Der Erhalt des zirkulären Hart- und Weichgewebes ist trotz aller Fortschritte in der modernen dentalen Implantologie noch immer der ausschlaggebende Faktor für den Erfolg einer implantatprothetischen Rehabilitation. Die in Deutschland angebotenen Implantatsysteme unterscheiden sich, abgesehen von den aktuell hierfür verwendeten Werkstoffen Titan und Keramik, vor allem in ihrem Makro- und Mikrodesign sowie in ihrer Anschlussgeometrie. Der Erhalt der periimplantären Strukturen ist jedoch ein multikausaler Prozess, sodass sich der Langzeiterfolg einer implantatprothetischen Behandlung auch nicht an einem Kriterium festmachen lässt. Wie das Hart- und Weichgewebe auf das Einbringen solcher „dead bodies“ in „living bodies“ reagiert, hängt neben patientenbedingten Vorgaben von etlichen Parametern ab wie z.B. Insertionstiefe, Implantatabstand, funktioneller Positionierung, Knochenqualität und -quantität, periimplantärem Weichgewebe, Hygienefähigkeit und nicht zuletzt dem chirurgischen Vorgehen und dem Implantatdesign.

Hierbei verdient der Parameter Osseointegration unter technischen Aspekten besondere Beachtung. Bei den gängigen Markensystemen auf Titanbasis kann, unter Beachtung der oben genannten Parameter, aufgrund ihrer Oberflächenkompatibilität – ob ablativ oder additiv bearbeitete Oberfläche – von einer weitestgehend gesicherten Osseointegration ohne Fremdkörper- Reaktionen oder Korrosion ausgegangen werden. Dabei korrelieren der Grad der Osseointegration und die Langzeitstabilität maßgeblich mit der Qualität des Knochen-Implantat-Kontakts (BIC). Die Implantatoberfläche muss daher zwei gegensätzlichen Anforderungen standhalten: Einerseits wird durch eine raue Oberfläche die Knochen-Implantat-Kontaktfläche (BIC) vergrößert. Andererseits senkt die Strukturierung der aufgerauten Oberfläche die Ermüdungsfestigkeit des Dentalimplantats. Entscheidend ist daher ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beiden Kriterien. Mikroraue, säuregeätzte und passivierte Implantatoberflächen wie bei dem Aurea-Implantat (Phibo, Spanien) kommen diesen Anforderungen nach: Sie vergrößern die Knochen-Implantat-Kontaktfläche (BIC) und unterstützen die Ausbildung eines osteoblastischen Morphotyps, indem die der Morphologie des spongiösen Knochens ähnliche, offenporige Topographie die Migration der Präosteoblasten fördert, ohne dass die Ermüdungsfestigkeit des Implantats beeinträchtigt wird.

Periimplantärer Strukturerhalt

und das Implantatdesign

 

Der weitgehende periimplantäre Strukturerhalt gilt als ein entscheidendes Kriterium für eine erfolgreiche Implantattherapie [2,7]. Ein Abbau des Hartgewebes zieht eine Rezession des Weichgewebes nach sich. Insofern ist es wichtig, dass mit der Implantatschulter ein weitgehend knochenbündiger Abschluss erreicht wird, um eine vertikale Verlagerung der biologischen Breite und damit eine vertikale Knochenresorption zu vermeiden. Das AUREA-Implantat ist für eine isokrestale Positionierung der Implantatschulter ausgelegt und entsprechend designt (Abb. 2).

Drei Design-Merkmale sind hierfür mitbestimmend: die Microthreads am Implantathals, eine nach außen abgeschrägte Implantatschulter und das Platform Switching. Dass sich mit Microthreads am Implantathals ein möglicher Knochenrückgang minimieren oder vermeiden lässt, legen die Ergebnisse verschiedener Studien und Untersuchungen nahe [4,6]. Während durch das Mikrogewinde die Knochen-Kontaktfläche nochmals vergrößert und damit eine erhöhte Knochenbedeckungsrate im krestalen Knochen erreicht wird, ermöglicht die abgeschrägte Implantatschulter eine Knochenrand-Entlastung. Beides fördert wiederum ein stabiles Knochenremodeling und eine Erhöhung der Sekundärstabilität während der Einheilzeit. Nach der Versorgung wiederum wird dadurch einer unphysiologischen Überbeanspruchung (Overloading) des Implantates vorgebeugt. Durch das Platform Switching wird der Mikrospalt von dem marginalen Knochenniveau weg nach innen verlagert und der Knochenumbau während der Ausbildung der biologischen Breite minimiert. Im Zuge der späteren Versorgung ermöglicht es zusammen mit einer konischen Aufbauverbindung zudem eine Umverteilung der Kaubelastung vom kortikalen Bereich hin in die Mitte der Implantatachse.

Einen wesentlichen Einfluss auf den periimplantären Strukturerhalt hat noch ein weiteres Design-Merkmal: eine innen liegende Deckschraube. Somit können die Vorzüge der angesprochenen Design-Merkmale bei einem zweizeitigen Vorgehen voll genutzt werden und die Chancen auf ein stabiles Knochenremodeling steigen. Der Behandler kann alternativ, wenn die Voraussetzungen in Form entsprechender Primärstabilität und Hartgewebestruktur gegeben sind, auch einzeitig vorgehen und das Implantat provisorisch auf einem definitiven Abutment versorgen. Somit wird das Weichgewebe im Verlauf der weiteren Therapie nicht mehr irritiert.

Schlussbetrachtung

Aufgrund der bisherigen, von den Verfassern gemachten Erfahrungen mit dem Aurea-Implantat lassen dessen Makro- und Mikrodesign – mikroraue Oberfläche und Microthreads bis an die Implantatschulter sowie innen liegende Deckschraube – einen periimplantären Strukturerhalt erwarten. Der Erhalt des periimplantären Hartgewebes und damit die Stabilität des Weichgewebes ist jedoch ein multikausaler Prozess, der sich nicht ausschließlich an nur wenigen Parametern festmachen läßt.

Weitere Faktoren müssen dafür positiv ineinandergreifen: Patienten- und implantatspezifische Faktoren, chirurgisches Trauma, Implantatposition, Insertionstiefe, Lage des Mikrospaltes bei zweiteiligen Implantaten, Augmentation und der Heilungsverlauf. Werden diese Parameter jedoch “state of the art“ berücksichtigt, kann dem Patienten das Behandlungsergebnis seriös vorhergesagt werden.

Autoren

Dr. Jörg Munack, M.Sc.

Dr. Jörg Munack, M.Sc.

  • Master of Science in Oral Implantology (DGI) 2009/10
  • Geprüfter Experte der Implantologie DGOI und Diplomate ICOI
  • Spezialist Implantologie DGZI, EDA und BDIZ EDI und Seniorenzahnmedizin der DGAZ

info@zmtaa.de

www.zmtaa.de

Dr. Jens Becker, M.Sc.

Dr. Jens Becker, M.Sc.

  • Master of Science in Oral Implanto- logy (DGI) 2009/10
  • Curriculum Implantologie der DGI 2005/6

info@zmtaa.de

www.zmtaa.de

Gesamten Artikel herunterladen.

DOWNLOAD PDF