Beeinträchtigungen der Kaufunktion und die damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität stellen für viele ältere Patienten ein massives Problem dar. Eine geeignete Lösung dafür bietet das Mini-Implantat-System MDI von condent aus Hannover. Diese Therapieform hat sich als attraktive Alternative zu schleimhautgetragenen oder mit konventionellen Implantaten stabilisierten Prothesen bewährt. Im Interview mit pip erklärt Univ.-Prof. Dr. Torsten Mundt, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Universitätsmedizin Greifswald, welche Vorteile das System mit sich bringt und wie Patienten davon profitieren können.

pip: Beim Thema Vollprothesen spielt die Wiederherstellung der Lebensqualität eine zentrale Rolle. Was ist für Sie in diesem Zusammenhang der entscheidende Faktor?

Torsten Mundt: Der ausschlaggebende Punkt ist ganz klar der verlässliche Halt der Prothese. Denn nur wenn er gewährleistet ist, erhalten die Patienten ihre Kaufähigkeit im bestmöglichen Umfang zurück. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass das für einen großen Teil der Patienten in puncto Lebensqualität das entscheidende Moment ist. Mit einer festsitzenden Prothese ist es endlich wieder möglich, ohne Angst in der Öffentlichkeit, zum Beispiel in einem Restaurant, zu essen. Während sich viele Patienten mit einer unzureichend befestigten Prothese mit Blick auf bestimmte Lebensmittel Vermeidungsstrategien aneignen, können sie mit sicher sitzendem Zahnersatz dann auch mal wieder ein Steak oder einen Salat essen.

pip: Wie genau realisieren Sie diesen festen Halt der Prothese bei Ihren Patienten mithilfe von Mini-Implantaten?

Torsten Mundt: In einer großen Zahl von Fällen stellt die Stabilisierung von totalen Prothesen mithilfe von Mini-Implantaten eine zufriedenstellende Lösung dar. Im Unterkiefer sorgen mindestens vier von ihnen für einen sicheren Sitz, im Oberkiefer sollten es mindestens sechs sein. Bei dieser Therapieform greifen wir auf die Kugelkopf-Implantate des Mini-Implantat-Systems MDI zurück. Sie schnappen ganz einfach in die mit Gummiringen versehenen Metallgehäuse innerhalb der Prothese ein und sorgen so für die nötige Stabilität.

pip: Welche Vorteile bietet dieses Verfahren gegenüber einer schleimhautgetragenen Prothese?

Torsten Mundt: Ohne Implantate ist in vielen Fällen besonders im zahnlosen Unterkiefer kein guter Halt zu erreichen. Vor allem bei älteren Patienten mit bereits stark atrophiertem Kieferknochen beobachten wir dieses Problem. Studien mit Mini-Implantaten zeigen dort eindeutige Ergebnisse. Die Prothesen besitzen nach der Stabilisierung mit Mini-Implantaten eine viel bessere Retention. Das Kauvermögen, die Kaukraft und -effizienz sind nachgewiesenermaßen erhöht. Die Patienten sind insgesamt zufriedener mit dem Zahnersatz.

pip: Wieso setzt man in einem solchen Fall nicht einfach auf konventionelle Implantate?

Torsten Mundt: Eine Befestigung der Prothese mit konventionellen Implantaten kommt manchmal aus anderen Gründen nicht in Frage oder ist mit einem erhöhten Operationsrisiko verbunden. Sie benötigen nämlich eine gewisse Mindestbreite an vorhandenem Kieferknochen. Ist der Kieferknochen zu schmal, muss er entweder nach basal gekürzt werden oder Augmentationen sind erforderlich. Gerade wenn Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen oder wenn sie zur Minderung skelettaler Komplikationen eine Bisphosphonat-Therapie durchlaufen, möchte man derart invasive Eingriffe nach Möglichkeit vermeiden. Hier stellt die minimalinvasive Insertion von Mini-Implantaten eine attraktive Alternative dar, die sich zudem noch deutlich schneller realisieren lässt – in vielen Fällen können die Mini-Implantate direkt nach der Implantation im Unterkiefer mit der Prothese belastet werden.

pip: An welcher Stelle können Mini-Implantate darüber hinaus punkten?

Torsten Mundt: Selbst wenn ein ausreichendes Knochenangebot gegeben ist und auch ansonsten keine medizinischen Gründe gegen die Verwendung konventioneller Implantate sprechen, gibt es ein gewichtiges Argument, das für Mini-Implantate spricht: der Kostenfaktor. In einkommensschwächeren Regionen wie bei uns in Vorpommern fehlt den meisten Patienten schlichtweg das Geld für eine konventionelle Implantation. Aber auch in anderen Bundesländern ist selbst eine reduzierte Lösung mit zwei Implantaten finanziell bisweilen nicht machbar. Dank ihrer geringeren Kosten ermöglichen es Mini-Implantate auch diesen finanziell schlechter gestellten Patienten, von den Vorteilen einer implantatgestützten Versorgung zu profitieren. Dabei zahlt es sich im wahrsten Sinne des Wortes aus, dass sich eine bereits vorhandene schleimhautgetragene Prothese leicht für die Verwendung mit Mini-Implantaten umarbeiten lässt.

pip: Herr Professor Mundt, vielen Dank für das Gespräch!