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Aplasie der lateralen Oberkiefer-Inzisivi

Mit einer Prävalenz von 0,8-2 Prozent ist die Aplasie der oberen seitlichen Schneidezähne eine der häufigsten Formen dentaler Nichtanlagen. Dabei kann das Fehlen dieser Zähne sowohl symmetrisch als auch asymmetrisch vorliegen. Bei fehlenden seitlichen Schneidezähnen stellt sich im Rahmen der Therapieplanung die grundsätzliche Frage nach der Art der langfristigen Versorgung.

Dr. med. dent. Florian Göttfert, Dr. med. dent. Dominik Sporrer5 Min. Lesezeit
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Implantologische Versorgung bei 2er- Aplasie mit KFO-Vorbehandlung

Mit einer Prävalenz von 0,8-2 Prozent ist die Aplasie der oberen seitlichen Schneidezähne eine der häufigsten Formen dentaler Nichtanlagen. Dabei kann das Fehlen dieser Zähne sowohl symmetrisch als auch asymmetrisch vorliegen. Bei fehlenden seitlichen Schneidezähnen stellt sich im Rahmen der Therapieplanung die grundsätzliche Frage nach der Art der langfristigen Versorgung.

Eine Option besteht darin, die durch eine Aplasie der Zweier entstandene Lücke mit einer prothetischen Versorgung mittels eines dentalen Implantats bzw. einer Brückenversorgung via konventioneller oder Maryland-Brücke anzustreben. Aber auch ein kieferorthopädischer Lückenschluss oder eine konservative Versorgung mit Kompositen stellen mögliche Versorgungsoptionen dar. Ebenfalls sind Patientenfälle dokumentiert, bei denen Nichtanlagen von Zähnen mittels Zahntransplantationen kompensiert werden konnten.

Patientenbezogene Vorgaben und Wünsche, die verschiedenen Faktoren und ihr Einfluss auf das Ergebnis sind im Patientengespräch zu erörtern. Dazu gehört, dass das Knochenangebot einerseits die Weichgewebskonturen des gesamten Bereichs bestimmt, aber auch die Möglichkeiten einer Platzierung des Implantats mit ausreichendem Abstand nach lateral definiert. Auch der Zahnfleischverlauf ist zu berücksichtigen, er hat Einfluss auf den ästhetischen Outcome. Bei der Versorgung von Aplasien der seitlichen Oberkieferfrontzähne ist zusätzlich die Höhe der Lachlinie ästhetisch zu berücksichtigen. Bei einer hohen Lachlinie stellen das vorhandene Knochenangebot und die Qualität der Gingiva eine entscheidende Rolle. Zusätzlich ist in der Vorbereitung der Implantation die Klassifikation des Gingiva-Phänotyps zu beachten, Implantat und Abutment können bei dünnem Phänotyp durch das Gewebe schimmern und stören die rot-weiße Ästhetik.

Patientenfall

Die 30-jährige Patientin stellte sich zwecks Versorgung der fehlenden seitlichen Oberkieferinzisiven im Februar 2022 erstmalig in unserer Praxis vor (Abb. 1, 2). Die aktuelle Versorgung mittels Klammerprothese war weder funktionell noch ästhetisch zufriedenstellend für die Patientin. Im Ausgangsbefund zeigte sich ein konservierend versorgtes Gebiss. Die Bestimmung des Grads der Parodontitis ergab Stadium II mit Taschentiefen von 4 mm an vereinzelten Zähnen, moderatem horizontalem Knochenabbau und dem Fehlen der beiden seitlichen oberen Inzisiven. Im OPG zeigte sich eine ausgeprägte Distoangulation der Wurzel des 21 (Abb. 1), die eine Implantation zu diesem Zeitpunkt nicht möglich machte. Nach Befundaufnahme erfolgte eine ausführliche Beratung über die Therapiemöglichkeiten. Die Patientin entschied sich, nach parodontaler Therapie für die kieferorthopädische Einordnung des Zahnes 21. Anschließend sollten zwei Implantate in die Regionen der nicht angelegten seitlichen Schneidezähne gesetzt werden.

