Workflow
Zunächst wurden ein intraoraler Scan des IV. und I. Quadranten sowie ein Bukkalscan mit dem Cerec-System (Dentsply Sirona) durchgeführt. Gemäß den Softwarevorgaben wurde eine fiktive Kronenrestauration konstruiert, um damit aus dem „Herstellungsmodus“ heraus den gesamten Scan im „ssi“-Datei- format exportieren zu können. Das ssi-Dateiformat enthält die gemeinsamen Informationen der realen intraoralen Oberfläche (STL) und der fiktiven Kronenform (rst) aus der Cerec-Software. In einem zweiten Schritt wurde die ssi-Datei in die Implantatplanungssoftware Galileos (Sicat) überführt und gematcht (Abb. 5).
In der Galileos-Software wurde nun eine Implantation für eine vollnavigierte Implantation mit dem Camlog-Guide Implantatsystem geplant. Die finale Implantatposition wurde so ausgerichtet, dass die fiktive Implantatspitze die periapikale Beherdung vollständig ausfüllt, die Apektomie selbst dabei aber möglichst gering ausfällt (Abb. 6, 7).
Das besondere Augenmerk musste hier auf den chirurgischen Zugang der Implantatbohrer gelegt werden. Die Gesamtlänge der Implantatbohrer, insbesondere die der letzten Bohrergrößen, die Länge des Bohrschaftes und die Höhe des Bohrkopfes des chirurgischen Winkelstückes ergeben eine bedeutende Gesamtlänge. Diese verhindert oft im distalen OP-Gebiet das achsengerechte Einführen des Implantatbohrers. Hinzu kommt der nicht veränderbare rechte Winkel durch das chirurgische Winkelstück. Wird das Implantat zu stark nach anterior gekippt, verhindert der Kontakt des Winkelstückgriffes mit der bukkalen Fläche des rechten Pars alveolaris die achsengerechte Anwendung.
Die geplante Führungshülse musste demnach mit dem ins Bohrfutter des chirurgischen Winkelstückes eingesetzten Bohrers von mesio-vestibulär zugänglich sein. Die Implantatachse muss außerdem bewusst nach posterior gekippt werden. Nach der endgültigen Ausrichtung der Implantatposition wird in der Implantatplanungssoftware der Durchmesser und die Höhe der Bohrhülse definiert (Abb. 8). Dabei wird die Dicke der örtlichen Gingiva mit in die Planung einbezogen.
Im Falle eines direkten Aufliegens der Schablone auf dem eröffneten Knochen ergibt sich ein anderer Wert als bei dem geschlossenen Vorgehen, bei dem transgingival operiert wird, ohne einen freien Lappen zu präparieren. Anschließend werden die kompletten Implantat-Koordinaten und die STL-Datei in einem neuen Dateiformat zusammengefasst und als „dxd“- Datei exportiert. Diese dxd-Datei wird nun entweder zurück in das Cerec-AC (Omnicam) oder in die Cerec InLab Software übertragen. Dies geschieht, wie auf dem Hinweg, entweder über einen USB-Stick, der vom Cerec-AC zum Röntgenrechner und wieder zurückgesteckt wird oder über einen Hub bzw. über einen NAS-Server als zentralen Datenspeicher. Aus der Cerec- oder InLab-Software kann nun mit wenigen Arbeitsschritten eine herkömmliche Bohrschablone im STL-Dateiformat geplant und exportiert werden.
Aufgrund der extravaganten Implantatposition kann es bei einem Fertigungsprozess mit einer CNC-Fräse, wie etwa einer MCXL (Dentsply Sirona), zu begrenzten Möglichkeiten in der Umsetzung kommen. Wir haben aus diesem Grund die Bohrschablone in einem 3D SLA-Drucker (Form2, Formlabs) und mit einem sterilisierbaren Resin (Weithas) gedruckt (Abb. 9, 10).
Klinisches Vorgehen
Nach einer Anprobe der Bohrschablone und einer Simulation der navigierten Bohrerposition wurde eine Leitungs- und eine vestibuläre Infiltrationsanästhesie regio 47, 48 verabreicht. Die Bohrschablone saß spannungs- und kippfrei (Abb. 11, 12). Über die Kontrollfenster war der Schablonensitz gut kontrollierbar. Wichtig erschien uns die Extension der Schablone bis in den Bereich von 34, 35. Durch diesen „Kippmeider“, war ein Verdrehen der Schablone während des Aufbereitens des Implantatstollens konrollier- und vermeidbar.
Die durchgeführte chirurgische Vorgehensweise entspricht der einer vollnavigierten Implantation. Es wurde minimal inzidiert, aus Sorge die vestibuläre Mukosa durch die Drehung der Bohrer zu stark durch Einwickeln des Gewebes zu traumatisieren. Bei der vollnavigierten Navigation werden die Aufbereitungsbohrer in voller Breite bis zum zirkulären Aufsetzen auf den Rand der Bohrhülse in den Bohrstollen eingesenkt. Es wird also nicht erst auf die endgültige Länge aufbereitet, um danach mit Erweiterungsbohrern auf die vorgesehene Breite zu kommen, sondern es wird in der endgültigen Breite mit jedem weiteren Bohrer ein Stück tiefer in den Knochen hinein präpariert. Hierbei erhält jeder weitere Bohrer eine bessere, axiale Führung. Außerdem kann auf die Verwendung von Führungsschlüsseln komplett verzichtet werden.