Der Hygieneplan der BZÄK verdeutlicht ganz klar die Wichtigkeit einer adäquaten Desinfektion aller wasserführenden Systeme in zahnmedizinischen Einrichtungen. Wer aber nun glaubt, der Hersteller seiner jeweiligen Behandlungseinheit werde sich schon ausreichend gekümmert haben, irrt gewaltig. Die komplexen Schlauchsysteme von Dentaleinheiten bieten einen idealen Nährboden für Biofilm, und bautechnisch bedingt sammeln sich in vielen kleinen Winkeln und Eckchen regelrechte Plaques und damit Tummelplätze für Bakterien an. Manche Einheiten sehen von innen aus wie einer dieser alten Toilettenspülkästen. Die gängigen Desinfektionsverfahren mit H2Osind für eine Bekämpfung dieser Gefahrenquellen nicht intensiv und nachhaltig genug. Zudem greifen sie Plastikschläuche und Magnetventile der Behandlungseinheiten, aber auch Hand- und Winkelstücke an, was mittel- bis langfristig zu hohen Reparaturkosten führt. Gegen aquatischen Biofilm ist H2Odaneben sowieso wirkungslos: trotz Intensiventkeimung werden die Grenzwerte nach nur 24 Stunden bereits wieder um ein Vielfaches überschritten. Die Entkeimungsmittel treffen nur auf die äußere Hülle des Biofilms. Die überlebenden Mikroben ernähren sich dann auch noch von diesem Entkeimungsschrott, vermehren sich umso stärker und können sogar Resistenzen entwickeln. Die Bottle-Systeme, die viele Kollegen gern bei parodontologischen und chirurgischen Eingriffen einsetzen, helfen auch nur bedingt: Es gibt weltweit kein standardisiertes Bottle-System. Schauen Sie sich in den Praxen mal an, welche abenteuerlichen Behelfsflaschen sich teilweise an den Einheiten finden, mit erneut idealen Keimnährböden in schwer zugänglichen Winkeln und Flaschenhälsen.

„Es ist doch noch nie etwas passiert! …”, sehe ich manche Kollegen müde abwinken. Erstens irren sie – es ist eher dem für den Praxisbetreiber glücklichen Umstand geschuldet, dass sich eine bakterielle Infektion meist nicht nahtlos auf den Zahnarztbesuch zurückführen lässt. Ich will aber auch nicht der erste sein, der mit so einem Fall durch ZDF Zoom gejagt wird. Was die Kollegen wohl sagen, wenn sie erfahren, dass es an vielen modernen Zahnarztstühlen gar nicht möglich ist, aussagefähige und rechtskräftige Wasserproben zu nehmen? Das verwendete H2Okann bei der Entnahme nicht gemäß DIN EN ISO 19458 neutralisiert werden. Durch die lange Kontaktzeit sind die Bakterien, bis sie im Labor ausgewertet werden können, inaktiv. Das ergibt total falschenegative Werte!

Wir verwenden seit einiger Zeit ein Gesamtkonzept auf Basis hypochloriger Säure, die vor Ort erzeugt und direkt der Trinkwasserzuleitung für die Stühle zugegeben wird. Damit werden bestehende Biofilme zuverlässig abgetragen und rechtssicher dauerhaft unter den RKI-Grenzwerten gehalten. Wir haben seitdem praktisch keine Reparaturen mehr an Hand- und Winkelstücken. Eine Kollegin hat seit dem Wechsel des Systems auffällig weniger Sinusitiden. Auch beim Bottle-System haben wir nun eine neue leicht zu reinigende und bei über 100 Grad aufzubereitende Flasche ohne Krümmungen und Flaschenhalsknick eingesetzt. Neben all der Sicherheitsvorteile und Kostenersparnis habe vor allem ich das Thema endgültig aus dem Kopf und kann mich mit meinen wesentlichen Praxisaufgaben und mit meinen Patienten befassen.

Als säßen uns Zahnärzten nicht schon genug RKI-Richtlinien und QM-Handbücher im Nacken, basteln wir uns noch selber Probleme, wo gar keine sind! Oder stoßen unterbeschäftigte Kontrollbeamte mit der Nase auf eine Situation, die bisher völlig problemlos war, die sie aber sicher gern mit weiteren Kontroll-Routinen belegen werden – mit irgendwas müssen solche Leute ihre Existenz doch rechtfertigen. Die Trinkwasserqualität in Deutschland ist erwiesenermaßen eine der besten der Welt. Damit aber nicht genug, richten die Hersteller der Behandlungseinheiten bereits spezielle Desinfektionssysteme auf H2O–Basis ein, mit denen eine kritische Keimzahl von 100 pro ml Wasser nie überschritten wird. Wir haben einen Wasserfilter eingebaut, führen mit geeigneten und zugelassenen Mitteln regelmäßig ein Biofilm- Removing durch, spülen vor Behandlungsbeginn und besonders nach Wochenenden oder Urlauben alle Leitungen ausreichend durch, füllen regelmäßig die Desinfektionsmittel nach und lassen in ebenso regelmäßigen Abständen mit speziellen und damit natürlich auch nicht billigen Dental-Wassertests Proben entnehmen und analysieren – immer mit tadellosem Ergebnis. In noch keinem einzigen Fall hätte in unserer eigenen Praxis, trotz eines hohen Aufkommens semikritischer und kritischer Eingriffe, oder auch in irgendeiner mir bekannten Praxis irgendein Patient einen Schaden durch Legionellen oder einen durch das Wasser übertragenen Keim davongetragen, und ich habe auch noch nirgends von so einem Fall gelesen. Von welchem Gefahrenpotential reden wir also, dass auf einmal um das Thema so ein Wind gemacht wird?

Erst vor wenigen Jahren wurde in einer Gemeinschaft verschiedener Fachgesellschaften, darunter die DGKH – Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, die DGZMK, die DGMKG, der BDO, die BZÄK und die KZBV eine neue S2k-Empfehlung entwickelt. Ganz klar wird hier selbst bei kleineren chirurgischen Eingriffen ohne primären Wundverschluss und gesunden Patienten das Betriebswasser der Behandlungseinheiten als ausreichend gesehen. Erst bei zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen mit nachfolgendem primären Wundverschluss wie Implantationen, Knochen- oder Weichgewebstransplantationen, Sinuslift-Operationen oder Wurzelspitzenresektionen wird eine besondere hygienische Anforderung konzediert und der Einsatz steriler Spüllösungen empfohlen. Zudem wird auf das Minimierungsgebot der Trinkwasserverordnung hingewiesen, nach der „Aufbereitungsstoffe nur aus zwingenden hygienischen oder technischen Gründen und stets nur im unbedingt notwendigen Ausmaß und unter optimalen Bedingungen dem Trinkwasser hinzugefügt werden” sollen.

Es kann auch kaum meine Aufgabe sein, am besten mit einer Zahnbürste aus Dentaleinheiten irgendwelche Ablagerungen herauszukratzen – wenn es ein Problem gibt, wäre es ja wohl Sache der Hersteller eines anerkannten Medizinproduktes, dafür zu sorgen, dass hier keine versteckten Gefahrenquellen lauern! Der Hinweis auf das erhöhte Risiko bei chirurgischen Eingriffen oder auch bei einem betagten und multimorbiden, oft auch immunologisch geschwächten Patientenstamm mag sachlich richtig sein, aber dafür verwende ich doch ohnehin ein Bottle-System mit sterilem Wasser. Lassen wir uns also nicht von cleveren Geschäftemachern Probleme einreden, wo gar keine sind.