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Fester Biss, neue Freiheit: Wie Mini-Implantate Prothesen revolutionieren! - Frag-pip | pip
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Fester Biss, neue Freiheit: Wie Mini-Implantate Prothesen revolutionieren!
Bei Patienten mit einer Alveolarkammatrophie ist ein Einsatz von konventionellen Implantaten oft nicht möglich. Implantate können nur nach augmentativen Maßnahmen eingesetzt werden, die zu einer höheren Morbidität, höheren Kosten und einer verlängerten Behandlungszeit führen.
Dr. med. dent. Kianusch Yazdani4 Min. Lesezeit
Bei Patienten mit einer Alveolarkammatrophie ist ein Einsatz von konventionellen Implantaten oft nicht möglich. Implantate können nur nach augmentativen Maßnahmen eingesetzt werden, die zu einer höheren Morbidität, höheren Kosten und einer verlängerten Behandlungszeit führen. Insbesondere bei hochbetagten Patienten gilt es, Lebensqualität, Kosten, Dauer und Risiko durch die Behandlung abzuwägen. Mini-Dentalimplantate (MDI) stellen eine Lösung für diese Patientengruppe dar [1], ihre Vorteile liegen in der minimalinvasiven Insertion.
Als Behandlungsalternative für die implantatprothetische Versorgung zahnloser Patienten sind Mini-Implantate (MDI, condent) seit 2003 für die endgültige Versorgung zugelassen. Haupteinsatzgebiete sind die Stabilisierungen von Totalprothesen im Ober- und Unterkiefer sowie die Pfeilervermehrung bei vorhandenen Teilprothesen. Die minimalinvasive Implantatinsertion führt neben einer verringerten Operationsdauer zu einer geringeren Morbidität, zu weniger postoperativen Unannehmlichkeiten und geringeren Behandlungskosten, was gerade bei hochbetagten Patienten essenziell sein kann. Aufgrund der geringen Breite der einteiligen Implantate (1,8-2,4 mm) sind MDI bei einem geringen Platz- und Knochenangebot einsetzbar.
Bei uns stellte sich eine 88-jährige Patientin auf Empfehlung vor, die über einen inadäquaten Unterkieferprothesenhalt klagte. Charakteristischerweise hatte sie eine Tüte mit mehreren Paaren von Prothesen dabei, was ein Indiz für das Scheitern der konventionellen prothetischen Versorgung schien. Vom Vorbehandler wurde sie dahingehend informiert, dass Implantate bei ihr nicht einsetzbar seien. In der Annahme es gäbe keine Therapiemöglichkeit war die Patientin jahrelang in ihrer Lebensqualität, insbesondere beim sozialen Leben, und ihren Essgewohnheiten eingeschränkt. Die Gegenkieferbezahnung ist überwiegend im ersten Quadranten vorhanden, was eine leichte Neigung der Achse der vier MDI-Implantate (condent) im Unterkiefer entgegen der zu erwartenden Kaukraft erforderte. Bei einer Versorgung im zahnlosen Unterkiefer kann häufig eine Sofortbelastung der Mini-Implantate erfolgen (Abb. 1-35).
Abb1: Radiologische Kontrolle bei Erstvorstellung, fortgeschrittene Atrophie im Unterkiefer bei einer 88-Jährigen.
Abb2: Klinische Untersuchung und Palpation des zahnlosen Unterkiefers.
Abb3: Kugelmessaufnahme (OPG) zur Implantatlängen- und -positionsbestimmung.
Abb4. Aufgrund der vestibulären Resorption und des Spitzkammkiefers war eine DVT zur Bestimmung des Knochenvolumens indiziert.
Abb5: Axiale Sicht auf den Unterkieferknochen, linke Seite regio 32.
Abb6: Sagittale Ansicht, das Knochenangebot ist überraschend gut, typische Resorption ventral kaudal.
Abb7: Axiale Sicht auf den Unterkieferknochen, mittige Region
Abb8: Festlegung der Implantatposition an verschiedenen Implantationsorten.
