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Im digitalen Turbo

Vom Scan zur festsitzenden provisorischen Versorgung an nur einem Tag

Die digitale Implantologie entwickelt sich rasant weiter – besonders bei Full-Arch-Versorgungen [1-35]. Mit den Weiterentwicklungen nach 2024 wird das hohe Tempo der Digitalisierung in der Implantologie verdeutlicht. Durch neue Scan- und Matching-Technologien wie FastMap/Photogrammetrie wird eine präzise, provisorische Sofortversorgung planbar und effizient umsetzbar. Der folgende Patientenfall zeigt einen durchgängigen, volldigitalen Workflow innerhalb eines Systems.

Die 60-jährige Patientin mit unauffälliger allgemeiner Anamnese war mit einer Brücke auf Oberkiefer-Pfeilerzähnen versorgt, welche nicht erhaltungswürdig waren (Abb. 1, 2). Die Zähne 15, 13, 24 und 25 waren kariös zerstört, 16 verfügte über eine insuffiziente Wurzelfüllung und 11-22 waren unter der Krone kariös (Abb. 3). Die Neuversorgung des Oberkiefers war notwendig. Vorrangig wurde seitens der Patientin im zahnärztlichen Aufklärungsgespräch der Fokus auf feste und natürlich wirkende Zähne gelegt.

Digitale systematische Planung

Nach einem DVT, Fotos der Ausgangssituation und Intraoralscans beider Kiefer waren die notwendigen Datensätze für das Design der provisorischen Versorgung direkt nach dem Eingriff vorhanden (Abb. 4, 5). Zur zusätzlichen Orientierung wurde ein Tracer (damals noch) am Palatinum inseriert (Abb. 6). Das Matching der Datensätze aus DVT und Intraoral-Pre-Scan erfolgte via SmartFusion (KI). Mit den gleichen Datensätzen wurde im Vorfeld das Langzeitprovisorium (LZP) designt: Nachdem die Daten im Labor in exocad eingespielt worden waren, wurde ein virtuelles Wax up von 15-25 angefertigt (Abb. 13, 14). Nach digitaler Radierung der Zähne wurden die Erkenntnisse aus Smile-View eingearbeitet.

Separat wurden die Implantate regio 15, 13, 11, 22, 25 via DTX Implant (Nobel Biocare) inklusive eines extra Datensatzes für die EDX-Schrauben digital geplant (Abb. 9-12). Dort erfolgte auch die Auswahl der passenden Multi-Unit-Abutments (Abb. 8) aus der Galerie. Die präprothetischen STL-Daten aus exocad (Situation, Setup, Gegenkiefer, Langzeitprovisorium) wurden dann in X-Guide importiert und dort gemeinsam mit der DVT-basierten DTX Implantatplanung genutzt. In der Übersicht sind alle relevanten STL-Importdateien in X-Guide für eine erfolgreiche (Abb. 10) direkte Implantatversorgung angeordnet. Zusammenfassend waren nun folgende Datensätze als STL aus demselben Koordinatensystem für das LZP, das Modell inkl. Wax up, der Gegenkiefer und die Ausgangssituation des Oberkiefers (DVT Match) im X-Guide System vorhanden (Abb. 13-15).

Dynamisch navigierte Implantation

Nach dem Import der DTX-Planung (für Implantat-/ EDX-Positionen), der STL-Datensätze aus exocad und Matching mit den DVT-Daten über IconiX-AI zur Verbesserung des Navigationsworkflows (KI-gestützte Darstellung) kann es losgehen. Als erstes wurde das X-Guide-System mittels Clip & Tracker – befestigt auf den Zähnen 12-14 – kalibriert. Dann erfolgte das XMark-Protokoll. Es ermöglichte die Zuordnung des DVT im Raum anhand gematchtem IO-Scan (keine Streustrahlen), navigierte EDX-Schrauben-Positionierung, Umpositionierung des Trackers auf den EDX-Schrauben, Übergang zur zahnlosen Situation wegen der geplanten Reihenextraktion und ein erneutes XMark-Protokoll mit Tracker auf den EDX (Abb. 16-19, 24). Nach Entfernung der Kronen und Extraktion wurden die Implantate geführt über X-Point mit > 35 Ncm Primärstabilität inseriert (Abb. 21-23) und röntgenologisch kontrolliert (Abb. 25).

