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Präzisionsnavigierte Sofortimplantation mit transgingivaler Einheilung

Der folgende Fallbericht beschreibt die Sofortimplantation im Unterkieferseitenzahnbereich mit transgingivaler Einheilung und frühzeitiger definitiver Versorgung. Ziel der Behandlung war es, einen frakturierten Unterkieferseitenzahn funktionell zu rehabilitieren und der Patientin innerhalb eines kurzen Zeitraums den Ersatz des fehlenden Zahns zu ermöglichen. Zum Einsatz kamen das Straumann BLX Roxolid SLActive Implantat sowie moderne digitale Planungs- und Navigationsverfahren, die eine präzise Implantatpositionierung mittels full-guided Bohrschablone auf Basis des Straumann iGuide Systems erlaubten.

Ausgangssituation

Die Patientin stellte sich Mitte Oktober mit einer Fraktur des Zahns 35 in unserer Praxis vor (Abb. 1, 2). Der allgemeine Gesundheitszustand war unauffällig. Sie wies keine relevanten Vorerkrankungen auf, nahm keine Medikamente ein und war Nichtraucherin. Der Zahn erwies sich als nicht erhaltungswürdig (Abb. 3). Nach ausführlicher Aufklärung über verschiedene Therapieoptionen entschied sich die Patientin für eine Extraktion mit anschließender Sofortimplantation. Zentrales Behandlungsziel war, die Patientin innerhalb von acht Wochen mit einer festsitzenden definitiven Versorgung zu rehabilitieren.

Behandlungsplanung

Die Behandlungsplanung erfolgte auf Basis eines digitalen Intraoralscans sowie einer DVT-Aufnahme. Die Datensätze wurden in der Planungssoftware coDiagnostix fusioniert und die ideale Implantatposition unter Berücksichtigung anatomischer und prothetischer Parameter festgelegt (Abb. 4). Anschließend wurde eine full-guided Bohrschablone konstruiert, abgestimmt auf das Straumann iGuide Bohrsystem.

Chirurgisches Vorgehen

Nach Lokalanästhesie wurde der Wurzelrest des Zahns 35 mit dem Benex-Extraktionssystem möglichst schonend extrahiert (Abb. 5, 6). Vor allem der Erhalt der bukkalen Knochenwand ist hier besonders wichtig für eine suffiziente Osseointegration des Implantats. Die Implantatbettaufbereitung erfolgte navigiert durch die zuvor hergestellte full-guided Bohrschablone gemäß Bohrprotokoll (Abb. 7). Anschließend wurde das Straumann BLX Implantat in der Größe 4,5 x 12 mm inseriert (Abb. 9,10) und der periimplantäre Spaltraum mittels cerabone plus in der Korngröße 0,5–1 mm stabilisiert (Abb. 8). Die mit Hyaluronsäure vernetzten Granula reduzieren hierbei das Risiko einer postoperativen Dislokation über den Sulkus. Im Anschluss wurde das AHA-Abutment eingesetzt und handfest fixiert (Abb. 11, 12). Die Einheilung erfolgte bewusst transgingival, ohne primären Wundverschluss. Unmittelbar postoperativ erfolgten ein Kontrollröntgen (Abb. 13) sowie ein Intraoralscan als Datengrundlage für die definitive Versorgung.

Prothetisches Vorgehen

Auf Basis des postoperativen Intraoralscans wurde im zahntechnischen Labor die definitive transkoronal verschraubte Vollkeramikkrone aus Zirkonoxid gefertigt. Die subgingivalen Bereiche wurden lediglich poliert, um eine optimale periimplantäre Weichgewebsanlagerung zu unterstützen (Abb. 15). Die supragingivalen Anteile wurden verblendet und individuell charakterisiert. Der Schraubenkanal wurde verkleinert, um die ästhetische Integration zu optimieren (Abb. 14). Das Emergenzprofil der definitiven Krone entsprach exakt der Form des eingesetzten Abutments und ermöglichte so ein konsistentes und reproduzierbares Emergenzprofil, ohne eine zusätzliche Weichgewebekonditionierung erforderlich zu machen (Abb. 16). Acht Wochen nach der Implantation wurde vor dem Einschrauben der Krone die Implantatstabilität mittels Resonanzfrequenzanalyse (RFA) überprüft (Abb. 17). Die gemessenen ISQ-Werte von 76 und 77 bestätigten eine stabile Osseointegration und erlaubten die definitive prothetische Belastung (Abb. 18-19). Das abschließende Röntgenbild zeigte ein regelgerecht osseointegriertes Implantat (Abb. 20).

