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Biokompatibilität von Keramikimplantaten in der Sofortversorgung

Keramikimplantate haben in der modernen Zahnmedizin an Bedeutung gewonnen. Dabei spielt ihre Interaktion mit dem Weichgewebe eine wichtige Rolle für den langfristigen Erfolg der implantologischen Versorgung. Das Verhalten von Weichgewebe um ein dentales Implantat beeinflusst die Wundheilung, Infektionsanfälligkeit und Langzeitstabilität.

Dr. med. dent. Markus Sperlich, Dr. med. dent. Mathias Sperlich M.Sc.6 Min. Lesezeit
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Keramikimplantate haben in der modernen Zahnmedizin an Bedeutung gewonnen. Dabei spielt ihre Interaktion mit dem Weichgewebe eine wichtige Rolle für den langfristigen Erfolg der implantologischen Versorgung. Das Verhalten von Weichgewebe um ein dentales Implantat beeinflusst die Wundheilung, Infektionsanfälligkeit und Langzeitstabilität [1]. Die Biokompatibilität von Keramikimplantaten kann helfen, Entzündungen zu reduzieren und die Gewebestabilität zu verbessern [2].

Nach einer Avulsion von Zahn 11 durch einen Unfall im Alter von 15 Jahren wurde der Zahn in der Notaufnahme reimplantiert und via Schiene fixiert (Abb. 1). Im Laufe der bestehenden KFO-Behandlung zeigte sich eine Ankylose von Zahn 11 (Abb. 2, 3), die Entfernung des Zahnes war notwendig. Zu diesem Zeitpunkt war der Patient 17 Jahre alt, er wurde postextraktiv mit einer Klebebrücke versorgt (Abb. 4). Mit 21 Jahren stellte sich der Patient mit dem Wunsch nach einer implantologischen Versorgung als Sofortbehandlung in regio 11 mit einem ästhetischen zahnfarbenen Keramikimplantat erneut vor.

Diagnostik und Prognose

Unter Berücksichtigung seiner Anamnese wurde der Patient über die möglichen Behandlungsalternativen aufgeklärt. Aufgrund seines Alters und des notwendigen invasiven Beschleifens der jungfräulichen Zähne 12 und 21 zur Realisierung einer Brückenversorgung entschied sich der Patient für das Konzept der implantologischen Sofortbehandlung. Vorbereitend erfolgte ein Therapiegespräch, die Anfertigung einer DVT-Aufnahme und ein intraoraler Scan. Die Prognose der Behandlung wurde als sehr gut eingeschätzt, mit gleichzeitig ausgezeichneter ästhetischer Rehabilitation des Patienten (3).

Abb 1: Aufbissaufnahme nach Avulsion von Zahn 11 nach Unfall im Alter von 15 Jahren.
Abb 2: Ankylose von Zahn 11 im Laufe der kieferorthopädischen Behandlung.
Abb 3: Radiologie der Ankylose Zahn 11.
Abb 4: Adhäsivbrücke 11 post extractionem.
Abb 5: Digitale Planung mit SMOP.
Abb 6: Radiologische digitale Planung.
Abb 7: Präoperativ hergestellte CAD/CAM-Krone zur Sofortversorgung, sie wurde laborseitig auf eine Neodent ZI-Base verklebt.
Abb 8: Ausgangssituation vor Implantation mit Klebebrücke.
Abb 9: Ausgangssituation vor Implantation nach Entfernung der Klebe- brücke, die Lücke wurde kieferorthopädisch zu weit geöffnet.
Abb 10: Finale Implantatposition.
Abb 11: Postoperative radiologische Kontrolle.

Behandlungsplanung

Nach Auswertung der DVT-Aufnahme wurden die DI-COM-Daten der DVT und die STL-Daten des IO-Scans in die SMOP-Software eingespielt. Die Implantatplanung für ein Neodent Ceramic Implantat in Regio 11 erfolgte nach unseren Standards für eine Sofortbehandlung (hohe Primärstabilität, Schonung und Erhalt der vorhandenen Strukturen) (Abb. 5, 6).

