Patientenfokussierte Therapiekonzepte, POR – patient oriented results, individuelle Patientenkonzepte – kaum eine Veranstaltung, auf der nicht der Zeigefinger erhoben wird, nicht zwingend das therapeutisch und technisch machbare, sondern das für den jeweiligen Patienten beste und angemessene Versorgungskonzept walten zu lassen. MDI by condent widmet ganz dem Zeitgeist entsprechend dem minimalinvasiven Versorgungskonzept mit Mini-Implantaten ein ganzes Wochenende vom 8.-9. Juni in der inspirierenden Umgebung des Yachthafens Hohe Düne in Warnemünde an der Ostsee. pip sprach mit Prof. Dr. Torsten Mundt von der Universität Greifswald, der gemeinsam mit Dr. Winfried Walzer aus Berlin durch die Veranstaltung führen wird.

pip: Mini-Implantate galten einst als Konzept für Behandler, die sich an die richtige Implantation nicht herantrauen oder auch als minderwertige Sozialindikation …

Prof. Mundt: Beides ist falsch und sicherlich inzwischen hinreichend widerlegt. Im Gegenteil darf diese Versorgungsform als inzwischen wissenschaftlich hinreichend dokumentiert gelten. Sie erfordert bereits in der Diagnostik der dafür geeigneten Patienten und deren individueller Situation eine große Expertise des behandelnden Chirurgen oder Zahnarztes in Chirurgie und Anatomie. Die Mini Dental Implants – MDI der Firma condent Hannover – gehören dabei zu den am besten wissenschaftlich dokumentierten Mini-Implantatsystemen. Auch das OP-Protokoll und die Zusammenarbeit mit Prothetiker und Zahntechniker ist sicherlich nichts für Anfänger. Warum es als „Sozialindikation“ gelten soll, Patienten ohne aufwendige Augmentationsmaßnahmen und langwierige Heilungsprozesse zu einer deutlich verbesserten Funktion und damit Lebensqualität zu verhelfen, erschließt sich mir nicht.

pip: Wie ist der aktuelle Stand der Wissenschaft bei Mini-Implantaten?

Prof. Mundt: Als gesichert können wir erkennen, dass die mit Mini-Implantaten erzielbaren Erfolgsraten mit denen konventioneller Implantate vergleichbar sind. Es gibt weder die einst gefürchteten höheren Frühverluste noch erhöhte Frakturraten. Ganz wesentlich hat sich daneben in Untersuchungen eine deutlich höhere Patientenzufriedenheit und Verbesserung der Lebensqualität gezeigt. Besonders die bei mangelndem Prothesenhalt oft beobachteten Einschränkungen wie Mangelernährung und eine damit einhergehende höhere Krankheitsanfälligkeit oder auch die oft beobachtete Isolation durch Vermeidung sozialer Kontakte lassen sich durch die festsitzende Versorgung auf Mini-Implantaten messbar verbessern. Unsere Patienten zählen zu einer Bevölkerungsgruppe, in der solche Einschränkungen dramatische Konsequenzen haben.

pip: Wo sehen Sie die Hauptindikation und wo die Limitierungen?

Prof. Mundt: Ganz klar bei der Stabilisierung von Voll- und Teilprothesen und hier besonders bei vorbelasteten Patienten mit einem geringen Knochenangebot, denen wir komplexe chirurgische Eingriffe und aufwendige Augmentationen ersparen möchten. Gerade der Pfeilervermehrung kommt, neben der Rehabilitation des zahnlosen Unter- oder Oberkiefers, eine immer stärker werdende Bedeutung zu. Bei einer Primärstabilität von 35 Ncm ist im UK auch die Sofortbelastung möglich. Limitationen bestehen in einer zu geringen Knochenhöhe, die zehn Millimeter nicht unterschreiten sollte, und in einer unzureichenden Knochenqualität, d. h. bei zu weichem Knochen. Deshalb sollte, wie eingangs schon gesagt, der Behandler über fundierte chirurgische und anatomische Kenntnisse verfügen und sich bestmöglich auch in einer speziellen Fortbildung mit der Planung und Vorgehensweise vertraut machen.

pip: Trägt das Thema einen zweitägigen Kongress?

Prof. Mundt: Durchaus, aber wir wollen es für die Teilnehmer ja auch nicht zu monoton werden lassen: Neben einer Übersicht über den aktuellen Stand der Wissenschaft zu Mini-Implantaten, praktischen Anwendungstipps und dem Erfahrungsaustausch mit MDI-Experten aus dem ganzen deutschsprachigen Raum bietet die Fortbildung noch eine Reihe hochinteressanter Themen außerhalb der Zahnmedizin, aber mit großem Nutzen für Ihre tägliche Arbeit: Spannende Einblicke in die Organisation einer auf höchstem Niveau laufenden Landpraxis zählen dazu, ein sehr hilfreiches Update zu den Vorgaben des Antikorruptionsgesetzes und der Zugabenverordnung, ein bisschen angewandte Psychologie in der Patientenberatung und auch die persönlich für jeden engagierten Zahnarzt und Chirurgen wichtige Besinnung, im Praxisalltag einmal loszulassen und zurück zu sich selbst zu finden. Wenn sie sich schon über ein erfolgreiches Therapiekonzept fortbilden lassen, sollten sie es ja auch lange und gesund zum Wohle ihrer Patienten einsetzen können.

pip: Herzliches Dankeschön für Ihre Zeit und dieses Gespräch, Herr Prof. Mundt.