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Zero Periimplantitis: Markante Aussagen in Wien

Im Rahmen des Symposiums „Zero Periimplantitis“ an der EuroPerio11 in Wien entwickelten sich eine Reihe weiterer Diskussionen mit zum Teil prägnanten Aussagen. Dabei wurde deutlich: Die Zukunft der Implantologie liegt nicht in der Behandlung, sondern in der konsequenten Vermeidung biologischer Komplikationen wie Periimplantitis. Im Zentrum der Diskussion stand dabei ein neuartiger Ansatz: ein Weichgewebsverbund als präventive Barriere gegen Plaque und Bakterien. (Foto: Oliver Rohkamm, Österreich)


Periimplantitis: Prävention ist entscheidend! Prof. Dr. Anton Sculean brachte die grundlegende Problematik auf den Punkt:

„Wir haben wissenschaftliche Daten, die zeigen, dass es nicht so einfach ist, periimplantäre Erkrankungen zu behandeln. Ehe wir eine Erkrankung behandeln, ist es wichtiger, ihre Entstehung zu verhindern!“ 

Damit rückte er das Thema Prävention in den Fokus – ein Ziel, das durch den Weichgewebsverbund des Patent Implantatsystems in greifbare Nähe zu rücken scheint. Beeindruckt zeigte sich Prof. Dr. Sculean von publizierten Langzeitdaten: „In Studien zu diesem System trat keine Periimplantitis über lange Zeiträume auf – das hat mein Interesse geweckt und ich wollte herausfinden, warum das so war.“

Tissue Level vs. Bone Level

Auch Prof. Dr. Gil Alcoforado unterstrich die Dringlichkeit des Themas: „Derks und Tomasi zufolge haben wir eine Periimplantitis-Prävalenz von 22 Prozent. Es ist fürchterlich: Wir haben solche Schwierigkeiten bei der Behandlung von Periimplantitis – und jeder fünfte Implantatpatient wird diese Erkrankung bekommen!“ 

Die einst postulierten Vorteile von Bone-Level-Implantaten hinsichtlich Ästhetik, Stabilität und Knochenerhalt müssten angesichts dieser hohen Prävalenz einer Revision unterzogen werden. Hier zitierte Prof. Dr. Alcoforado ein weiteres Paper, eines zu einer Studie der schwedischen Bevölkerung: „Verglichen mit dem Straumann Tissue-Level-Implantat ist das Periimplantitis-Risiko bei Bone-Level-Implantaten von Nobel Biocare und Astra Tech um 377 % beziehungsweise 355% höher.“

Neben den beunruhigenden Studiendaten veranlassten ihn auch seine eigenen klinischen Erfahrungen zur Rückkehr zum Tissue-Level-Konzept: Bei einer Split-Mouth-Untersuchung mit im selben Oberkiefer-Quadranten platzierten Bone-Level- und Tissue-Level-Implantaten beobachtete er signifikante Knocheneinbrüche bei den Bone-Level-Implantaten, während die Tissue-Level-Implantate ohne jeglichen Knochenrückgang blieben.

Weichgewebsverbund als periimplantäre Abwehrbarriere

Dr. Glauser präsentierte anschließend neueste histologische Erkenntnisse zum Weichgewebsverbund des Patent Implantatsystems. Voraussetzung dafür, dass ein solches „Verwachsen“ von Weichgewebe und Implantatoberfläche überhaupt möglich ist, ist das Zusammenspiel von Tissue-Level-Konzept und einer transmukosalen Oberflächentopographie, die für die Interaktion mit Epithelzellen optimiert ist. Statt von einer „Weichgewebstoleranz“ wie bei anderen Implantat-Typen müsse man bei Patent™ folgerichtig von einem dynamischen Zellverbund sprechen. Dieser führe zu einer regelrechten biologischen Abdichtung zwischen Implantat und Weichgewebe – laut Glauser das entscheidende Bindeglied zur Prävention entzündlicher periimplantärer Erkrankungen wie Periimplantitis. 

Prof. Dr. Andrea Pilloni pflichtete seinem Kollegen bei mit der etwas saloppen Feststellung, dass Zellen „an Oberflächen, die sie mögen“, schlicht besser anhaften. Er sieht einen Faktor in der hemidesmosomen Antwort der Gingivalzellen. Molekularbiologisch sei eine deutlich bessere Sofortheilungs-Respons erkennbar. Auch wenn die wissenschaftlichen Hintergründe noch genauer exploriert werden müssen: „Ich weiß nicht, warum die Zellen es mögen – aber es ist sehr offensichtlich“. Auf die Frage, was der Weichgewebsverbund klinisch bedeute, antwortete Dr. Glauser:

„Bei Patent Implantaten sehen wir keine Implantat-typischen Taschen von 5 mm aufwärts, sondern lediglich geringe Sondierungstiefen von maximal 3 mm. Das ist vergleichbar mit einem gesunden natürlichen Zahn!“

Grundsätzlich zeigten die Diskutanten sich zuversichtlich, dass weitere wissenschaftliche Daten die vielversprechenden aktuellen Erkenntnisse bestätigen könnten.