Solange es für die Periimplantitis keine schnell wirksame Therapie gibt, liegt das Heil in einer bestmöglichen Prävention der Entstehung periimplantärer Entzündungen. Natürlich kann es für ein multifaktorielles Erkrankungsbild wie das der Periimplantitis nicht eine einzig wirksame Patentlösung geben, aber erklärtermaßen sollten Spalten und Hohlräume am Implantat vermieden werden, um eine Besiedlung der Implantatinnenräume mit Keimen aus der Mundhöhle und anschließende Reinfektionen sowie bakteriell besetzte periimplantäre Nischen zu verhindern. pip sprach mit Prof. Dr. Dr. Claus Udo Fritzemeier aus Düsseldorf.

pip: Selten wurde so viel aber auch erfolgreich geforscht und entwickelt wie an spaltfreien zusammengesetzten Implantaten – wieso sehen Sie es immer noch als Thema?

Udo Fritzemeier: „Maß auf Maß geht nicht“. Dieser Grundsatz der Mechanik trifft leider auch für zusammengesetzte Implantate zu. Das Problem ist somit systemimmanent, weil 1. fertigungsbedingt durch die Toleranzen immer Hohlräume und Spalten zwischen der Implantat-Abutmentverbindung wie auch im Gewindeschacht entstehen und 2. die optimal ausgearbeiteten Implantatoberflächen Rauigkeiten aufweisen, die mikrobiologisch gesehen große Passagen ermöglichen. Nachweislich trifft das auch für konische Verbindungen zu.

pip: Sie sehen die Hauptproblematik in einer Reinfektion aus dem Implantat – was bedeutet das konkret?

Udo Fritzemeier: Bei einem zusammengesetzten Implantat werden innerhalb kürzester Frist die Implantatinnenräume über die Spalten zwischen Abutment und Implantatkörper und die Spalten der Gewindegänge mit Keimen aus der Mundhöhle besiedelt (schon 30 Minuten nach Implantation). Zudem erleichtern Kapillarkräfte und Mikrobewegungen zwischen den Komponenten den Keimtransport. Da im Implantat ideale Wachstumsbedingungen für Keime bestehen und die Implantatinnenräume vom Immunsystem des Wirts ausgeschlossen sind, vermehren sich die Keime und erzeugen bzw. unterhalten so eine Periimplantitis.

pip: Konsequent dürfte es um einteilige Implantate doch dann gar keine periimplantären Entzündungen geben?

Udo Fritzemeier: Die Reinfektion ist nur eine Ursache für diese Erkrankung. Die klassischen Gründe für die Periimplantitiden, wie etwa Überlastungssituationen und übermäßige Plaque Akkumulation sind natürlich auch bei einteiligen Implantaten anzutreffen.

pip: Können Sie uns Genaues über die Wirkungsweise von GapSeal sagen?

Udo Fritzemeier: GapSeal versiegelt die Spalten und Hohlräume von zusammengesetzten Implantaten und verhindert so die Kontamination mit Keimen. Eine hochvisköse Silikonmatrix, welche bereits in der Industrie und der Medizin über viele Jahre erfolgreich im Einsatz ist, sorgt als Basismaterial für eine zuverlässige Versiegelung und macht somit eine Ansiedelung für Keime unmöglich. Zunächst wirkt das Material durch das Volumen nach dem einfachen Prinzip: „Wenn das Medium keinen Nährboden darstellt, kann dort auch nichts wachsen“. Weitere Voraussetzungen sind ein hydrophobes Verhalten und ein gutes Standvermögen bezüglich der mechanischen Festigkeit. Zudem darf es nicht aushärten, weil dabei durch Schrumpfung erneut Spalten entstehen würden. Weiterhin erleichtert ein visköses Material den Austausch. Es besitzt bakterizide, fungizide und viruzide Eigenschaften, damit es selbst nicht mit Keimen durchwandert werden kann. Obgleich es immer extrakorporal platziert wird, hat es nachgewiesenermaßen den großen Vorteil, dass es nicht sensibilisierend (allergisierend) wirkt, keinerlei schädigende Wirkungen auf den Organismus zeigt und darum unbesorgt bei allen Patienten zum Einsatz kommen kann.

pip: Wie lange bleibt das Material am Behandlungsort stabil, wie oft muss es erneuert werden?

Udo Fritzemeier: Nach der nun zwanzigjährigen klinischen Anwendung von GapSeal hat sich gezeigt, dass es über diesen Zeitraum nachweislich wirksam bleibt. Da bei zementierten Suprastrukturen der Zement keinen hermetischen Abschluss bieten kann, ist hier die Anwendung von GapSeal ganz besonders anzuraten. Bei verschraubten Arbeiten empfiehlt sich der Austausch bzw. die Ergänzung des Materials bei Recallsitzungen. Bei dieser Art der Suprastrukturen ist eine Versiegelung der Spalt- und Hohlräume ebenfalls von Vorteil.

pip: Müssen wir von einer Dauertherapie ausgehen?

Udo Fritzemeier: Die Industrie wird trotz erheblichen Entwicklungsfortschritten die beschriebenen physikalischen Gegebenheiten nicht beseitigen können. Sollte eine Periimplantitis tatsächlich durch die Behandlung zur Ausheilung kommen, würden nicht geschützte Spalt- und Hohlräume in den Implantaten wegen der weiterhin bestehenden Zugänge erneut mit Bakterien, Pilzen und Viren besiedelt werden. Mikrobiologisch gesehen kann man ein Implantat niemals steril inserieren. Wenn die durch die Reinfektion/Microleakage entstandenen oder unterhaltenen Periimplantitiden, und diese sind bei zirka 30 %, vermieden werden können, so sind wir in der Vermeidung oder Behandlung dieser Erkrankung wieder etwas weiter gekommen.

pip: Ein herzliches Dankeschön, Herr Prof. Fritzemeier.