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Das periimplantäre Weichgewebe im Fokus des digitalen Workflows

Digitale Technologien – sowohl im zahnmedizinischen als auch zahntechnischen Arbeitsalltag – ermöglichen in der Implantologie beim Erhalt der periimplantären Hart- und Weichgewebestrukturen neue Optionen [1]. Nicht nur in der Diagnostik haben sich in den letzten Jahren neue Behandlungsabläufe eröffnet. Durch die Weiterentwicklung der Technologien, nicht zuletzt durch die Implementierung der KI, und der Möglichkeit neue gewebeverträgliche Materialien einzusetzen, werden Therapieansätze sicher und effizient realisierbar.

Patientenfall

Ein 40-jähriger Patient stellte sich mit Schmerzen regio 17 in der Praxis vor. Sowohl klinisch als auch röntgendiagnostisch war der Zahn 17 nicht mehr erhaltungswürdig. Die Anamnese war unauffällig. Vor der Extraktion wurde die Situation der Ober- und Unterkiefer mit einem intraoralen Scan erfasst (Abb. 1-3). Um die Hart- und Weichgewebestrukturen zu erhalten, wurden die Wurzeln getrennt und einzeln entfernt. Nach sorgfältiger Reinigung der Alveolen wurde für die Socket Preservation ein resorbierbarer Kollagenkegel equinen Ursprungs (Parasorb/ Resorba) in Kombination mit Eigenblutplasma aus dem PRGFVerfahren (Endoret/BTI) eingebracht. Um die mukogingivale Grenze nicht zu verschieben, wurde auf eine Lappenbildung und den Alveolenverschluss mittels Transplantat verzichtet. [2] Da der Kollagenkegel ein verlängertes Abbauverhalten aufweist, eignet er sich für den exponierten Einsatz. 

Er wurde mit einer spannungsfreien Kreuznaht in situ gehalten. Bis zum vollständigen Wundverschluss sollte der Patient jegliches mechanische Trauma, durch Putzen oder harte Kost, vermeiden [3,4,5]. Nach sieben Tagen erfolgte die Nahtentfernung.

Implantatplanung und Guided Surgery

Die Implantatplanung erfolgte auf Grundlage einer DVT und eines Intraoralscans (Trios) mit dem Programm coDiagnostix. Die Implantatposition wurde im Sinne eines Backward Plannings auf Basis der alten Krone gewählt, dazu diente der Situ-Scan vor der Extraktion. Es zeigte sich, dass die Knochenhöhe etwa sieben Millimeter betrug und somit eine leichte Anhebung des Kieferhöhlenbodens erforderlich war. Dies konnte mit einem internen Sinuslift [6] und entsprechenden, auf die Außengeometrie der Implantate abgestimmten Osteotomen realisiert werden. Aus der Implantatplanung heraus wurde eine Bohrschablone mit Hülse für ein 4,3 mm Durchmesser Conelog Screw-Line Implantat (Camlog) konstruiert (Abb. 4-6). 

Vor dem chirurgischen Eingriff wurde die Bohrschablone sterilisiert und der passgenaue Sitz überprüft. Nach einer Lokalanästhesie erfolgte die Präparation eines Mukoperiostlappens und die vollgeführte Aufbereitung des Bohrstollens bis einen Millimeter vor den Sinusboden. Die Schablone wurde entfernt und durch gezieltes Klopfen auf das formkongruente, an der Spitze konvexe Osteotom wurde der Kieferhöhlenboden angehoben. Die Insertion des Implantats (Conelog Screw-Line Promote Plus Ø 4,3; L 9 mm) erfolgte manuell, wobei die Implantatschulter epikrestal positioniert wurde. Für die Herstellung eines individuellen Gingivaformers, der bei der Eröffnung des gedeckt einheilenden Implantats vorliegen sollte, wurde die Implantatposition mit einem Scanpfosten digital erfasst. Danach wurde das Implantat mit einer Verschlussschraube versehen und der Mukoperiostlappen spannungsfrei vernäht (Abb. 7-13).

