fallstudien
Biologisch orientierteRehabilitation im atrophierten Unterkiefer
Mikrochirurgie, Augmentation und Weichgewebemanagement Die parodontal gesunde 70-jährige Patientin stellte sich mit einer frakturierten Unterkieferbrücke von 43 auf 47 vor (Abb. 1, 2)…

Mikrochirurgie, Augmentation und Weichgewebemanagement
Die biologisch orientierte Rehabilitation im atrophierten Unterkiefer erfordert eine überlegte Augmentationstechnik und ein strategisches Weichgewebemanagement. Dieser Fallbericht demonstriert, wie durch die Kombination von autologer Schalentechnik und einer zeitlich entkoppelten Vestibuloplastik mit anschließender lingualer Gingivaverschiebung bei der Freilegung vorhersagbare periimplantäre Verhältnisse geschaffen werden können. Ein Implantatsystem mit flexiblen prothetischen Möglichkeiten (tioLogic Twinfit) unterstützt die Umsetzung.
Die parodontal gesunde 70-jährige Patientin stellte sich mit einer frakturierten Unterkieferbrücke von 43 auf 47 vor (Abb. 1, 2). Bei der Beurteilung von Zahn 43 zeigte sich genügend Restzahnsubstanz, sodass ein Glasfaserstift eingesetzt und der Zahn provisorisch aufgebaut werden konnte. Nach Absprache mit der Patientin fiel aufgrund der weiten Spanne und der Situation am Zahn 43 die Entscheidung gegen eine konventionelle Brücke. Der Lückenschluss sollte implantatprothetisch realisiert werden. Die intraorale Situation zeigte einen atrophierten, schmalen Kieferkamm, insbesondere in regio 44 (Abb. 3, 4), sodass ein zweizeitiges Vorgehen mit vorgeschalteter Augmentation gewählt wurde. Geplant wurde ein autologer Knochenaufbau mit der Schalentechnik nach Prof. Khoury. Der Vorteil körpereigenen Materials liegt in der biologischen Wertigkeit: Eigenknochen enthält Osteoblasten, die aktiv Knochenbildung initiieren (Osteogenese). Beim partiellen Absterben der transplantierten Osteoplasten werden Mediatoren freigesetzt, die eine Einsprossung von Blutgefäßen und neue Knochenbildung signalisieren (Osteoinduktion). Gleichzeitig dient das Material als dreidimensionales Gerüst für den einwachsenden Knochen (Osteokonduktion).
Die Schalentechnik nutzt partikulierten Knochen zwischen Kieferkamm und Schale, der durch seine vergrößerte Oberfläche eine gute Grundlage für die knöcherne Regeneration bietet. In der klinischen Praxis hat sich gezeigt, dass autologes Material bei eventuellen Entzündungen nach Augmentation oder bei ggf. späterer periimplantären Entzündungen ein günstigeres Verhalten zeigen kann als Augmentationen mit gängigen KEM. Die positiven Erfahrungen mit autologen Techniken und der Verzicht auf Fremdmaterialien waren ausschlaggebend für die Wahl des biologischen Ansatzes beim Knochenaufbau.
Knochenaugmentation mittels modifizierter Schalentechnik
Die Knochenblockentnahme erfolgte aus der retromolaren Region des Unterkiefers (Linea obliqua). Bei der Osteotomie diente eine hauchfeine Diamantscheibe (MicroSaw-Kit nach Prof. Dr. F. Khoury) für eine präzise Osteotomielinie. Zwei vertikale Inzisionen mit horizontalem Verbindungsschnitt definierten ein knöchernes „Fenster“, das nach Perforation der oberen Knochenkante mit einem Meißel in der Übergangszone von Kompakta zu Spongiosa gelöst wurde. Der gewonnene Block (ca. zwei Zentimeter Länge) wurde extraoral in zwei dünne Schalen gespalten und mittels Safe Scraper auf eine Stärke von etwa 0,8-1 mm reduziert (Abb. 5, 6). Die Knochenspäne wurden gesammelt (Abb. 7).





























