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Implantoprothetische Gesamtrehabilitation

Die Rehabilitation ist eine interdisziplinäre Aufgabe, welche die Zusammenarbeit von (Zahn-)Ärzten, Zahntechnikern, Patienten und anderen Spezialisten erfordert.

Dr. med. dent. Roberto Sleiter, ZT Vittorio Procopio4 Min. Lesezeit
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Effizienz, Chancen und Möglichkeiten der Sofortimplantation und -belastung

Die Rehabilitation ist eine interdisziplinäre Aufgabe, welche die Zusammenarbeit von (Zahn-)Ärzten, Zahntechnikern, Patienten und anderen Spezialisten erfordert. Ziel ist eine effiziente Wiederherstellung und das langfristige Erhalten von Funktion, Ästhetik und Lebensqualität. Sofortimplantate, die auf vier Zähnen verankert sind und sofort belastet werden, stellen aufgrund der wissenschaftlichen Evidenz bei geeigneter Indikationsstellung für Patienten eine schnell umsetzbare und mit wenig Sitzungen in der Praxis verbundene, sichere prothetische Lösung dar. Im vorliegenden Fall hatte die Patientin viele Zähne verloren (Abb. 1-3).

Es galt, die Patientin aufzufangen und nach Aufklärung über die aktuelle Situation und Beratung ihre Wünsche nach Wiedererlangung von Ästhetik und Funktion ihrer Zähne umzusetzen. Sie wünschte eine schnelle Sanierung möglichst ohne sichtbare ‚zahnlose‘ Übergangszeiten. Die Oberkieferzähne waren nicht erhaltungswürdig und mussten extrahiert werden (Abb. 4). Das Prinzip einer Verankerung mit einer implantatgetragenen Brückenrekonstruktion auf vier Zähnen bot bei dem vorliegenden Fehlen von Stützzonen und der insuffizienten Restbezahnung im Oberkiefer eine gute und schnelle Versorgungsmöglichkeit. Beim Implantatsystem fiel die Wahl auf das SPI Element von Thommen Medical. Das Implantat ist zylindrisch parallelwandig und unterstützt mit seiner Implantatoberfläche Inicell eine schnelle Osseointegration. Konkret wurde geplant, dass vier Implantate nach Extraktionen der Zähne sofort implantiert werden. Mithilfe von Variomulti-Abutments und Provisoriumskappen sollte die Patientin nach Implantatinsertion direkt versorgt die Praxis verlassen können.

Eine 3D-Röntgenaufnahme wurde angefertigt, Abformungen und Bissnahme genommen und Fotos gemacht. Letztere wurden analysiert, um die optimale Rot-Weiss-Ästhetik bei der Patientin zu bestimmen. Nach Radierung der Restbezahnung im Oberkiefer wurde eine Immediatprothese hergestellt. Vor Implantation wurden die Zähne schonend und ohne traumatische Verletzung der Weichgewebs- oder Knochenstrukturen gezogen (Abb. 5, 6). Die Alveolen wurden auskürettiert. Die Schnittführung orientierte sich leicht nach palatinal versetzt (Abb. 7). 

Nach Lappenbildung und -mobilisation zeigte sich eine starke Knochenresorption in den zahnlosen Bereichen und dünne Knochenstrukturen im koronalen Anteil der Alveolen (Abb. 8). Bei den Alveolen wurde die Knochenhöhe reduziert (Abb. 9), eine Orientierung erfolgte über die ermittelte Lachlinie. Sukzessive wurden vier Implantate regio 14 SPI Element MCI Inicell (Thommen Medical Ø 4.0/L: 11 mm), 12 (Thommen Medical Ø 3.5/L: 11 mm), 22, 24 (je Ø 4.0/L: 11 mm) inseriert (Abb. 10-13). Nachdem die Positionierung mittels Schablone überprüft worden war, wurden die passenden Variomultis (Thommen Medical) mit Angulierung von 0/17/30 Grad ausgesucht und via Drehmomentratsche mit 15-25 Ncm aufgeschraubt (Abb. 15). 

