Das MDI Guided Surgery-System integriert Mini-Implantate in den digitalen Workflow. Mittels virtueller Planung erfolgt eine ideale Platzierung der Implantate und es wird eine lappenlose Implantatinsertion ermöglicht.

Der Einsatz konventioneller Implantate mit einem Durchmesser von 3,0 bis 7,0 mm ist bei Patienten mit einer geringen Alveolarkammbreite oft nicht möglich. Diese Implantate können nur nach entsprechenden augmentativen Maßnahmen eingesetzt werden, die jedoch ihrerseits zu erhöhten Kosten und einer verlängerten Behandlungszeit führen.

Als Behandlungsalternative für die implantatprothetische Versorgung zahnloser Patienten können Mini-Implantate (MDI) verwendet werden. MDI sind einteilige Implantate mit einem kugelförmigen O-Ball-Attachment, an welchem die Fixierung der Suprakonstruktion erfolgt. Aufgrund ihrer geringen Breite, die zwischen 1,8 bis 2,4 mm liegt, sind MDI bei einem geringen  Platz- und Knochenangebot einsetzbar. Bei Versorgung des zahnlosen Unterkiefers kann häufig eine Sofortbelastung der Implantate erfolgen.

Die hauptsächlichen Vorteile der MDI liegen in ihrer minimal-invasiven Insertion. Dies führt neben einer verringerten Operationsdauer zu einer geringeren Morbidität, zu weniger postoperativen Beschwerden und geringeren Behandlungskosten für den Patienten. Insbesondere hochbetagte Patienten scheinen die Therapiemethode aufgrund der niedrigeren Kosten und der geringeren postoperativen Unannehmlichkeiten zu bevorzugen [1].

Navigiert!

Mit Einführung der Digitalen Volumentomografie (DVT) und den damit verbundenen Entwicklungen der Planungssoftware entstand die sogenannte „Digitale Zahnmedizin“, die – nach der Erhebung der zahnärztlichen Befunde – bei der Behandlungsplanung und der anschließenden navigierten Implantation einsetzbar ist. Dieses Konzept ist auch auf die Versorgung mit MDI übertragbar. Die navigierte Implantatinsertion führt zu einer Erleichterung der Behandlungsplanung, einer optimalen Implantatpositionierung sowie einer minimal-invasiven Vorgehensweise ohne Bildung eines Mukoperiostlappens.

Patientenfall

Das Standardprotokoll bei der Versorgung des zahnlosen Unterkiefers mit vier durchmesserreduzierten, interforaminal platzierten Implantaten besteht aus der Neuherstellung der Totalprothesen mit den erwünschten funktionellen und ästhetischen Features. Anhand der neuen Prothesen werden röntgenopake Duplikate hergestellt, die als Röntgenschablonen verwendet werden. Initial wird eine DVT zu diagnostischen Zwecken erstellt, um das Knochenvolumen zu bestimmen und um eine dreidimensionale Darstellung des Unterkiefers zu erhalten. Eine zweite DVT erfolgt mit den röntgenopaken Röntgenschablonen in situ, um die Form der Zähne und die Position des Zahnersatzes im Mund des Patienten zu bestimmen. Dies ermöglicht einen nachträglichen Abgleich und ein Matching der DICOM-Aufnahmen mit der prothetischen Suprastruktur. Mittels einer Planungssoftware, wie beispielsweise 3Diemme, lassen sich die Implantatpositionen optimal virtuell bestimmen (Abbildung 1).

Anschließend wird anhand der vorliegenden Datensätze eine Bohrschablone virtuell geplant und ins STL-Format übertragen, bevor sie mittels 3D-Druck hergestellt wird. Die Bohrlöcher der Schablone werden mit Führungshülsen aus Metall versehen, um den Implantatbohrern eine ausreichende Führung während des Bohrprozesses zu geben. Wenn erwünscht, kann die Bohrschablone zusätzlich mit lateralen Bohrlöchern versehen werden, die eine Fixation der Prothese mittels Minischrauben im Kieferknochen ermöglichen (Abbildung 2).

MDI Guided Surgery-System

Das MDI-System zur navigierten Implantatinsertion (MDI Guided Surgery-System) besteht aus zwei Bohrersets mit jeweils drei Bohrern. Es handelt sich um kurze und lange Bohrer mit den Durchmessern 1,1 mm, 1,3 mm und 2,0 mm. Die Länge des Bohrers wird in Abhängigkeit von der jeweils erwünschten Länge des Implantats gewählt. Das Bohrprotokoll wird so gestaltet, dass der Durchmesser der Implantatbohrung geringer ausfällt als die Breite des Implantats und die Bohrtiefe ein Drittel der Implantatlänge beträgt. Das navigierte Bohrprotokoll beim Einsatz von MDI unterscheidet sich dadurch, dass die initialen Bohrungen navigiert erfolgen, die eigentliche Implantatinsertion jedoch freihändig ohne Einsatz der Bohrschablone durchgeführt wird. Die prothetische Suprakonstruktion wird über Verbindungskäppchen auf den O-Ball-Attachments der Implantate befestigt.

Fazit

Das MDI Guided Surgery-System integriert Mini-Implantate in den digitalen Workflow. Mittels virtueller Planung erfolgt eine ideale Platzierung der Implantate und es wird eine lappenlose Implantatinsertion ermöglicht. Beides führt gleichermaßen sowohl zu Vorteilen für den Patienten als auch für den Zahnarzt, da der minimal-invasive Behandlungsansatz zu geringeren postoperativen Beschwerden, einer Beschleunigung des Heilungsprozesses sowie zu einer Reduktion der Behandlungskosten führt. Weniger erfahrene Zahnärzte profitieren von der digitalen Planung der virtuellen Implantatpositionen und der erleichterten Umsetzung im Munde des Patienten.

[1] Soharbi K, Mushantat A, Esfandiari S, Feine J. How successful are small-diameter implants? A literature review. Clin. Oral Impl. Res 23, 2012, 515-525 doi:10.1111/j.1600-0501.2011. 02410.x