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Implantatprothetische Versorgung nach Yxoss CBR 

Die vorliegende Falldarstellung erläutert chirurgische und prothetische Aspekte des therapeutischen Vorgehens.

Dr. med. Lutz Krause4 Min. Lesezeit
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Eine Fallstudie von Dr. med. Lutz Krause

„Mein Schneidezahn ist locker. Können Sie mir helfen?“ So oder ähnlich lautete die Anfrage eines Patienten, die mich eines Abends erreichte. Im Rahmen der Erstaufnahme offenbarte sich eine dramatische Defektsituation in der Zahnregion 21 (Abb. 1). Der Defekt sollte auf Wunsch des Patienten mit einer implantatgetragenen Krone rehabilitiert werden. Die vorliegende Falldarstellung erläutert chirurgische und prothetische Aspekte des therapeutischen Vorgehens.

Der Erstbefund beim Patienten lautete: freibeweglicher Zahn 21, Hygienedefizit, parodontologischer + konservierender Behandlungsbedarf, Rezession 31 (Miller Klasse 3). Daraus resultierte folgender, mit dem Patienten abgestimmter Therapieplan:

  1. Befund, „Erste Hilfe“ und Planung
  2. Konservierende Sanierung, Hygienisierung und systematische Parodontaltherapie
  3. Weichgewebsaugmentation 1
  1. Hartgewebsaugmentation
  2. Komplikationsmanagement Augmentation
  3. Implantation
  4. Weichgewebsaugmentation 2, Freilegung und LZP 8. Definitive Versorgung

Step 1 (11/2019)

In der ersten Sitzung erfolgte die Entfernung des Zahnes 21 (Abb. 2). Die Nachbarzähne 11 und 22 erfuhren eine subtile Wurzelglättung. Der entfernte Zahn wurde als erste provisorische Versorgung eingeklebt, nachdem die Wurzel nach einer ponticartigen Konturierung angepasst worden war (Abb. 3).

Step 2 (08/2020)

Die konservierende, hygienisierende und parodontologische Vorbehandlung nahm den Zeitraum von 11/2019 bis 08/2020 in Anspruch. Die Auswertung der initial erstellten Befundunterlagen Situationsmodell, Wax up (Abb. 4, 5) und DVT (Abb. 6) erbrachte einen ausgedehnten dreidimensionalen Hartgewebsdefekt, welcher vor der Implantatinsertion mittels individuell designtem Titangitter (Yxoss, Geistlich Biomaterials), autologem Knochen und xenogenem KEM bovinen Ursprungs (Bio-Oss, Geistlich Biomaterials) rekonturiert werden sollte. Vorbereitend erfolgte die Transplantation eines kombinierten Schleimhaut-Bindegewebstransplantats vom Gaumen (Abb. 7-9). Zum Abschluss dieser Maßnahme wurde eine Adhäsivbrücke (Abb. 10, 11) eingegliedert.

Abb 1: Zahn 21 freibeweglich, komplexer Alveolendefekt.
Abb 2: Heterogene Vorgeschichte, der extrahierte Zahn war „austherapiert“.
Abb 3: Einsatz eines Sofortprovisoriums.
Abb 4: Analyse des Defektes via Modell.
Abb 5: Ein gemäß der Alveolarkammstruktur hergestelltes Wax up zurDefektdarstellung.
Abb 6: Defektanalyse digital, kompromittiertes Knochenlager im Transversalschnitt.
Abb 7: Insuffizientes Weichgewebe nach Abheilung.
Abb 8: Kombiniertes Schleimhaut-Bindegewebstransplantat vomGaumen.
Abb 9: Transplantat in vivo (neun Monate nach Zahnentfernung).
Abb 10: Eine Adhäsivbrücke (NEM, Kunststoffzahn) wird als LZP eingesetzt.
Abb 11: LZP in situ.
Abb 12: Verbesserte Weichgewebssituation nach Abheilung.