Abb1: OPG vom 01.02.2022 – ausgeprägte Distoangulation am OPG nach Abschluss der kieferorthopädischen Vorbehandlung. Zahn 21.
Abb2: Portrait (Ausgangssituation bei Erstvorstellung).
Abb3: Multiband-Therapie für zehn Monate mit provisorischer Versorgung der Zähne 12 und 22.
Abb4: OPG nach Abschluss der kieferorthopädischen Vorbehandlung.
Abb5: Situation nach KFO-Behandlung am Tag der Implantation (von bukkal).
Abb6: Nach KFO-Behandlung am Tag der Implantation, okklusale Ansicht.
Abb7: Planung der korrekten dreidimensionalen Implantatposition mittels …
Abb8: … coDiagnostiX (Dental Wings/Straumann) zur Herstellung einer Bohrschablone.
Abb9: Planungskonzept der Implantatposition und ihre Auswirkung auf das Emergenzprofil, angestrebt wird Position 0 oder 1.
Abb10: Planungskonzept zur Vorhersage der Papillen im Interface mit verschiedenen Restaurationstypen.
Abb11: Anprobe der Bohrschablone (fully-guided).
Abb12: Paramarginale Schnittführung unter Schonung der Papillen und Stanzung der Schleimhaut an der geplanten Implantatposition.
Abb13: Aufbereitung des Implantatbetts mittels Nadel- und Pilotbohrers.
Abb14: Konturierung des bukkalen Knochens zur Ausformung des optimalen Emergenzprofils.
Abb15: Abgeschlossene Konturierung des bukkalen Knochens.

Kieferorthopädische Vorbehandlung

Die kieferorthopädische Vorbehandlung wurde mit superelastischen Nickel-Titan-Bögen für zehn Monate durchgeführt. Ziel war die Aufrichtung der Wurzeln. Mit der Multibandbehandlung konnten die Regionen 12 und 22 provisorisch durch Frasaco-Zähne versorgt werden (Abb. 3-6).

Implantologisches Vorgehen

Die Implantatplanung erfolgte nach Erstellung eines DVT mittels coDiagnostiX (Dental Wings/Straumann), anhand des 3D-Datensatzes wurde eine Bohrschablone angefertigt. Mit einem Planungskonzept zur Vorhersage der Papillen im Interface konnten verschiedenen Restaurationstypen simuliert werden. Dabei wurden folgende Faktoren berücksichtigt: Zwischen Zahn und Implantat ist ein Abstand von 1,5 mm approximal anzustreben. Die Implantatschulter sollte 3-4 mm subgingival liegen. Für ein perfektes Emergenzprofil sollte zum bukkalen Knochen 3-4 mm Platz belassen werden, um aus der Tiefe das bukkale Weichgewebe zu stützen. Im Bereich von 6,5 mm zwischen Knochen und dem späteren Kontaktpunkt der Krone ist eine Papille vorhersagbar (7-16). Die Patientin wurde anschließend mit einem Flügelprovisorium versorgt (Abb. 17-19).

In einem letzten Schritt wurde der labiale Gingivabereich mit einem Bindegewebstransplantat (BGT) aus dem Gaumen verstärkt. Aufgrund der Aplasie und dem damit verbundenen Knochenabbau war eine Verdickung des Weichgewebes für ein langfristiges Überleben und den ästhetischen Outcome der Implantate notwendig (Abb. 20-24).

Prothetische Versorgung

Die Planung der prothetischen Versorgung erfolgte mittels Smilecloud (Straumann). Die Zähne sollten mit Veneers versorgt werden und die implantatprothetische Suprakonstruktion bestand aus Keramikabutments auf Titanbasen und Kronen aus e.max (Abb. 25-34).

