Wissenschaftlicher Hintergrund und Fallbericht
Gingivale Rezessionen können eine optimale Durchführung von Mundhygienemaßnahmen erschweren und durch die Biofilmakkumulation die Entstehung von Gingivitis oder Wurzelkaries begünstigen.
In vielen Situationen, vor allem im Oberkiefer, können sie das ästhetische Erscheinungsbild beeinträchtigen [1]. Die Indikationen für eine Therapie von gingivalen Rezessionen sind daher primär die Verbesserung der Mundhygiene und die Verhinderung einer Gingivitis und Wurzelkaries sowie die Verbesserung der Ästhetik [1]. Der lateral geschlossene Tunnel (LGT) [2] stellt eine weitere Entwicklung der modifizierten, koronal reponierten Tunneltechnik [3-5] dar und ist durch die Kombination einer mukoperiostalen und supraperiostalen Lappenpräparation sowie einer spannungsfreien lateralen Verschiebung des Tunnellappens zur Deckung des Transplantats gekennzeichnet.
Die Technik hat sich besonders in Fällen von tiefen Unterkieferrezessionen bewährt, wo eine koronale Verschiebung des Lappens, bedingt durch den Zug der Lippenbänder und -muskeln, besonders schwierig ist. Nach Präparation des Tunnels werden die Wundränder mittels Einzelknopfnähten seitlich verschlossen, um das Transplantat und die Rezession zu decken [2]. Ergebnisse aus einer vor kurzem publizierten Studie konnten belegen, dass der LGT eine vielversprechende Option zur Deckung tiefer singulärer Unterkieferrezessionen darstellt [2].
Hyaluronsäure ist ein anionisches, nicht-sulfatiertes Glykosaminoglykan, das praktisch in allen Geweben vorkommt und eine wichtige Rolle in der Wundheilung spielt [6]. Daten aus der Literatur konnten zeigen, dass Hyaluronsäure eine sehr hohe Biokompatibilität besitzt, die Proliferation und Migration von parodontalen und gingivalen Fibroblasten fördert, die Angiogenese positiv beeinflusst und das Blutkoagulum stabilisiert. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften wird Hyaluronsäure in der parodontalen Weichgewebschirurgie erfolgreich angewendet [6]. Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie konnten zeigen, dass die Behandlung von Miller Klasse I-Rezessionen mit einem koronalen Verschiebelappen und der Anwendung von Hyaluronsäure in einer höheren Reduktion der Rezessionstiefen und häufigeren kompletten Deckung der Rezessionen resultiert, als durch die alleinige Anwendung des koronalen Verschiebelappens [7]. Die Kombination von Hyaluronsäure (hyaDENT BG, Regedent GmbH) mit einem Bindegewebstransplantat scheint vor allem bei der Behandlung von Unterkieferrezessionen mittels LGT Vorteile zu bieten. Da in diesen klinischen Situationen, bedingt durch die großflächige Präparation des Tunnels, eine stärkere Blutung zu erwarten ist, scheint die Applikation von Hyaluronsäure auf die Wurzeloberfläche das Blutkoagulum zu stabilisieren und einen positiven Effekt auf die Wundheilung zu haben (Abb. 1-8). Die Ergebnisse von zwei Fallstudien konnten zeigen, dass eine Kombination von Hyaluronsäure und einem SBGT mit verschiedenen Variationen der Tunneltechnik zu einer komplikationsfreien Heilung und exzellenten Deckung von singulären und multiplen Rezessionen im Ober- und Unterkiefer führt [8,9] (Abb. 9).