Anschließend wurde die vorab im Labor hergestellte Prothese palatinal mit Silikon beschickt, aufgesetzt und eine Bissnahme zur Kieferrelationsbestimmung genommen (Abb. 16, 17). Als dann wurde die Prothese palatinal ausgeschliffen und die Randgestaltung bis auf Höhe der geplanten festsitzenden Brückenkonstruktion reduziert (Abb. 18). Drei Stunden nach der OP wurde sie mit den eingearbeiteten Kappen eingesetzt. Im Unterkiefer waren ebenfalls SPI Element Implantate regio 43, 46, 34, 37 inseriert worden. Im Labor erfolgte anhand der Informationen zur Kieferrelation, Lage der Implantate und Gegenkieferbezahnung das digitale Design der defifinitiven Versorgung (Abb. 19, 20). 

1: Die gepflegte Patientin traute sich nicht in der Öffentlichkeit zu lächeln. Sie suchte eine schnelle allumfassende Lösung.
2: Der Restzahnbestand im Oberkiefer besteht aus nicht erhaltungswürdigen Zähnen 12, 11, 21 und 23.
3: Im Unterkiefer waren die Zähne 33-43 erhaltungswürdig, eine zusätzliche Seitenzahnversorgung über Implantatpfeiler war notwendig
4: OPG des Ausgangszustandes, die Prognose der Zähne war schlecht, eine 3D-Analyse der Knochenstruktur war erforderlich.
5: Die schonende Entfernung der Zähne mit minimalem Trauma des umgebenden Knochens und der umgebenden Weichgewebe war essenziell.
6: Keine Verletzung der gesunden umgebenden Weichgewebsstrukturen, Zustand nach vollständiger Extraktion der Restzähne.
7: Leicht nach palatinal versetzte, midkrestale Schnittführung zur Schonung der labialen Weichgewebestrukturen.
8: Präparation und Freilegung der Knochenstruktur mit frischen Alveolen.
9: Knochenglättung und Kontrolle der Smile-Line mit der großen Lührzange.
10: Freihändige Vorbohrung palatinal der Alveolen in den mit ausreichend Knochen versehenen Regionen.
11: Implantatinsertion eines SPI Element MCI Inicell (Th ommen medical Ø 3.5/L: 11 mm) regio 12.
12: Es folgt die Implantatinsertion eines SPI Element MCI Inicell (Th ommen medical Ø 4.0/L: 11 mm) regio 14.
13: Nach Insertion der Implantate regio 22, 24 (SPI Element MCI Inicell Ø 4.0/L: 11 mm) folgten die Insertionen regio 43, 46, 34, 37.
14: Anhand der Position der Implantate suchten wir die passenden Variomulti-Abutments aus.
15: Die Mindesteindrehkraft von 30 Ncm als IT-Wert für die Sofortversorgung und -belastung wurde bei allen Implantaten erreicht.
16: Mit der vorab erstellten Immediatprothese wurde nach Silikonauftrag eine Bissnahme genommen.
17: Im Silikon konnten die Kieferrelation und die genaue Verortung der Variomulti-Abutments ermittelt werden.
18: Das festsitzende Provisorium wird drei Stunden postoperativ nach Einarbeitung der provisorischen Kappen eingesetzt.
19: Inzwischen wurde nach Scan und anhand der gewonnenen Informationen die defi nitive Oberkieferversorgung kreiert.
20: Diese wurde an die reale Bezahnung und digital geplante Brückenversorgung in Relation zum Unterkiefer angepasst

Je nach Position und Ausrichtung des Implantats wurde die Achse des Schraubkanals verändert und optimiert, sodass eine okklusale oder orale Verschraubung erreicht wurde (Abb. 21). Die Verbindung zum Brückengerüst sollte durch eine Titanbasis erfolgen (Abb. 22, 23). Die Brückenrekonstruktion aus Zirkonoxid wurde gefräst (Abb. 24), labial reduziert und ästhetisch mit Keramik inklusive der Gingiva individualisiert (Abb. 25-29). Nach Fertigstellen der Brücke wurde der Titansteg zementiert (Abb. 30). Ergebnis ist eine dem Gesicht der Patientin angepasste, natürliche Zahnreihengestaltung (Abb. 31-33). Im Unterkiefer wurden im Seitenzahnbereich nach vier Monaten Einheilzeit die implantatgetragenen Zirkonoxidbrücken eingesetzt (Abb. 34). Nach fünf Monaten wurde die definitive Brückenrekonstruktion aus Zirkonoxid im Oberkiefer eingesetzt (Abb. 35-37). Die Patientin fühlte sich wohl, attraktiv und gesellschaftlich vollkommen rehabilitiert.