Zusammenfassung

Die Nichtanlage der oberen seitlichen Inzisiven stellt für die Versorgung sowohl funktionell als auch ästhetisch eine Herausforderung dar. Gerade die richtige Implantatposition ist neben vielen anderen Parametern ein wichtiger Aspekt für ein harmonisches und natürliches Ergebnis. In der ästhetischen Zone sollte aber auch nicht nur die Versorgung der Einzellücken im Vordergrund stehen, sondern ein im Display harmonisches und ästhetisches Lächeln entstehen. Hierfür müssen neben funktionellen Aspekten (Front-Eckzahn-Führung) auch die bestehende Rot-Weiß-Ästhetik analysiert werden. Dieser Fallbericht unterstreicht die Bedeutung eines interdisziplinären Ansatzes zwischen Kieferorthopäde, Chirurg und Prothetiker bei der Behandlung und Versorgung von Patienten. Um interdisziplinäre Behandlungspläne in 3D zu überwachen und mit anderen zu teilen, ist eine gute Kommunikation von großer Bedeutung. Neben der Möglichkeit der Planung des perfekten Längen-Breitenverhältnisses, natürlicher Proportionen und einem optimalen Schneidekantenverlauf von Restaurationen erleichert die Plattform SmileCloud in unserer Praxis die interprofessionelle Verständigung.

Abb16: Inseriertes Implantat regio 12 in korrekter, dreidimensionaler Position ca. 3-4 mm subgingival.
Abb 17: Fixierte Flügelprovisorien im Mund vor Verklebung mit den Abutments.
Abb18: Provisorium nach dem esthetic biological contour (EBC) concept (Gomez-Meda R et al. 2021).
Abb19: EBC concept [PMID: 33470498].
Abb20: Entnommenes Bindegewebstransplantat (BGT).
Abb21: BGT adaptiert mittels Periost- und Aufhängenaht.
Abb22: Wundverschluss mittels Naht (6-0 PGA Resorba).
Abb23: OPG postoperativ mit inserierten Implantaten regio 12 und 22.
Abb24: Klinische Situation einen Monat postoperativ, Kontrolle von bukkal.
Abb25: Planung des optimalen Längen-Breitenverhältnisses von 12-22 mittels Smilecloud (Straumann) im Display.
Abb26: Abformung der beiden Implantate und der Veneerpräparation an den Zähnen 11, 21.
Abb27: Eingeschraubte Keramikabutments auf Titanbasis regio 12 und 22.
Abb28: Präparationsdesign der Abutments nach Konditionierung für 30 32 Sekunden mittels 37 %-iger Phosphporsäure (Kuraray).
Abb29: Veneers und Kronen aus e.max mit Cut-back und individueller Schichtung eingesetzt (Panavia LC, Kuraray).
Abb30: Zustand vor Lichthärtung: bukkale Säuberung mittels Wattepellet und approximale Säuberung mittels SuperFloss.
Abb31: Final eingesetzte Kronen und Veneers.
Abb32: Idealer Weichgewebsverlauf und physiologische Papillenkontur und …
Abb33: … -höhe an hochästhetischen Implantatkronen 12 und 22.
Abb34: Idealer Schneidekantenverlauf der Oberkieferfrontzähne im Display.

Autoren

Dr. med. dent. Florian Göttfert

Dr. med. dent. Florian Göttfert

  • 2003-2009 Zahnmedizinstudium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg
  • 2010 Promotion
  • Seit 2012 Praxispartner bei edel & weiss in Nürnberg und Partner des Fortbildungsinstituts 2N
  • Fortbildungen für Zahnärzte
  • Zertifiz. Spezialist für Ästhetik und Funktion (DGAZ, EDA)
  • Zertifiz. Spezialist für Sportzahnmedizin (DGSZM) 
  • Nationale u. international Referententätigkeit für ästh. Zahnheilkunde

goettfert@edelweiss-praxis.de
www.edelweiss-praxis.de

Dr. med. dent. Dominik Sporrer

Dr. med. dent. Dominik Sporrer

  • 2016-2021 Studium der Zahnheilkunde an der Universität Regensburg
  • 2022 Angestellter Zahnarzt in der Praxis Zahnärzte Stamsried in Freiburg im Breisgau
  • 2023 Promotion
  • Seit 2023 Angestellter Zahnarzt in der Praxis edel & weiss, Nürnberg

sporrer@edelweiss-praxis.de
www.edelweiss-praxis.de

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