Die MUA der Implantate regio 15, 13, 25 hatten 30°, die der Implantate regio 11, 22 hatten 17°. Nach der navigierten Implantation wurde die tatsächliche Implantatposition über IPS FastMap (Photogrammetrie/Implantatscan) (Nobel Biocare) trackerbasiert im gleichen Koordinatensystem erfasst (Abb. 26-28) und aus X-Guide in exocad exportiert (Abb. 29-33) – inklusive der eindeutigen räumlichen Zuordnung zu den Implantatpositionen.

Provisorische Rehabilitation

Nach einem zusätzlichen IO-Scan der WhiteCaps und der Gingiva zur Aktualisierung der postoperativen Gingivasituation nach Reihenextraktion – dies ist dabei der einzige Datensatz, der nicht in diesem trackerbasierten Raumbezug entsteht – konnten alle vorhandenen Koordinaten zu einem Best Fit Match (Gingiva-Scan an die vorhandenen White Cap-Referenzen) zusammengeführt und in exocad bearbeitet werden. Es erfolgte die Herstellung des LZP aus dem digitalen Abformungsscan (FastMap) im 3D-Druck mit SprintRay mit OnXTough2 (Abb. 34, 35).

Das LZP wurde abschließend mit DESS-Schrauben bei 15 Ncm Drehmoment ein bis zwei Stunden postoperativ eingegliedert (Abb. 36, 37). Nach einem OPG zur Kontrolle des Sitzes des LZP wurde die Patientin mit Anleitungen zur geeigneten Mundhygiene entlassen. Vier Wochen postoperativ zeigten sich eine reizlose Gingiva, gesunde Wundverhältnisse und eine glückliche Patientin (Abb. 39, 40).

Fazit

Als logische Fortsetzung des „60-Minuten-Konzepts“ werden Full-Arch-Versorgungen zunehmend durch digitale Ketten möglich: von der präoperativen Planung über navigierte Implantation bis zur provisorischen Rehabilitation am selben Tag – gestützt durch FastMap Photogrammetrie und integrierte Datenflüsse innerhalb einer Komplettlösung. Der besondere Mehrwert dieses volldigitalen Workflows liegt im durchgängigen Raumbezug aller Informationen – und der beginnt bereits beim DVT: Der dreidimensionale DVT-Datensatz wird per KI-gestütztem Modellabgleich (SmartFusion) präzise mit dem Intraoralscan zusammengeführt. So entsteht ein verlässliches 3D-Gesamtmodell, in dem Diagnostik, Planung und Umsetzung konsistent aufeinander aufbauen. Dadurch nimmt der digitale Anteil spürbar zu – für Behandler und Zahntechnik gleichermaßen. Der Zahntechniker wird maximal entlastet, weil die wesentlichen Informationen bereits eindeutig zugeordnet vorliegen und nur der Weichgewebescan als ergänzende Information „Best-fit“ integriert wird. Gleichzeitig wird der Chairside-Prozess postoperativ deutlich verkürzt: weniger manuelle Zwischenschritte, weniger Korrekturschleifen und eine schnellere, sichere Eingliederung des Provisoriums bei hoher Präzision und Prozesssicherheit machen das digitale navigierte Operieren zu einem erfolgreichem Fortschritt für alle.

Dr. med. dent. Markus Spörl

  • 2008 Promotion zum Dr. med. dent.
  • Experte & Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie (DGI)
  • Trainer für All-on-4
  • Internationale Referententätigkeit
  • Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie (Haranni Akademie)
  • 2024 Gründung ILC (Implant Learning Center)

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