21: In der defi nitiven Versorgung wurden die Kanäle für die späteren Verschraubungen der Implantate integriert.
22: Auf dem digitalen Modell wurde eine stegartige Innenkonstruktion zur …
23: … Aufnahme und Verschraubung der Variomulti-Abutments in der defi nitiven Restauration aus Zirkonoxid geplant.
24: Fertigstellung der Oberkieferversorgung inkl. Schraubenbohrungen aus gefrästem Zirkonoxid vor der Sinterung.
25: Präparation der bukkalen Oberfl ächen von Zähnen und Gingiva zur Keramik-Schichtung des Zirkonoxid-Gerüsts vor der Sinterung.
26: Charakterisierung und Gestaltung der Zirkonoxid-Prothese vor dem Sinterprozess.
27: Zirkonoxid-Prothese nach dem Sinterprozess.
28: Individuelle Schichtung von unterschiedlichen Keramikmassen zur Herstellung transluzenter, natürlicher Effekte.
29: Ausformung und Schichtung einer natürlichen Gingiva mittels Keramikmassen.
30: Die gefräste Stegkonstruktion aus Titan wurde in der Zirkonoxidbrücke mit Multilink zementiert.
31: Das Ergebnis konnte sich sehen lassen.
32: Die von Hand eingearbeitete Individualisierung, die lichtoptischen Eff ekte und die …
33: … Charakterisierung auf der Schmelzoberfl äche machte die Versorgung hochwertig und natürlich.
34: Einsetzen der Brückenrekonstruktion nach erfolgreicher Einheilung der SPI Element-Implantate von Th ommen medical (46: Ø 4.0 / …
35: … L: 8 mm; 43: Ø 4.0/L: 11 mm; 34: Ø 4.0/L: 8 mm; 37: Ø 4.0/L: 11 mm).
36: Ästhetische Oberkieferrekonstruktion in situ ergänzt durch Brücken und ästhetische Kompositfüllungen im Unterkiefer.
37: Eine glückliche Patientin kann wieder unbeschwert lächeln und ist wie verwandelt.

Autoren

Dr. med. dent. Roberto Sleiter

Dr. med. dent. Roberto Sleiter

  • 1989-1994 Zahnmedizinisches Studium Università
  • Cattolica Roma
  • Promotion
  • 1995-1996 Assistent in der Abteilung für Totalprothetik und Kaufunktionsstörungen, Uni Zürich
  • 1997-2001 Assistenzzeiten: Abt. für Oralchirurgie an der Uni Bern
  • 2001-2003 Assistent der Privatpraxis für Oralchirurgie und Kiefer-Gesichtschirurgie Dr. Roux, Dr. Tschumper (Bern)
  • 2002 Fachzahnarzt für Oralchirurgie
  • 2009-2022 Ext. Oberarzt in der Abteilung für Oralchirurgie, Uni Bern
  • Seit 2003 Privatpraxis in Egerkingen

praxis@dentalspecialist.ch
praxis-sleiter@sso-hin.ch
www.dentalspecialist.ch

ZT Vittorio Procopio

ZT Vittorio Procopio

  • 2002 Diplom als Zahntechniker mit staatlicher Berufszulassung
  • 10-jährige Berufserfahrung in Italien
  • Seit 2015 Laborleitung des zahntechnischen Labors Montana AG in Egerkingen (CH)
  • Spezialisierung in den Bereichen CAD-Design, Total- und Hybridprothetik sowie Keramik
  • 10-jährige Erfahrung mit dem All-on-4-System

labormontana@gmail.com
www.labormontana.ch

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