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Einsatz des Nobel Biocare N1- Implantatsystems in unterschiedlichen klinischen Situationen

Sowohl bei guten Knochenverhältnissen als auch bei umfangreichen Hart- und Weichgewebsdefiziten mit sorgfältiger Behandlungsplanung und diversen Augmentationsverfahren ist die Auswahl des passenden Implantatsystems von primärer Bedeutung, um langzeitstabile und ästhetische periimplantäre Verhältnisse zu schaffen.

Dr. med. dent. Stefan Scherg6 Min. Lesezeit
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Drei Patientenfallberichte

Sowohl bei guten Knochenverhältnissen als auch bei umfangreichen Hart- und Weichgewebsdefiziten mit sorgfältiger Behandlungsplanung und diversen Augmentationsverfahren ist die Auswahl des passenden Implantatsystems von primärer Bedeutung, um langzeitstabile und ästhetische periimplantäre Verhältnisse zu schaffen. Das Nobel Biocare N1-System ermöglicht eine effektive und schonende Form der Implantatbettaufbereitung, die zu einer beschleunigten Osseointegration in Kombination mit der hohen Primärstabilität der Implantate und dem innovativen Abutment-Prothetiksystem zu einer vorhersagbaren Sekundärstabilität führt.

Kernstücke des Nobel Biocare N1-Systems sind das neuartige und schonende Bohrprotokoll und die flexible Abutmentauswahl. Der Osseoshaper mit seinem auf die Implantatgröße abgestimmten Design, benötigt aufgrund seiner geringen Drehzahl bei der Präparation ohne Gefahr der Überhitzung des Knochens keine Wasserkühlung [1]. Dabei steuert der Bohrer durch die spezielle Anordnung der Schneiden und die spezifische Querschnittsform passiv den Grad der Aufbereitung abhängig von der Knochenqualität.

Es werden das Überleben vitaler Knochenzellen und die dadurch schnellere Osseointegration der Implantate gefördert [2,3]. Der jeweils mit dem Implantat mitgelieferte Einmalbohrer bietet bei optimaler Sicht ohne Irritationen durch die Wasserkühlung in nur zwei Bohrschritten eine optimal abgestimmte Kongruenz zwischen Implantatkavität und Implantat [3]. Eine ausreichend dimensionierte fixierte und keratinisierte Mukosa (KM) ist als stabile Weichgewebsmanschette am Implantathals wichtig für die weichgewebliche Abdichtung eines Implantats [4]. Die systemeigenen Abutments mit der Xeal Oberfläche führen durch ihre anodisierte und nanostrukturierte Oberfläche zu einer dichten Weichgewebsadaptation (Mukointegration) [5]. Der interne lange Konus mit Plattform Shift in der triovalen formschlüssigen Verbindung mit den Xeal-Abutments fördern zusätzlich den Erhalt des periimplantären Knochens [6-9]. Die Flexibilität in der Prothetik zwischen Versorgungen auf Implantatniveau (Bone-level) und Weichgewebsniveau (Tissue-level) je nach Indikation zu wählen, eröffnet die Option das Risiko für periimplantäre Komplikationen durch die Verwendung einer Mesostruktur zu reduzieren.

Die vorliegende Auswahl von drei klinischen Fällen soll die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten dieses innovativen Implantatsystems vorstellen.

Fall 1: Implantatversorgung im ästhetisch anspruchsvollen Oberkiefer-Frontzahnbereich

1: Regio 11 soll mit einem Implantat defi nitiv versorgt werden. Der Zahn war nach Avulsion und externer Resorption entfernt worden.
2: Der replantierte und endodontisch versorgte Zahn 11 zeigte nach einigen Jahren eine Wurzelresorption mit Aufl ösung der Wurzel.
3: Der Alveolarkamm war nach über zehn Jahren vor allem horizontal atrophiert und das Lippenbändchen setzt hoch an.
4. Blick auf den atrophierten Knochen nach Bildung eines Mukoperiostlappens durch einen Kieferkammschnitt.
5: Die Präparation des Implantatbetts erfolgte mit dem OsseoShaper, sein Gewindedesign erzeugte einen Abtrag von spongiösem Knochen.
6: Insertion eines Nobel Biocare N1 TiUltra TCC-Implantats (RP 4,0 x 13 mm) und dem marginalen anodisierten Bereich (gelbe Farbe).
7: Die vertikale Position des Implantats 11 wurde nach der gewünschten Lage des späteren Randes der Krone inseriert.
9: GBR mit autologem Knochen und bovinem KEM (creos xenogain Nobel Biocare) aktiviert durch Hyaluronsäure (hyaDENT BG, Regedent).
8: Vor Einsetzen der Tentpole-Schrauben (Nobel Biocare) [10, 11] wurde die Mesostruktur N1 Base mit einer Verdeckschraube abgedeckt.
10: Nach Aufl age einer Kollagenmembran (creos xenofi rm) spannungsfreier Verschluss nach vorab durchgeführter Periostschlitzung.
11: Die Membran wurde mit nicht resorbierbaren Pins im Alveolarfortsatz befestigt, die N1 Base und Tentpole Schrauben sind zu sehen.
12: Nach der Einheilzeit von fünf Monaten ist die Verbreiterung des Kieferkamms sichtbar. Das Lippenbändchen wird verlagert.
13: Gut durchblutetes Augmentat und gute knöcherne Konsolidierung über den N1 Base Gingivaformer (2 mm) beim Re-entry.
14: Schaff ung einer Zone ausreichend keratinisierter Mukosa und Weichgewebsvermehrung mit Einlagerung von Mucogain (Nobel Biocare).
15: Ausgeheiltes Emergenzprofil und Blick auf die N1 Base, die das „one abutment one time“ -Konzept ermöglicht [12].
16: Auf individuellem Zirkonoxid-Abutment (NobelProcera Zirconia Implant Crown) verklebte Lithium-Disilikat-Krone nach neun Monaten.