Step 3 (11/2020)

Die customized bone regeneration (CBR) erfolgte drei Monate nach der Weichgewebsaugmentation (Abb. 12). Der OP-Situs wurde dargestellt, autologer Knochen aus dem Kieferwinkel gewonnen, ein Gemisch aus autologen Knochenspänen und bovinem KEM (Bio-Oss, Geistlich Biomaterials) in das Gitter eingebracht und das so gewonnene Augmentat im ortsständigen Knochen verschraubt. Nach Wundverschluss wurde die langzeitprovisorische Klebebrücke wiederum adhäsiv befestigt (Abb. 13-19).

Step 4 (11/2020-04/2021)

Es zeigten sich Dehiszenzen im palatinalen, approximalen und vestibulären Bereich regio 21/22. Röntgenologisch war der Bereich stabil und unauffällig (Abb. 20). Diese Dehiszenzen (Abb. 21-23) wurden regelmäßig lokal behandelt. Auf eine chirurgische Revision wurde verzichtet.

Abb 13: Planung eines patientenspezifischen Titangitters zur CBR.
Abb 14: Gewinnung von autologem Knochen aus der Linea obliqua.
Abb 15: Gemisch aus autologem Knochen und bovinem KEM im Titangitter.
Abb 16: Augmentat auf Kieferkamm fixiert.
Abb 17: Abdeckung mit RCM (Bio-Gide, Geistlich Biomaterials) porcinen Ursprungs.
Abb 18: Wundverschluss (Zustand zwölf Monate nach Zahnentfernung).
Abb 19: Palatinale Dehiszenz zwei Wochen post CBR. „Beschlagfreie“ Spiegelaufnahmen mit „Photo Mirror Demister“, Jakobi Dental GmbH.
Abb 20: Röntgenkontrolle: Das Titangitter erscheint defektkongruent.

Step 5 (04/2021)

Ein halbes Jahr später folgten die schonende Entnahme des Titangitters sowie die Implantatinsertion (Camlog SL PP; 4,3/13 mm) unter Verwendung einer CAD/CAM-gefertigten Schablone (Abb. 24-32). Nach abschließender Röntgenkontrolle wurde das Provisorium wieder eingegliedert.

Abb 21: Dehiszenz zum Zeitpunkt der Implantation von palatinal.
Abb 22: Vestibuläre Defektansicht.
Abb 23: Schwierige Weichgewebsverhältnisse vor Entfernung des Titangitters nach sechs Monaten Liegedauer.
Abb 24: Digitale Planung von Implantatposition und Bohrschablone.
Abb 25: Anprobe der Bohrschablone gemäß 3D-Planung.
Abb 26: Die Entfernung des Gitters ist komplex.
Abb 27: Insertion eines Camlog-Implantates (SL PP 4,3/13 mm).
Abb 28: Die Implantatposition wird intraoperativ (analog) verschlüsselt.
Abb 29: Wundverschluss nach Implantation (Zustand sechs Monate nach Augmentation).
Abb 30: Wundverschluss nach Implantation (Zustand sechs Monate nach Augmentation).
Abb 31: Röntgenkontrolle nach Implantation.
Abb 32: Wiederbefestigung LZP nach Implantation.
Abb 33: Herstellung eines verschraubbaren Provisoriums auf Titanbasis zum Einsatz bei Freilegung.

Autor

Dr. med. Lutz Krause

Dr. med. Lutz Krause

  • 1980-1985 Studium Universität Leipzig 
  • 1991 Promotion Dr. med., TU Dresden 
  • 2005 Curriculum Implantologie DGI 
  • 2009 Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie, DGI 
  • 2014 Curriculum Implantatprothetik und Zahntechnik, DGI 
  • 2015 Tätigkeitsschwerpunkt Implantatprothetik und Zahntechnik, DGI 
  • Mitarbeit in Qualitätszirkeln für Implantologie in Leipzig und Chemnitz 

info@zahnkontakte-chemnitz.de

www.zahnkontakte-chemnitz.de

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