Effizienz, Chancen und Möglichkeiten der Sofortimplantation und -belastung
Die Rehabilitation ist eine interdisziplinäre Aufgabe, welche die Zusammenarbeit von (Zahn-)Ärzten, Zahntechnikern, Patienten und anderen Spezialisten erfordert. Ziel ist eine effiziente Wiederherstellung und das langfristige Erhalten von Funktion, Ästhetik und Lebensqualität. Sofortimplantate, die auf vier Zähnen verankert sind und sofort belastet werden, stellen aufgrund der wissenschaftlichen Evidenz bei geeigneter Indikationsstellung für Patienten eine schnell umsetzbare und mit wenig Sitzungen in der Praxis verbundene, sichere prothetische Lösung dar. Im vorliegenden Fall hatte die Patientin viele Zähne verloren (Abb. 1-3).
Es galt, die Patientin aufzufangen und nach Aufklärung über die aktuelle Situation und Beratung ihre Wünsche nach Wiedererlangung von Ästhetik und Funktion ihrer Zähne umzusetzen. Sie wünschte eine schnelle Sanierung möglichst ohne sichtbare ‚zahnlose‘ Übergangszeiten. Die Oberkieferzähne waren nicht erhaltungswürdig und mussten extrahiert werden (Abb. 4). Das Prinzip einer Verankerung mit einer implantatgetragenen Brückenrekonstruktion auf vier Zähnen bot bei dem vorliegenden Fehlen von Stützzonen und der insuffizienten Restbezahnung im Oberkiefer eine gute und schnelle Versorgungsmöglichkeit. Beim Implantatsystem fiel die Wahl auf das SPI Element von Thommen Medical. Das Implantat ist zylindrisch parallelwandig und unterstützt mit seiner Implantatoberfläche Inicell eine schnelle Osseointegration. Konkret wurde geplant, dass vier Implantate nach Extraktionen der Zähne sofort implantiert werden. Mithilfe von Variomulti-Abutments und Provisoriumskappen sollte die Patientin nach Implantatinsertion direkt versorgt die Praxis verlassen können.
Eine 3D-Röntgenaufnahme wurde angefertigt, Abformungen und Bissnahme genommen und Fotos gemacht. Letztere wurden analysiert, um die optimale Rot-Weiss-Ästhetik bei der Patientin zu bestimmen. Nach Radierung der Restbezahnung im Oberkiefer wurde eine Immediatprothese hergestellt. Vor Implantation wurden die Zähne schonend und ohne traumatische Verletzung der Weichgewebs- oder Knochenstrukturen gezogen (Abb. 5, 6). Die Alveolen wurden auskürettiert. Die Schnittführung orientierte sich leicht nach palatinal versetzt (Abb. 7).
Nach Lappenbildung und -mobilisation zeigte sich eine starke Knochenresorption in den zahnlosen Bereichen und dünne Knochenstrukturen im koronalen Anteil der Alveolen (Abb. 8). Bei den Alveolen wurde die Knochenhöhe reduziert (Abb. 9), eine Orientierung erfolgte über die ermittelte Lachlinie. Sukzessive wurden vier Implantate regio 14 SPI Element MCI Inicell (Thommen Medical Ø 4.0/L: 11 mm), 12 (Thommen Medical Ø 3.5/L: 11 mm), 22, 24 (je Ø 4.0/L: 11 mm) inseriert (Abb. 10-13). Nachdem die Positionierung mittels Schablone überprüft worden war, wurden die passenden Variomultis (Thommen Medical) mit Angulierung von 0/17/30 Grad ausgesucht und via Drehmomentratsche mit 15-25 Ncm aufgeschraubt (Abb. 15).
Anschließend wurde die vorab im Labor hergestellte Prothese palatinal mit Silikon beschickt, aufgesetzt und eine Bissnahme zur Kieferrelationsbestimmung genommen (Abb. 16, 17). Als dann wurde die Prothese palatinal ausgeschliffen und die Randgestaltung bis auf Höhe der geplanten festsitzenden Brückenkonstruktion reduziert (Abb. 18). Drei Stunden nach der OP wurde sie mit den eingearbeiteten Kappen eingesetzt. Im Unterkiefer waren ebenfalls SPI Element Implantate regio 43, 46, 34, 37 inseriert worden. Im Labor erfolgte anhand der Informationen zur Kieferrelation, Lage der Implantate und Gegenkieferbezahnung das digitale Design der defifinitiven Versorgung (Abb. 19, 20).
Je nach Position und Ausrichtung des Implantats wurde die Achse des Schraubkanals verändert und optimiert, sodass eine okklusale oder orale Verschraubung erreicht wurde (Abb. 21). Die Verbindung zum Brückengerüst sollte durch eine Titanbasis erfolgen (Abb. 22, 23). Die Brückenrekonstruktion aus Zirkonoxid wurde gefräst (Abb. 24), labial reduziert und ästhetisch mit Keramik inklusive der Gingiva individualisiert (Abb. 25-29). Nach Fertigstellen der Brücke wurde der Titansteg zementiert (Abb. 30). Ergebnis ist eine dem Gesicht der Patientin angepasste, natürliche Zahnreihengestaltung (Abb. 31-33). Im Unterkiefer wurden im Seitenzahnbereich nach vier Monaten Einheilzeit die implantatgetragenen Zirkonoxidbrücken eingesetzt (Abb. 34). Nach fünf Monaten wurde die definitive Brückenrekonstruktion aus Zirkonoxid im Oberkiefer eingesetzt (Abb. 35-37). Die Patientin fühlte sich wohl, attraktiv und gesellschaftlich vollkommen rehabilitiert.
Autoren

Dr. med. dent. Roberto Sleiter
- 1989-1994 Zahnmedizinisches Studium Università
- Cattolica Roma
- Promotion
- 1995-1996 Assistent in der Abteilung für Totalprothetik und Kaufunktionsstörungen, Uni Zürich
- 1997-2001 Assistenzzeiten: Abt. für Oralchirurgie an der Uni Bern
- 2001-2003 Assistent der Privatpraxis für Oralchirurgie und Kiefer-Gesichtschirurgie Dr. Roux, Dr. Tschumper (Bern)
- 2002 Fachzahnarzt für Oralchirurgie
- 2009-2022 Ext. Oberarzt in der Abteilung für Oralchirurgie, Uni Bern
- Seit 2003 Privatpraxis in Egerkingen

ZT Vittorio Procopio
- 2002 Diplom als Zahntechniker mit staatlicher Berufszulassung
- 10-jährige Berufserfahrung in Italien
- Seit 2015 Laborleitung des zahntechnischen Labors Montana AG in Egerkingen (CH)
- Spezialisierung in den Bereichen CAD-Design, Total- und Hybridprothetik sowie Keramik
- 10-jährige Erfahrung mit dem All-on-4-System
praxis@dentalspecialist.ch
praxis-sleiter@sso-hin.ch
www.dentalspecialist.ch





































