Nicht zuletzt die kommende IDS wird einem neutralen Besucher wieder suggerieren, die Zahnarztpraxen in Deutschland seien bis ins letzte Detail durch-digitalisiert. In Wahrheit hat sich der digitale Workflow bisher bestenfalls in der Diagnostik etabliert, in der Planung und prothetischen Fertigung sind die Zahntechnik-Labors den Praxen weit voraus. Viele Zahnärzte erachten bestehende Systeme als immer noch zu kostenintensiv und zeitaufwendig und den direkten Nutzen für ihre Praxis als zu gering. Zimmer Biomet Dental tritt nun mit einer Reihe neuer Produkte und Lösungen an, um die digitalen Arbeitsprozesse für den Anwender einfacher und gleichzeitig effizienter zu gestalten. pip sprach mit Krista Strauss, Geschäftsführerin Zimmer Biomet Dental in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

pip: Wo sehen Sie derzeitig noch die Hemmschwellen bei den digitalen Prozessen und was sind Ihre direkten Antworten?

Krista Strauss: Der Digitalisierung werden wir uns nicht
 verschließen können. Praxen und Labore digitalisieren ja nicht um der Digitalisierung willen, sondern
 weil es eine Notwendigkeit ist. Aufgrund der 
kommenden strukturellen
Veränderungen brauchen
 sie einfachere und flexiblere Prozesse. Schon jetzt
 gibt es deutlich mehr Frauen in der Zahnmedizin,
 nicht zuletzt dadurch auch
 mehr angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte und
 ein Bedürfnis nach einer
Work-Life-Balance. Es bilden sich außerdem mehr
 Gemeinschaftspraxen oder
 größere Behandlungszentren und Praxisketten. Wir haben erkannt, dass unsere Anwender eine Flexibilität mit offenen Systemen und funktionierenden Schnittstellen bevorzugen. Das heißt, die Komponenten im digitalen Workflow sollen ihnen die Möglichkeit lassen, an der einen oder anderen Stelle aus der Prozesskette ein- oder wieder aussteigen zu können. Wir werden den digitalen Workflow als offene Struktur mit einer ganzen Reihe neuer Produkte und Lösungen komplettieren.

pip: An welchen Elementen im Digitalen Workflow setzen Ihre neuen Lösungen an?

Krista Strauss: Wir werden künftig die Prozesskette von der Diagnostik bis zur prothetischen Fertigung nahtlos abbilden. Ein Schlüsselelement dieses digitalen Workflows ist der Intraoralscanner. Durch die Kooperation mit Align Technology können wir künftig den iTero Element, einen der besten Intraoralscanner für die KFO, anbieten. Kooperationen mit weiteren Herstellern sind geplant. Die volle Flexibilität schaffen wir mit dem Encode Converter, der den Vorteil der Bellatek Encode Gingivaformer für die direkte Zusammenarbeit von Praxis und Labor ermöglicht. Damit können unsere Anwender an jeder Stelle in der Prozesskette ein- und aussteigen – je nachdem, ob sie bereits Investitionen in eine Fräseinrichtung getätigt haben oder dies künftig tun wollen. Es ist ihnen überlassen, ob sie mit externen Fräsdienstleistern oder gewerblichen Laboren zusammenarbeiten oder die Wertschöpfung im eigenen Praxislabor halten wollen.

pip: Wie genau funktionieren Ihre neuen Lösungen?

Krista Strauss: Zimmer Biomet Encode ist den meisten vertraut. Damit kann der Zahnarzt bereits seit langem ohne Abformungen auf Implantatniveau behandeln. Der Gingivaformer hat mehrere Funktionen. Er dient als Abformpfosten bzw. Scanbody und zugleich als Einheilkappe. Somit sind Abutmentwechsel überflüssig, was zu einem signifikant besseren Erhalt der Hart- und Weichgewebe führt. Die Besonderheit dieses Systems liegt an den speziellen Vertiefungen an der Oberfläche der Abutments, die Informationen über die Implantatposition, die Abutmenthöhe und das Emergenzprofil enthalten, also alle mehrdimensionalen Details.

Neu ist nun eine spezielle Encode Converter Lösung, die dem Zahntechniker ermöglicht, für seine Kunden die prothetischen Planungen vorzunehmen – direkt und ganz ohne Umweg über einen bestimmten Konstruktionsdienstleister. Dafür nutzt er ein exklusives Software-Modul, mit dem er die 3D-Informationen des Bellatek Encode Gingivaformer entschlüsselt und die individuellen Bellatek Abutments direkt konstruieren kann. Die gesamte prothetische Versorgung lässt sich damit im Handumdrehen konstruieren und die Fertigung kann dann im eigenen Labor oder über eines der autorisierten Zfx-Fräszentren erfolgen. Damit unterstützen wir direkt das künftig deutliche Zusammenwachsen von Chirurgie, Prothetik und Zahntechnik. Der Behandlungsablauf wird damit wesentlich verkürzt, das Verfahren ist für den Patienten viel angenehmer und zeitsparender, und nicht zuletzt erzielt man damit ein individualisiertes und ästhetisch sehr ansprechendes prothetisches Ergebnis. Übrigens wird es ab 2019 nach den Zimmer Biomet Certain- und Ex Hex Implantaten auch eine Encode-Lösung für die Tapered-Screw-Vent (TSV) Implanate geben, die sich in Kreisen unserer Anwender ungebrochen einer großen Beliebtheit erfreuen.

pip: Herzliches Dankeschön, Frau Strauss, für dieses Gespräch.