Zahnlosigkeit ist immer noch eine der anspruchsvollsten Herausforderungen innerhalb der Zahnheilkunde. Viele ältere zahnlose und multimorbide Patienten können mit ihrem Zahnersatz nur bedingt gesunde Nahrung aufnehmen. Der Halt der unteren totalen Prothese, insbesondere bei starker Atrophie des knöchernen Fundamentes, ist sehr schlecht. Häufige Druckstellen verbunden mit einer ständigen Bewegung auf dem Schleimhautfundament sorgen für eine Verringerung der Lebensqualität. Mangelernährungsphänomene sind die Folge, verbunden mit häufiger Erkrankung und eingeschränkter Vitalität.

Zusätzliche Verankerung einer Modellgussprothese mit MDI-Miniimplantaten

Eine signifikante sofortige Verbesserung des Prothesenhaltes ist mit den MDI-Miniimplantaten vom Unternehmen condent GmbH im Unterkiefer möglich. In der Regel kann bei entsprechender diagnostischer Vorplanung die Implantation transgingival durchgeführt werden. Somit reduzieren sich die operativen Komplikationen rapide. Selbst Hochrisikopatienten, welche Blutverdünner, orale Bisphosphonate oder eine Kortikoidtherapie erhalten, können mit dieser minimalinvasiven Therapie leicht und sicher behandelt werden. Die Investitionskosten sind im Vergleich zur konventionellen implantatprothetischen Versorgung wesentlich geringer.

Ein weiterer Vorteil besteht in der Sofortversorgung nach Implantation, wenn eine ausreichende Primärstabilität von 35 Ncm pro Miniimplantat erreicht wird. Unmittelbar nach dem operativen Eingriff werden die Retentionselemente (Metal Housings) in die vorhandene Prothese vom Behandler einpolymerisiert und der Patient verlässt die Praxis mit festsitzenden Zähnen. Im Unterkiefer ist die Versorgung mit vier Miniimplantaten und einer Sofortversorgung möglich, wenn im Oberkiefer eine totale oder subtotale Prothese vorhanden ist. Sollte der Gegenkiefer voll bezahnt sein, so empfiehlt es sich, die Anzahl der Implantate zu vermehren bzw. auf eine Sofortbelastung zu verzichten.

Fester Halt und verbessertes Geschmacksempfinden

Die auf vier MDI-Miniimplantaten (condent GmbH) verankerte Unterkieferprothese

Die Versorgung des zahnlosen Oberkiefers erfolgt mit mindestens sechs Miniimplantaten. Diese werden in regio 14-24 positioniert, um das Areal der Nasennebenhöhle zu schonen. Eine bikortikale Verankerung im Oberkiefer ist möglich, jedoch nicht zwingend erforderlich. Aufgrund des weicheren Oberkieferknochens wird vom Hersteller eine Einheilzeit von drei bis vier Monaten empfohlen. In dieser Übergangszeit kann die Oberkieferprothese weichbleibend unterfüttert werden. Nach entsprechender Osseointegration der Oberkieferimplantate werden die Retentionselemente vom Zahnarzt im Mund einpolymerisiert und die Prothese kann gaumenfrei umgearbeitet werden. Somit wird dem Patienten zusätzlich zu einem festen oberen Prothesenhalt wieder die Möglichkeit der Geschmacksfindung über die Gaumenrezeptoren gegeben. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Konzept der Prothesenstabilisierung mit MDI-Miniimplantaten eine Verbesserung der Lebensqualität für die jeweiligen Patienten mit sich bringt. Als Behandler ist man damit in der Lage, die Erwartungen der Patienten meist sogar zu übertreffen. Die Überlebensrate von MDI-Miniimplantaten in einer Länge größer als zehn Millimeter ist in einem Bobachtungszeitraum von fünf Jahren > 95 %. (Th. Mundt et al. DZZ 2014 S.262-270). Dies gibt Behandlern die Sicherheit, auf diese schonungsvolle Therapieoption zu vertrauen.