Unsere Planung übermittelten wir nach Fertigstellung an das Servicecenter Stentists, Auftrag war die Herstellung der Bohrschablone und Vorbereitung der Suprakonstruktion. Entscheidend für den Erfolg der präoperativ hergestellten CAD/CAM-Sofortversorgung war die chirurgische Platzierung des Implantates in der nach Planung festgelegten vertikalen Höhe und Rotationsausrichtung der Innenverbindung. In Zusammenarbeit mit Stentists entwickelten wir hierfür ein spezielles Eindrehwerkzeug. Sind alle Maßnahmen finalisiert, erfolgt der Datenexport via STL. In Exocad wurde eine präoperative CAD/CAM-Sofortversorgung (Abb. 7) hergestellt.

Implantation

Nach entsprechend steriler Vorbereitung wurde zunächst die vorhandene Adhäsivbrücke entfernt (Abb. 8, 9) und die Bohrschablone auf spannungsfreien und suffizienten Sitz überprüft. Über eine kristalline Schnittführung ohne vertikale und horizontale Entlastung konnte eine schonende Darstellung des prospektiven Implantatlagers erreicht werden. Zum größtmöglichen Erhalt der Physiologie des Weichgewebes bevorzugen wir ein atraumatisches Vorgehen, auf eine ausgeprägte Lappenbildung wird daher – wenn möglich – verzichtet. Die geführte Aufbereitung des Implantatlagers erfolgte mit dem Neodent Zi MultiKit für ein Neodent Ceramic Implantat (Ø 3,75 L: 13 mm). Die Implantatinsertion wurde mit dem beschriebenen Eindrehwerkzeug kontrolliert. Für die anschließende Sofortversorgung war ein ITV > 35 Ncm unerlässlich [4], es wurde ein Drehmoment von 50 Ncm erreicht. Dank der Eindrehhilfe ist eine exakte Positionierung des Implantates entsprechend der Planung in situ möglich (Abb. 10).

Sofortversorgung

In der Planung der Sofortversorgung wurde das Emergenzprofil von Zahn 21 auf die Region 11 gespiegelt und in der präoperativen Herstellung der Sofortversorgung umgesetzt. Intraoperativ schraubten wir die präoperativ gefertigte CAD/CAM-Krone mit einem Drehmoment von 32 Ncm ein (Abb. 12) und verschlossen die transokklusive Verschraubung mit Teflonband und Tetric Flow.

Abschließend wurde die Okklusion nach dem Prinzip des ‚non-okklusal loadings‘ nochmals überprüft. Die radiologische Kontrolle zeigte eine regelrechte Implantatposition und einen suffizienten Sitz der Sofortversorgung (Abb. 11).

Der Patient war postoperativ sofort ästhetisch rehabilitiert und sozial nicht eingeschränkt. 21 Tage postoperativ zeigen sich entzündungsfreie Weichgewebsverhältnisse bei sehr guter Weichgewebsadaptation um die eingesetzte Sofortversorgung (Abb. 12). Nach zwölf Wochen zeigte sich ein gut ausgeformtes Emergenzprofil mit stabilem Anteil an keratinisierter Gingiva (Abb. 13, 14). Die radiologische Kontrolle zeigte nahezu unveränderte osseäre Verhältnisse (Abb. 15).

Nach der Abformung wurde eine individuell geschichtete Lithiumdisilikat-Krone auf der Neodent ZiBase (Ø 3,75 H: 1,5 mm) angefertigt (Abb. 16, 17). Mit dem Patienten und Zahntechniker wurde der Umgang mit dem mediale Diastema diskutiert, es sollte geschlossen werden (Abb. 18). Die radiologische Kontrolle der definitiven Versorgung zeigte eine gute Passung bei stabilen osseären Verhältnissen, insbesondere interproximal (Abb. 19). Das Ergebnis nach Abschluss (Abb. 22) und drei Jahre später zeigte ein ästhetisch ansprechendes Gesamtbild für unseren Patienten und Stabilität des Weichgewebes (Abb. 23).

