fallstudien
Navigierte Sofortimplantation und Sofortversorgung im volldigitalen Workflow
Die Sofortimplantation stellt heute bei geeigneter Indikationsstellung eine wissenschaftlich gut untersuchte Alternative zur klassischen Vorgehensweise dar.

Trotz dieser Fortschritte wird die Sofortimplantation in vielen Ländern – einschließlich des deutschsprachigen Bereichs – immer noch vergleichsweise zurückhaltend angewandt [4]. Dies scheint vor allem geschichtlich bedingt aufgrund hoher Misserfolgsraten früherer Untersuchungen aus den 1970er-Jahren [5,6] zu sein, aber es kann auch am hohen technischen Anspruch liegen [7].
Voraussetzung für den langfristigen biologischen und ästhetischen Erfolg ist dabei das Implantatdesign sowie die präzise dreidimensionale Positionierung des Implantats in Relation zu den periimplantären Hart- und Weichgeweben. Neben der Primärstabilität kommt der korrekten vertikalen und horizontalen Implantatposition eine Schlüsselrolle zu. Entscheidend sind hierbei insbesondere der suprakrestale Komplex sowie die Gestaltung des Emergenzprofils.
Der suprakrestale Komplex (Abb. 1) beschreibt die Weichgewebsbarriere koronal des krestalen Knochens und setzt sich aus einer bindegewebigen Zone (1-1,5 mm), dem periimplantären Saumepithel (1,5-2 mm) sowie dem Sulkus (0,5-1 mm) zusammen. Diese Struktur dient der funktionellen Abdichtung des Implantatsystems gegenüber der Mundhöhle und gilt als biologisch hochsensibel [8]. Mehrere Studien konnten zeigen, dass eine Weichgewebsdicke von unter zwei Millimetern mit einem signifikant erhöhten Risiko für marginalen periimplantären Knochenabbau assoziiert ist [9,10]. Insbesondere bei geplanter Sofortimplantation und dünnem Gingivatyp sollten daher augmentative Maßnahmen kritisch geprüft werden.
Das Emergenzprofil (Abb. 2) stellt einen geometrischen, zugleich jedoch biologisch relevanten Parameter dar. Es wird in eine subkritische und eine kritische Zone unterteilt und beeinflusst die Stabilität des suprakrestalen Komplexes maßgeblich. Überkonturierte, konvexe Emergenzprofile mit großen Austrittswinkeln sind mit erhöhtem periimplantärem Knochenabbau und Weichgewebsrezessionen assoziiert, während konkav gestaltete Profile eine günstigere Weichgewebsstabilität fördern [11,12]. Insbesondere bei Sofortimplantationen mit provisorischer Sofortversorgung kann durch eine frühe, gezielte Formgebung des Emergenzprofils eine nachhaltige Unterstützung der periimplantären Weichgewebe erreicht werden [13].
Für die Sofortimplantation ergibt sich ein enger dreidimensionaler Positionskorridor. In der Frontalansicht sollte die Implantatschulter mit etwa 1,5-2 mm Abstand zur Schmelz-Zement-Grenze der Nachbarzähne und circa vier Millimeter apikal des marginalen Gingivarandes positioniert werden. (Abb. 3) In okklusaler Ansicht ist ebenfalls ein Mindestabstand von 1,5 mm zu benachbarten Zähnen sowie drei Millimetern zwischen zwei Implantaten einzuhalten. Zum labialen Austrittspunkt (kritische Zone) sollte ein Abstand von 1,5-2 mm bestehen, ohne Kontakt zur bukkalen Knochenlamelle [14] (Abb. 4). Aufgrund dieses engen Platzierungskorridors bietet die navigierte Implantation im vollständig digitalen Workflow auf Basis von DVT und intraoraler Datensätze entscheidende Vorteile hinsichtlich Präzision und Reproduzierbarkeit.





















