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Intraoperativer Scan zur Herstellung individueller Gingivaformer

Nach wiederholtem Dezementieren der Krone und des Pfeilerzahns 37 und der Verdachtsdiagnose „elastische Deformation der Mandibel“ wurde die Versorgung zweier Schaltlücken mit Implantaten geplant. Eine DVT-basierte Implantatplanung sowie ein intraoperativer Intraoralscan der Implantatposition mit Titanscanbodies für die Herstellung individueller Gingivaformer zum Freilegungstermin und die Anwendung des OT-F2 Implantatsystems mit Nanoplast Oberfläche und krestalem Mikrogewinde kommen zum Einsatz. Die speziell geformten Schnittkerben setzen den Eindrehwiderstand herab, ohne die hohe Primärstabilität zu beeinflussen.

Es stellte sich eine 52-jährige Patientin mit Verdacht auf Dezementierung der Pfeilerkrone 37 an einer vollkeramischen Brücke von 33-35-37 vor (Abb. 1, 2). Die klinische und röntgenologische Inspektion bestätigte den Verdacht. Anamnestisch kam es bereits zum 3. Mal zu diesem Ereignis, wobei durch verschiedene Vorbehandler jeweils neue Brücken eingegliedert wurden. Unter dem Verdacht auf eine starke Ausprägung der elastischen Deformation der Mandibel fiel als Therapieansatz die Entscheidung auf die Insertion von zwei Einzelzahnimplantaten regio 35 und 37 mit Erneuerung der Einzelkronen der Pfeilerzähne, um auf Verblockungen gänzlich verzichten zu können. 

Regio 34, die schon viel länger zahnlos war als regio 36, stellt sich im DVT mit stärkerer vestibulärer Resorption, nach lingual-krestral spitz zulaufendem Kieferkamm mit jedoch weiter kaudal ausreichender oro-vestibulärer Dimension dar (Abb. 4-6). Der spitze, gut für das Ankörnen geeignete Pilotbohrer des OT-FÇ Systems erweist sich gerade hier von Vorteil (Abb. 13). So ist es möglich, ohne osteotomierendes Planieren im spitz zulaufenden Bereich einfach an der geplanten Stelle die Kortikalis zu durchdringen. Die neue Auslegung eines selbstschneidenden Kompressionsgewindes, bei welchem speziell geformte Schnittkerben den Eindrehwiderstand des Implantates herabsetzen, ohne die hohe Primärstabilität zu beeinflussen, ist in dieser Region ebenso von Vorteil. 

In der Planungsphase wurde neben einem DVT auch ein Intraoralscan (Abb. 3) der schon vorhandenen prothetischen Versorgung durchgeführt. Die Zahnform der vorhandenen Brückenrestauration wird im Sinne eines Backward Planning nach digitaler Optimierung zur Planung der Form der endgültigen Restauration genutzt. Zur Erzielung eines optimalen gingivalen Emergenzprofiles werden damit, basierend auf den Daten des intraoperativen, unmittelbar nach Implantatinsertion mit Scanbodies durchgeführten Intraoralscans, laborseitig individuelle Gingivaformer für die spätere Freilegungssitzung hergestellt. Dabei entspricht die Kontur des individuellen Gingivaformers dem Querschnitt der späteren Krone auf Höhe der Gingiva. So kann das Weichgewebe nach der Freilegung optimal ausgeformt und gestützt werden. 

Präoperativ in gleicher Sitzung wurden die Brückenglieder 34 und 36 herausgetrennt und die Trennstellen geglättet. Die tatsächlich dezementierte Krone 37 offenbarte eine parallel wandige Präparationsform mit ausreichender Stumpfhöhe ohne Vorliegen einer Sekundärkaries. Nach Sandstrahlen der Krone und Reinigen des Stumpfes wurde die Krone 37 wieder mit definitivem Zement temporär befestigt (Abb. 7). 

Intraoperativ wurde mit getrennten Schnittführungen regio 36 und 34 der Kieferkamm dargestellt (Abb. 9-11). In regio 34 erfolgte eine großflächigere Mobilisierung des Mukoperiostlappens aufgrund der durch bukkale Resorption nach krestral spitz zulaufenden Kieferkammsituation für eine bessere intraoperative Übersicht (Abb. 12). 

Durch die scharfkantige Spitze des Pilotbohrers fällt das Eindringen in die Kortikalis an der geplanten Stelle leicht, es musste kein durch Osteotomie erzeugtes Plateau angelegt werden (Abb. 13). Nach vollständiger Aufbereitung des Implantatbettes wurde durch Austasten mit der Knopfsonde das Vorliegen einer durchgehenden knöchernen Begrenzung verifiziert, bevor das Implantat eingebracht wurde (Abb. 8, 14-23). Dies geschah mit dem im Implantatblister gelieferten Entnahmewerkzeug, welches auch gleichzeitig zur Insertion dient (Abb. 24-28). Das selbstschneidende Kompressionsgewinde-Design unterstützt bei einer einfachen, aber primärstabilen Insertion. Das krestale Mikrogewinde kann zum Erhalt des krestralen Knochens beitragen. 

Nach dem Anfertigen des Scanbody-Scans wurden die Implantate mit den chirurgischen Verschlussschrauben versehen und die Schleimhaut mittels Matratzennähten speicheldicht verschlossen (Abb. 29-32). Es war eine dreimonatige Osseointegrationsphase bis zum Freilegungstermin geplant. 

Implantatprothetische Suprakonstruktion

Die Kontur des durch die individuellen Gingivaformer ausgeformten Gewebes wurde beim Intraoralscan als Gingivaaufnahme zusätzlich zur Scanbodyaufnahme ins digitale Modell übertragen. Für die Implantatversorgung wurde ein okklusal verschraubtes Suprakonstruktionsdesign angestrebt. Die Anfertigung der beiden implantatgetragenen Einzelkronen sowie der drei zahngetragenen Einzelkronen aus Zirkonoxidkeramik erfolgte in einer weiteren Sitzung.

Dr. med. dent. Arndt Christian Höhne

  • 1997-2002 Studium der Zahnmedizin und Staats­examen, Johannes-Gutenberg Universität Mainz
  • 2005 Gründung der Gemeinschaftspraxis Dr. Höhne & Dr. Bernard, Neunkirchen, Anwendung von Mini Dental Implants
  • 2009 Tätigkeitsschwerpunkt Zahnärztl. Prothetik (APW/DGZMK)
  • 2011 Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie (LZK Rheinland-Pfalz), Anerkennung (DGI)
  • Seit 2012 Niederlassung mit Zweitpraxis in Luxemburg
  • 2015 Übernahme der Praxis und Weiterführung als Einzelpraxis in Neunkirchen
  • Seit 2017 Internationale Referententätigkeit für Mini Dental Implants (Imtech, 3mEspe, Condent)

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