Diskussion

Die hier angewandte Therapie kombiniert mehrere Konzepte der modernen Implantologie mit dem Ziel, Behandlungsdauer, chirurgische Invasivität und prothetischen Aufwand zu reduzieren, ohne die sichere Osseointegration zu kompromittieren. Ein zentrales Element ist die verkürzte Einheilzeit. Zahlreiche experimentelle und klinische Studien zeigen, dass hydrophile Implantatoberflächen eine beschleunigte frühe Knochenanlagerung aufweisen. Dies äußert sich in einer schnelleren Osseointegration, höheren Knochen-Implantat-Kontaktraten (BIC) sowie einer erhöhten sekundären Stabilität in frühen Heilungsphasen [1–4]. Zudem erfordert dieser Workflow deutlich weniger klinische Schritte. Klassische Konzepte beinhalten in der Regel eine subgingivale Einheilung, eine chirurgische Freilegung, anschließende Abformung bzw. einen Scantermin sowie die definitive prothetische Versorgung. Jeder dieser Schritte ist mit zusätzlicher Behandlungszeit, potenzieller Weichgewebetraumatisierung und einem erhöhten Risiko für Komplikationen verbunden. Digitale, transgingivale Protokolle mit sofortiger oder frühzeitiger Abformung ermöglichen demgegenüber eine deutliche Vereinfachung des Workflows und reduzieren sowohl die chairside time als auch die Gesamtzahl der Patiententermine.

Mehrere systematische Übersichtsarbeiten und klinische Studien konnten zeigen, dass bei gesunden Nichtrauchern keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Implantatüberlebensrate, marginalem Knochenverlust oder Osseointegration zwischen transgingivaler und geschlossener Einheilung bestehen [5-7]. Gleichzeitig bietet sie klare Vorteile: Vermeidung eines Zweiteingriffs, Reduzierung postoperativer Beschwerden und eine frühzeitige Weichgewebestabilisierung. Die Qualität der periimplantären Weichgewebe wird zunehmend als entscheidender Faktor für den Langzeiterfolg betrachtet. Neben der chirurgischen Technik spielen Design und Material der transmukosalen Komponenten eine zentrale Rolle. Konventionell konfektionierte Gingivaformer weisen häufig ein zylindrisches oder wenig anatomisches Design auf, das dem natürlichen Emergenzprofil nur unzureichend entspricht. Dies kann zu einem Kollaps oder einer unkontrollierten Formung des Weichgewebes führen und erfordert oft eine nachträgliche Konditionierung durch provisorische Versorgungen oder Weichgewebsaugmentate. Das eingesetzte anatomische Healing Abutment (AHA) unterstützt durch sein anatomisch vorgeformtes, zahnähnliches Emergenzprofil die periimplantären Weichgewebe bereits während der Einheilphase dreidimensional. Studien zeigen, dass eine konsistente Weichgewebestützung zu stabileren mukosalen Verhältnissen und einer verbesserten Gewebeadaptation führen kann [8]. Ein zusätzlicher Vorteil des AHA besteht in der integrierten Scanfläche, die eine direkte digitale Abformung ohne Entfernen der Komponente erlaubt. Dadurch wird ein wiederholtes Lösen und Reponieren transmukosaler Aufbauten vermieden, was nachweislich mit einer Störung der epithelialen und bindegewebigen Anlagerung assoziiert sein kann [9,10].

Schlussfolgerung

Der vorliegende Fall zeigt, dass durch die Kombination aus digitaler Planung, full-guided Implantation, BLX SLActive Implantattechnologie und transgingivaler Einheilung mit einem AHA-Abutment eine hochpräzise, effiziente und patientenfreundliche Versorgung realisiert werden kann. Die deutliche Reduktion der Behandlungszeit, der Verzicht auf zusätzliche chirurgische Schritte sowie das konsistente Emergenzprofil führen zu hoher Vorhersagbarkeit und exzellentem klinischem Ergebnis. Dieses Versorgungskonzept stellt eine zeitgemäße Alternative zu klassischen Implantatprotokollen dar, trägt wesentlich zur Steigerung des Patientenkomforts bei und optimiert gleichzeitig die Effizienz des Behandlers).

Autoren

Dr. med. dent. Fabian Meinke, M.Sc.

  • 2000-2005 Studium der Zahnmedizin an der Universität Regensburg
  • 2006-2008 Assistenzzeit
  • 2008-2011 Weiterbildungsassistent „Oralchirurgie“/
  • Privatassistent bei Prof. Dr. Dr. Dr. Helmut H. Lindorf in Nürnberg; Praxis für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie
  • 2011 Fachzahnarzt Oralchirurgie
  • 2012-2013 Praxis für Oralchirurgie Amberg, Dr.
  • Roman Krammer & Kollegen
  • Seit Dezember 2013 niedergelassen in eigener
  • Praxis in Regenstauf
  • Tätigkeitsschwerpunkte: Implantologie, Parodontologie
  • Schwerpunkte: Implantatchirurgie, Sofortbelastung

Dr. med. dent. Felix Zaritzki

  • 1994-1999 Studium der Zahnmedizin, Berlin
  • 1999 Staatsexamen Zahnmedizin & Approbation als Zahnarzt, Berlin
  • 1999-2008 Angest. Zahnarzt in Zahnarztpraxis, Berlin
  • 2002-2005 Promotion zum Dr. med. dent., Charité Berlin
  • 2014 Zertifizierung Invisalign Comprehensive, München
  • 2016 Zertifizierung in 3D-Diagnostik & DVT, Berlin
  • 2017 Zertifizierung DSD Digital Smile Design Residency, NYC University, New York City

mail@zaritzki.com
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