Abb9: Infi ltration an jeder Implantatposition, eine Leitungsanästhesie ist in den meisten Fällen nicht notwendig.
Abb10: Minimalinvasive Trepanation der Kortikalis ohne Lappenbildung regio 42.
Abb11: Beeinflussung der Implantatachse durch Angulierung des Bohrers gemäß im DVT festgelegter Implantatachse.
Abb12: Implantatinsertion, erstes Eindrehen mittels Blue Cap (Einbringhilfe bis 10 Ncm).
Abb13: Durch das selbstschneidende Kompresssionsgewinde lässt sich der Einbringwinkel in dieser Phase noch beeinflussen.
Abb14: Bei 10 Ncm löst sich das Blue Cap und es erfolgt der Wechsel zum nächsten Insertionsinstrument.
Abb15. Nun kann der Flügeldaumenschrauber verwendet werden.
Abb16: Einbringen des Implantates in Endposition mittels Drehmomentratsche.
Abb17: Vier Implantate (MDI, condent) sind geplant, nächste initiale Implantatbohrung mit chirurgischem Einmalbohrer, Ø 1,1 mm.
Abb18: Einbringen des Folgeimplantates, es wird immer ein I mplantat nach dem anderen aufbereitet und inseriert.
Abb19: Gewebeverlagerung nach vestibulär durch eine Schwenkbewegung des Bohrers.
Abb20: Man sieht besonders in regio 44 die leicht anämische, nach vestibulär verschobene, befestigte Gingiva.
Abb21: Im postoperativen OPG (nicht abgebildet) konnten wegen des Spitzkiefers der letzte Gewindegang in Knochen nicht …
Abb22: … eindeutig identif iziert werden, daher wurden zur Kontrolle zwei Zahnfilmaufnahmen angefertigt.
Abb23: Regio 44, Verlagerung der keratinisierten Schleimhaut nach vestibulär zum Schutz vor Zugeffekten durch das Wangenbändchen.
Abb24: Leichte Einblutungen in der Umschlagfalte an den Injektionsstellen, minimalinvasives Vorgehen für die Patientin.
Abb25: Aufgrund der OK-Bezahnung war die leichte Neigung der Achse der Implantate im UK entgegen der erwarteten Kaukraft erforderlich.
Abb26: Maßvolles Bestreichen der Kugelköpfe mit Temp Bond zur Übertragung …
Abb27: … der Positionen der Implantate in die Prothese.
Abb28: Keilförmiges Zuschneiden der Ausblockschläuche, um die MH-1 parallel zueinander auszurichten, um Achsdivergenzen auszugleichen.
Abb29: Vier MH-1, Standard Metallgehäuse 4,72 mm × 3,6 mm z um Einarbeiten vorbereitet.
Abb30: Ausblockschläuche in situ.
Abb31: Über die Ausblockschläuche aufgesetzte MH-1 vor dem Einarbeiten.
Abb32: Ausschleifen der Protheseninnenseite für die MH-1.
Abb33: Mit dem Secure Hard Kunststoff (condent) …
Abb34: … wurden die MH-1 in den vorhandenen Zahnersatz einpolymerisiert.
Abb35: Das Kauen, Sprechen und die Lebensqualität sind erfolgreich minimalinvasiv wiederhergestellt!
Fazit
Bei diesem Fall stand die Vertrauensbildung durch eine schnelle Stabilisierung des vorhandenen Zahnersatzes im Vordergrund, um die Kaufähigkeit der Patientin wiederherzustellen. Nachdem dies durch die Stabilisierung des Zahnersatzes mittels Mini-Implantate erfolgt und die Patientin sich erholt hatte, sollte die Erneuerung des vorhandenen Zahnersatzes angegangen werden.
Autor
Dr. med. dent. Kianusch Yazdani
1997–2002 Studium der Zahnmedizin und Staatsexamen, Johannes-Gutenberg Universität Mainz
2005 Gründung der Gemeinschaftspraxis Dr. Höhne & Dr. Bernard, Neunkirchen, Anwendung von Mini Dental Implants