Die Entwicklung von Hochleistungskeramiken – wie Zirkoniumdioxid – hat auch in der oralen Implantologie neue, metallfreie Behandlungsmöglichkeiten für Patient*innen und Behandler*innen geschaffen. Aufgrund seiner überlegenen biomechanischen und biologischen Eigenschaften hat sich Zirkoniumdioxid (Zirkonoxid, ZrO2) gegenüber anderen Oxidkeramiken durchgesetzt und wird seit etwa 25 Jahren in der Zahnmedizin eingesetzt. Keramikimplantate aus Zirkoniumdioxid stellen eine ernstzunehmende Ergänzung zu Titanimplantaten und damit eine Erweiterung des Behandlungsspektrums in der oralen Implantologie dar.

Erfreulicherweise bestätigen Konsensuskonferenzen verschiedener Fachgesellschaften bereits, dass einteilige Keramikimplantate in der wissenschaftlichen Literatur ausreichend dokumentiert sind und sehen darin den Hauptgrund, warum einteilige Keramikimplantate Eingang in die klinische Praxis gefunden haben. In diesem Zusammenhang ist z. B. die medizinische Notwendigkeit von Keramikimplantaten von den Kostenträgern in Deutschland bereits als zentrale Leistungsvoraussetzung für die Kostenübernahme akzeptiert worden. 

Zweiteiligen Keramikimplantaten fehlt jedoch noch das Ausmaß an wissenschaftlicher Evidenz, über welche einteilige Implantate bereits verfügen. Mit diesem Argument wird ihnen auf der Grundlage entsprechender wissenschaftlicher Stellungnahmen und Empfehlungen von Fachgesellschaften die Anerkennung einer „medizinischen Notwendigkeit“ häufig noch verwehrt.

Die Europäische Gesellschaft für Keramische Implantologie (ESCI), eine wissenschaftliche und unabhängige medizinische Fachgesellschaft, sieht, nach Studium der präklinischen und in der Tat noch überschaubaren klinischen Literatur, die Indikation von zweiteiligen Keramikimplantaten ein wenig differenzierter.

Auf Grundlage der derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Daten ist der wissenschaftlichen Beirat und der Vorstand der ESCI der Meinung, dass „das zweiteilige Zirkonoxid-Implantatkonzept nach korrekter Indikationsstellung und entsprechender Patientenaufklärung für den klinischen Einsatz befürwortet werden kann.“ Die ESCI ist der Auffassung, dass eine fundierte und grundsätzliche Konsensaussage einer medizinischen Fachgesellschaft zur klinischen Zuverlässigkeit von zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten angesichts der bisher vorliegenden Literatur zu diesem Implantattyp erforderlich ist. Vor diesem Hintergrund hat die ESCI die Aufgabe übernommen, eine Stellungnahme zur klinischen Anwendung von zweiteiligen Keramikimplantaten zu verfassen.

Dieses Stellungnahme wurde durch den wissenschaftlichen Beirat und dem Vorstand der ESCI erarbeitet und verabschiedet. Die aktuell verfügbare Literatur wurde gesichtet, aber auch klinische Erfahrungen berücksichtigt. Es gibt objektiv und unabhängig die Datenlage zu zweiteiligen Keramikimplantaten wieder: der generelle Hintergrund zu Keramikimplantaten wird einführend dargestellt und die heutige wissenschaftliche Einschätzung der ESCI zu zweiteiligen Keramikimplantaten wiedergegeben. Eine abschliessende rechtliche Bewertung liegt dabei nicht im Verantwortungsbereich der ESCI.

Zweiteilige Keramikimplantate: Kernpunkte der Erklärung 

  • Das zweiteilige Zirkonoxid-Implantatkonzept bietet gegenüber dem einteiligen Konzept Vorteile hinsichtlich der prothetischen Flexibilität und der klinischen Indikationen.
  • Zweiteilige Zirkonoxid-Implantate können klinischen Kaukräften widerstehen.
  • Die Bruchfestigkeit und mechanische Stabilität von zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten kann in Abhängigkeit von unterschiedlichen Herstellungsverfahren, Materialeigenschaften, Implantatgeometrien und prothetischen Verbindungskonzepten variieren.
  • Einteilige und zweiteilige Zirkonoxidimplantate weisen den gleichen Grad an Osseointegration und biologischer Integrität auf.
  • Für den klinischen Erfolg müssen die Richtlinien des jeweiligen Herstellers für die Anwendung des jeweiligen zweiteiligen Zirkonoxidimplantatsystems beachtet werden.
  • Basierend auf derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Daten ist die ESCI der Meinung, dass zweiteilige Zirkonoxid-Implantat nach korrekter Indikationsstellung und entsprechender Patientenaufklärung für den klinischen Einsatz befürwortet werden kann

Weitere Informationen über die kürzlich veröffentlichte Konsenserklärung und die vollständige Stellungnahme finden Sie unter