Fall 2: Versorgung eines großen Alveolarkammdefekts mit einem N1-Implantat im Unterkiefer

1: Zahn 46 mit einer Rezession der Miller Klasse III [13], einem großen Zahnhalsdefekt und einer Fraktur der mesiobukkalen Wurzel.
2: Nach einer viermonatigen Abheilung waren ein Verlust an Alveolarkammbreite und eine Abfl achung des Vestibulums eingetreten
3: Darstellung des Kieferkamms mit der nicht verknöcherten Alveole und der fehlenden bukkalen Wand.
4: Implantatpräparation mit dem N1 Bohrprotokoll: Zur Erzielung einer Primärstabilität Präparation kaudal über die Alveole hinaus.
5: Das N1 Implantat mit der N1 Base incl. Gingivaformer werden zur vertikalen Augmentation als Tenting Screw verwendet [12].
6: GBR mit Knochenersatzmaterial (creos xenogain), Hyaluronsäure und einer Kollagenmembran (creos xenoprotect, Nobel Biocare).
7: Zustand nach Augmentation, spannungsfreier Weichgewebsabdeckung und Verschluss der Wundränder mittels Einzelknopfnähten.
8: Freilegung des Implantats nach sechs Monaten. Es zeigte sich wieder eine Verknöcherung über die Implantatschulter hinaus [12, 14].
9: Einsetzen des Gingivaformers auf Nobel Biocare N1 Basis Xeal und Schaff ung einer ausreichend breiten bukkalen attached Mukosa.
10: Anfertigung einer auf einer Titanbasis verklebten Krone aus Zirkonoxid (IPS emax ZirCad prime auf N1 Universal Abutment).
11: Optimale Hart- und Weichgewebsadaption nach der prothetischen Eingliederung.
12: Röntgenkontrolle nach einem Jahr, optimale Osseointegration.

Fall 3: Sofortimplantation und Augmentation nach Frontzahntrauma

1: Frakturen an 12, 21, 22 nach Sturz. Oberlippenwunde, Kronenfraktur und Intrusion des Zahnes 11. Schienung mit einer TTS Schiene.
2: Die Zähne 11 und 21 w urden infolge von Quer- und Längsfrakturen als nicht erhaltungswürdig eingestuft und extrahiert.
3: Palatinal versetzte Sofortimplantation regio 21 für die spätere Augmentation. Regio 11 Vorbohrung mit dem OsseoDirector.
4: Ausrichtung der vertikalen Höhe der Implantatschulter nach prothetischen Gesichtspunkten. Weichgewebsdehiszenz in regio 11.
5: N1 Basis Xeal-Abutments mit der prothetischen Plattform zur Aufnahme der temporären Abutments [12].
6: Zur Korrektur der Weichgewebsdehiszenz in regio 11 wurde durch Tunnelierung ein koronaler Verschiebelappen präpariert.
7: Ein subepitheliales Bindegewebstransplantat aus dem harten Gaumen wurde unter die mobilisierte Schleimhaut platziert.
8: In den Gap bukkal der Implantate wurde xenogener Knochen appliziert und die Schleimhaut mittels Naht nach koronal fixiert.
9: Die verblockten, verschraubten provisorischen Kronen dienen als Sofortversorgung und zur Stütze und Ausformung des Weichgewebes.
10: Vier Wochen nach dem Eingriff zeigt sich ein guter Heilungsverlauf ohne postoperative Beschwerden.
11: Das Emergenzprofi l vier Monate postoperativ zeigt eine langzeitstabile Weichgewebsintegration auf dem Tissue-level Niveau. [12, 15].
12: Klinische Situation zum Zeitpunkt der Abformung mit dem Trios Intraoralscanner (3Shape).
13: Digitale Planung der Prothetik mit der Software (dtx studio lab) durch den Zahntechniker CAD, Fräsung extern (ZTM Rosen).
14: Direkt verschraubte NobelProcera Zirconia Implant Crown mit bukkaler Verblendung 11, 21, emax Veneer 12 und Krone 22 (Ivoclar).
15: Klinischer Aspekt kurz nach Verschraubung der Restauration.
16: Klinischer Aspekt im Rahmen eines Kontrolltermins nach einem Jahr.
17: Ein Jahr später: stabiles Knochenniveau dank Plattform Shift-Design des Implantat-Abutment-Interface und N1 Base Abutments.
18: DVT-Schnittbilder sechs Monate nach prothetischer Versorgung.

Autor

Dr. med. dent. Stefan Scherg

Dr. med. dent. Stefan Scherg

  • 1990-1995 Zahnmedizinstudium an der Julius-
  • Maximilians-Universität in Würzburg
  • 1995-1997 Vorbereitungsassistent in freier Praxis in Retzbach und Thüngen
  • Seit Okt. 1997 Niederlassung und Praxisübernahme in Thüngen
  • Nov. 2002 Praxisverlegung nach Karlstadt, Praxisschwerpunkte: Parodontologie, Implantologie, Endodontie, Ästhetische Zahnheilkunde
  • 2002 Gründung einer eigenen Firma: Fortbildungsinstitut Schöne Zähne
  • 2003 DGZI Zertif izierung Implantologie
  • Promotion zum Dr. med. dent. an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

praxis@zahnarzt-scherg.de
www.zahnarzt-scherg.de


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