Abb 12: Weichgewebe nach 21 Tagen.
Abb 13: Ästhetisch und funktionell perfekt ausgeformtes Weichgewebe …
Abb 14: … nach zwölf Wochen.
Abb 15: Radiologische Kontrolle nach zwölf Wochen.
Abb 16: Innenverbindung des Neodent Ceramic Implantats.
Abb 17: Definitive Krone aus Lithiumdisilikat-Keramik auf dem Modell.
Abb 18: Definitive Krone in situ.
Abb 19: Röntgenkontrolle der definitiven Krone.
Abb 20: Ein äußerst naturidentisches ästhetisches Gesamtergebnis!
Abb 21: Dreijahres Follow up mit funktionell und ästhetisch stabilen Verhältnissen.

Fazit

Die Osseointegration und die Bruchfestigkeit von modernen Keramikimplantaten sind heutzutage denen von Titanimplantaten gleichwertig [6-9]. Das Verfahren des keramischen Spritzgusses (CIM) erlaubt die Herstellung von komplexen keramischen Innenverbindungen (Abb. 10), bietet größtmögliche Flexibilität und eine digitale Transformation (Abb. 5, 6). Der Einfluss von Keramik auf das Weichgewebe ist noch nicht abschließend geklärt [10,11]. Die keramische gewebeverträgliche Oberfläche begünstigt die Anlagerung und Orientierung gesunder gingivaler Fasern und fördert eine gesunde Interaktion mit der Gingiva ähnlich der des natürlichen Zahnes [11,13,14].

Es zeigen sich weniger Irritationen und eine stabilere Anhaftung des Weichgewebes bei der Verwendung von Keramikimplantaten [12]. Gesichert ist auch eine geringe bakterielle Adhäsion, bedingt durch eine geringere Plaque-Affinität, welche das Risiko von Periimplantitis reduzieren kann [2,9]. Es gibt aktuell weniger Langzeitstudien hinsichtlich der Langzeitstabilität des Weichgewebes um Keramikimplantate als zu Titanimplantaten und weitere Langzeitstudien sind erforderlich, um die vollständige Integration der Keramikimplantate mit dem Weichgewebe besser zu verstehen [9].

Autoren

Autoren

Dr. med. dent. Markus Sperlich

Dr. med. dent. Markus Sperlich

  • Studium der Zahnmedizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Bis 2013 Klinik für zahnärztliche Prothetik, Universitätsklinikum Freiburg
  • 2013 Gründung Sperlich & Sperlich Zahnmedizin
  • 2018 Aufenthalt am ILAPEO, Curitiba, Brasilien
  • 2018 Gründung Zentrum für Sofortbehandlung
  • Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie, Implantatprothetik und Prothetik
  • Referententätigkeit und Publikationen in der Implantologie und Prothetik mit Schwerpunkt
  • Sofortbehandlung und Keramikimplantate

markus@sperlich-sperlich.de
www.sperlich-sperlich.de
www.instagram.com/sperlich_zahnmedizin

Dr. med. dent. Mathias Sperlich M.Sc.

Dr. med. dent. Mathias Sperlich M.Sc.

  • Studium der Human- und Zahnmedizin Freiburg, Würzburg, Zürich
  • Weiterbildungsassistent Oralchirurgie
  • 2013 Gründung Sperlich & Sperlich Zahnmedizin
  • 2018 Aufenthalt ILAPEO Curitiba, Brasilien
  • 2018 Gründung Zentrum für Sofortbehandlung, Freiburg
  • Tätigkeitsschwerpunkt Oralchirurgie, Implantologie und Parodontologie
  • Referententätigkeit
  • 2020 Postgraduierten-Studium Master of Science Implantologie und Oralchirurgie

mathias@sperlich-sperlich.de
www.sperlich-sperlich.de
www.instagram.com/sperlich_zahnmedizin

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