Während der Einheilzeit wurde ein individueller Gingivaformer (Dedicam) hergestellt. Dabei steht die Etablierung der biologischen Breite sowie die anatomische Ausformung der Transition Zone – der Bereich zwischen krestalem Knochen und Weichgewebesaum – im Fokus. Es ist wichtig, die unterschiedlichen Zonen des Emergenzprofils und die einflussnehmenden Faktoren wie Implantatposition und -design zu kennen, um die angestrebte Weichgewebedicke für ein langzeitstabiles Resultat zu erzielen. Eine Weichgewebehöhe von zirka vier Millimetern, im Frontzahnbereich eher von fünf Millimetern, ist erstrebenswert. Die Abutmentgestaltung des submukösen Bereichs erfolgte auf Basis des „esthetic bounded contour Concept“ (EBC Concept), das die spezifischen Parameter für die korrekte Gestaltung des Emergenzprofils implantatgetragener Versorgungen berücksichtigt [7]. 

Die „crestal zone“ (ca. zwei Millimeter hoch) wird eher schmal aus der Implantat-Abutment-Schnittstelle heraus gestaltet. Die darüber liegende „bounded zone“ ist etwa ein bis zwei Millimeter hoch und sollte konkav ausgestaltet werden, um Raum für ein dickes Weichgewebe zu schaffen. Ihre Ausformung wird maßgeblich von der Implantatposition beeinflusst, da ein nicht zentral unter der Krone platziertes Implantat eine anatomische Ausformung unmöglich macht. Die „esthetic zone“ ist ein schmaler Bereich, der sich etwa einen Millimeter unterhalb des Gingivarands befindet. Dieser Bereich sollte möglichst genau mit dem Emergenzprofil des zuvor extrahierten Zahns übereinstimmen, um eine perfekte Ästhetik zu gewährleisten und Speiseimpaktionen zu vermeiden.

Nach etwa vier Monaten Einheilzeit erfolgte die Implantatfreilegung. Dafür wurde ein Mukoperiostlappen gebildet, die Verschlussschraube entfernt und der individuelle PEEK-Gingivaformer eingesetzt. Der Mukoperiostlappen wurde im Sinne der Rolllappentechnik zur Weichgewebsverdickung eingeschlagen und dicht um den Gingivaformer vernäht (Abb. 14, 15). Zwei Wochen später erfolgte mit einem auf der Basis des Gingivaformers erstellten individuellen Abformpfosten die Abformung mit einem offenen, individuellen Löffel. Dadurch gelang die exakte Übertragung des Emergenzprofils auf das Meistermodell (Abb. 16-18). Zwei Wochen später wurde die einteilige transkoronal verschraubte Zirkonoxidkrone (Optimill 3D – multilayer zirkon) eingebracht und der Schraubenkanal mit Teflonband und Komposit verschlossen (Abb. 19-21).

Fazit

Um eine perfekte Implantatkrone zu gestalten und damit eine langfristig stabile Versorgung zu erreichen, ist höchste Präzision in allen Teilbereichen gefragt. Im Mittelpunkt steht dabei die exakte Positionierung des Implantats mittels fullguided Bohrschablone auf Basis eines Backward Planning und das Verständnis biologischer Aspekte bei der späteren Ausformung des Emergenzprofils.

Autoren

Dr. med. dent. Fabian Meinke, M.Sc.

  • 2016 Staatsexamen Zahnmedizin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • 2015-2020 Promotion zum Dr. med. dent. an der CAU Kiel
  • 2018-2019 Postgraduales Studium zum Master of Science (M.Sc.) in „Implantology and Dental Surgery“ an der Universität Duisburg-Essen
  • 2017-2020 Zahnarzt in Kieler Zahnarztpraxis
  • Seit 2020 Zahnarzt bei Zaritzki Fine Dentistry, zahnärztlicher Leiter Standort Gendarmenmarkt/Leiter für die zahnärztliche Chirurgie und Implantologie
  • Seit 2021 Fortbildungsreferent auf implantologischen Fortbildungen mit Themen u. a. zur Sofortimplantation und Sofortversorgung im Frontzahnbereich oder des digitalen Workflows in der Implantologie

Dr. med. dent. Felix Zaritzki

  • 1994-1999 Studium der Zahnmedizin, Berlin
  • 1999 Staatsexamen Zahnmedizin & Approbation als Zahnarzt, Berlin
  • 1999-2008 Angest. Zahnarzt in Zahnarztpraxis, Berlin
  • 2002-2005 Promotion zum Dr. med. dent., Charité Berlin
  • 2014 Zertifizierung Invisalign Comprehensive, München
  • 2016 Zertifizierung in 3D-Diagnostik & DVT, Berlin
  • 2017 Zertifizierung DSD Digital Smile Design Residency, NYC University, New York City

mail@zaritzki.com

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