biocare AG, Dentalpoint AG, Z-Systems AG, COHO Biomedical Technology, Ceramtec AG, Zircon Medical und die Dental Campus Association, sowie die Fachverlage Quintessence Publishing, PIP Verlag, Dentale Implantologie DI Spitta Verlag, ZZ Schweiz, Oemus Media und andere.

Die Zahl von 316 eingegangenen Antworten aus ganz Europa und der ganzen Welt zeigt die Bedeutung des Themas „Keramikimplantate“ und erlaubt es, entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen (Abb. 1).

ESCI Umfrage, Keramikimplantate

Abb.1. Verteilung der Antworten aus 45 Ländern

Neben den allgemeinen demografischen Informationen (Teil A) war der Fragenkatalog in drei Abschnitte (Teile B, C und D) unterteilt. Jede der Zielgruppen wurde auf einen Teil des Gesamtkatalogs mit zielgruppenspezifischen Fragen verwiesen. (insgesamt 42 Fragen):

  • Teil B: Zahnärzte, Oralchirurgen, Kiefer- und Gesichtschirurgen mit Erfahrung in der Keramikimplantologie
  • Teil C: Zahnärzte, Oralchirurgen, Kiefer- und Gesichtschirurgen ohne Erfahrung in der Keramikimplantologie
  • Teil D: Zahntechniker

Zusammenfassung

Allein schon die hohe Teilnehmerzahl bei einem doch komplexen Fragenkatalog zeigt das Interesse am Thema Keramikimplantate in der Zahn- Mund- und Kieferheilkunde. Interessant ist die Gegenüberstellung der praktischen Erfahrung und der erworbenen Einschätzung der Thematik, welche sich in einigen Themen deckt, in anderen jedoch auseinander driftet.

Dabei wurden die möglichen Vorteile des Materials Zirkondioxid bezgl. Biokompatibilität und geringer Entzündungsneigung bestätigt und decken sich mit unserer Ansicht. Insbesondere scheint in der Tat auch in der freien Praxis eine deutlich geringere Neigung zu Periimplantitis beobachtet zu werden, welches durch die Initialisierung entsprechender klinischer Studien zu bestätigen gilt. Aber auch die Befürchtungen aus Erfahrungen der Vergangenheit bezüglich Stabilität konnte für die neueren Systeme zumindest relativiert werden, da sie in den Angaben zu den Verlustgründen nicht im Vordergrund stehen.

Die Osseointegration wurde für beide Materialien gleichwertig beurteilt.

Besonderen Anlass für weitere Evaluation gibt jedoch der anteilsmäßig am häufigsten genannte „Frühverlust“ während der Einheilphase. Da hierfür jedoch verschiedene Faktoren wie Überlastung, Fehlbelastung, Oberflächengestaltung, Knochendegenration durch Überhitzung oder ähnliches eine Rolle spielen kann, sollte hier weiter differenziert werden, um diese Verluste weiter reduzieren zu können. 

Auch ist allen Antworten eine deutliche Tendenz hin zu zweiteiligen Systemen zu entnehmen, welche eine breitere Indikationsauswahl und mehr Flexibilität ermöglichen. Es werden Lösungen angefragt, welche die Anwendung gegenüber Titanimplantaten vereinfacht

Die deutlichste Forderung zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch die Umfrage: Die Anwender von Keramikimplantaten sollten ihre Erfahrungen transportieren und allen Interessierten zugängig machen. Es sollte eine breite, wissenschaftlich fundierte und objektive Information über das Thema stattfinden. Die Datenlage muss zum Thema Keramikimplantate verbessert und auch langfristige evidenzbasierte Studien angestoßen werden, dann werden sich Keramikimplantate zunehmend für eine breite Anwenderschaft im Sinne unserer Patienten etablieren. Diese Forderung umzusetzen, ist ein klarer Aufruf aus der Umfrage an alle Hersteller und Forschungseinrichtungen – und ein Kernthema der European Society for Ceramic Implantology ESCI.

Einen detaillierten Überblick über alle Fragen und Ergebnisse finden Sie unter www.esci-online.com oder fordern Sie die vollständige Datenzusammenfassung direkt per E-Mail bei der ESCI an: info@esci-online.com