fallstudien
Freie Schleimhauttransplantation (FST) als nachhaltige Strategie
Die moderne Zahnmedizin beschreibt die Mundhöhle als immunologisch relevante Schnittstelle, an der lokale Gewebeverhältnisse in direktem Austausch mit der systemischen Gesundheit stehen.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine unzureichend keratinisierte Mukosa in engem Zusammenhang mit Plaqueakkumulation, Mukositis, Blutungen, erhöhten Sondierungstiefen und Weichgewebeinstabilität steht [1]. Dies gilt auch, wenn biologisch günstige und gewebefreundliche Materialien verwendet werden. Obwohl Zirkonoxid-Implantate eine dichtere und physiologisch vorteilhaftere Weichgewebeanhaftung aufweisen als Titanimplantate [2-5], bleiben Quantität und Qualität des periimplantären Weichgewebes unabhängig vom Implantatmaterial prognostisch relevant. Im Rahmen osteoimmunologischer, parodontaler und periimplantärer Untersuchungen verdichten sich die Hinweise darauf, dass chronische orale Entzündungen systemische Auswirkungen haben können [6,7]. Verschiedene Studien beschreiben potenzielle Zusammenhänge mit endothelialer Dysfunktion, Störungen der Glukoseregulation, immunologischer Sensitivierung sowie neuroinflammatorischen Prozessen [8-13].
Vor diesem Hintergrund wird die Mundhöhle zunehmend als möglicher Ausgangspunkt eines sogenannten „leaky gum“-Phänomens diskutiert, bei dem mikrobiell-entzündliche Mediatoren in den systemischen Kreislauf gelangen könnten [14]. Darüber hinaus wird in der Literatur erörtert, dass Implantatmaterialien – insbesondere metallische Oberflächen – unter funktioneller Belastung oder im Rahmen von Korrosionsprozessen Partikel oder Ionen freisetzen könnten, die als potenzielle Trigger immunologischer Reaktionen in Betracht gezogen werden. Auch knochenbezogene immunologische Trigger, wie oft nicht erkannte osteolytische Areale (Cavitations, FDOK, CSR) [8,25] oder immunologisch problematische Implantatoberflächen, wurden als potenzielle Einflussfaktoren beschrieben [15,16]. Eine suffiziente keratinisierte Mukosa ist daher ein zwingender Baustein osteoimmunologischer Nachhaltigkeit und integrativ-biologischer Implantattherapie.
Fallberichte
Bei einer 55-jährigen Patientin wurden zehn Jahre zuvor alio loco zwei Zirkonoxid-Implantate (Swiss Dental Solutions, Schweiz) im hinteren Bereich des Unterkiefers regio 36 und 37 eingesetzt. Das Fehlen keratinisierter Gingiva um das Implantat erforderte eine freie Gingivatransplantation (Abb. 1). Die therapeutischen Ziele bestanden darin, eine ausreichend breite und funktionell belastbare Zone keratinisierter Mukosa zu etablieren, die periimplantäre Barriere immunologisch zu versiegeln, die osteoimmunologische Belastung des periimplantären Knochens zu reduzieren und die ästhetische Integrität des Weichgewebes zu verbessern. Für die Behandlung wurde ein mukogingival-chirurgischer Ansatz mit einem autologen freien Schleimhauttransplantat (FST) aus dem Gaumen regio 23 bis 26 gewählt. Die periimplantäre Region um die Implantate 36 und 37 wurde mittels Split-Flap-Technik vorbereitet und apikal repositioniert, um die vestibuläre Tiefe zu erweitern und ein gut durchblutetes Gewebebett zu schaffen (Abb. 2-4).
Zur Unterstützung der biologischen Regeneration kamen gemäß aktueller Protokolle solides (a-PRF) sowie injizierbares PRF (i-PRF) zum Einsatz. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass PRF-Technologien die Angiogenese, die Weichgewebsregeneration und die immunologische Modulation fördern sowie die Stabilität des periimplantären Gewebes verbessern können [17-19]. Die operative Behandlung wurde durch eine ozonunterstützte Desinfektion des Operationsfelds [20], strukturierte Spülprotokolle zur Reinigung und Dekontamination des OP-Gebiets sowie eine individualisierte Ernährungs- und Supplementationsberatung zur Unterstützung des Bindegewebes und des Knochenstoffwechsels ergänzt. Der postoperative Verlauf war komplikationslos und das FST integrierte erfolgreich. Klinisch zeigte sich eine ausreichend breite keratinisierte Mukosa, die Mukositis klang vollständig ab und Sondierungsblutungen waren nicht mehr nachweisbar. Das periimplantäre Weichgewebe präsentierte sich ästhetisch harmonisch sowie stabil konturiert (Abb. 5, 6).

























