Die Ausgangsituation

Bei der 71-jährigen Patientin waren alle Implantate im Ober- und Unterkiefer durch stark fortgeschrittene Plaqueakkumulationen mit Rötungen und Schwellungen an der periimplantären Mukosa, Blutung und Pus bei Sondierung sowie erheblichen Weichgewebsrezessionen mit großflächigem Freiliegen von rauen Implantatoberflächen gekennzeichnet. Damit einher ging ein teils markanter vertikaler Knochenverlust mit weit nach apikal reichenden periimplantären Läsionen. Typisch für das Vorhandensein massiver Entzündungsprozesse waren in beiden Kiefern auch die farblichen Veränderungen in

Form livider Verfärbungen des marginalen und periimplantären Gewebes. Die Explantation aller Implantate und Entfernung der Zähne im Oberkiefer ließ sich nicht mehr vermeiden, im Unterkiefer entschied sich die Patientin nach Diskussion der derzeit vorliegenden Optionen ebenfalls für einen Neuanfang (Abb. 1-5). Gerade im Hinblick auf eine neuerliche implantatprothetische Rehabilitation – im vorliegenden Fall herausnehmbar geplant – ist bei noch osseointegrierten bzw. ankylosierten Implantaten eine möglichst atraumatische Explantation wünschenswert.

Das Verfahren

Eine Alternative zu herkömmlichen, stark ablativen Verfahren wie mit Lindemannfräsern oder dickwandigen Trepanbohrern bieten sogenannte Extraktoren aus Hartmetall (BTI Deutschland, Pforzheim). Mit einem linksschneidenden Gewinde versehen, werden die Extraktoren gegen den Uhrzeigersinn mit einem speziellen Handgriff in das Innengewinde bzw. die Aufbauverbindung eines Implantates eingedreht. Durch vorsichtiges Weiterdrehen unter Zuhilfenahme einer Drehmomentratsche und eines passenden Ratscheneinsatzes lässt sich das Implantat sicher und gewebeschonend extrahieren. Um das Risiko einer Implantatfraktur sowie eine Überbelastung der knöchernen Strukuren zu vermeiden, löst die Ratsche bei Überschreitung eines maximal möglichen Drehmoments von 200 Ncm durch Abknicken des Ratschenkopfs aus und muss neu positioniert werden (Abb. 6-13).

Bei schwer lösbaren Implantaten kann zuvor mithilfe eines Trepanbohrers (BTI, verfügbar sind vier Innen-Durchmesser von 3,7 mm bis 5,7 mm) die periimplantäre Kortikalis angekörnt werden. Hierfür genügt meist schon eine Bohrung in max. 5 mm Tiefe. Da die Bohrer bis zur 5 mm Marke dünnwandig gestaltet sind, kann der Behandler weitgehend substanzschonend trepanieren (Abb. 14-17).

Das Fazit

Das BTI Implantat-Extraktionsset erlaubt dem erfahrenen Behandler ein weitestgehend atraumatisches Explantieren ankylosierter Implantate ohne weitere Destruktionen des Kieferknochens. Die verschiedenen Extraktoren aus Hartmetall sind für alle gängigen Implantatsysteme, ob mit Innen- oder Außenverbindung, geeignet. Das System einschließlich der Trepanboh- rer ist im Handling unkompliziert und einfach zu beherrschen.

Es kann als valide, Knochensubstanz schonende Voraussetzung dienen, um nach den Explantationen eine neue, in diesem Fall herausnehmbare implantatprothetische Restauration in ausgeheilten Gewebearealen ohne komplexen oder umfangreichen Neuaufbau von infolge der Explantation verloren gegangenem Knochen realisieren zu können (Abb. 43–46).

Autoren

Dr. Jens Becker, M.Sc

Dr. Jens Becker, M.Sc

  • Master of Science in Oral Implantology (DGI) 2009/10
  • Curriculum Implantologie der DGI 2005/6

info@zmtaa.de

www.zmtaa.de

Dr. Jörg Munack, M.Sc.

Dr. Jörg Munack, M.Sc.

  • Master of Science in Oral Implantology (DGI) 2009/10
  • Geprüfter Experte der Implantologie DGOI und Diplomate ICOI
  • Spezialist Implantologie DGZI, EDA und BDIZ EDI und Seniorenzahnmedizin der DGAZ

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