fallstudien
Regeneration von intraossären Defekten mit Hyaluronsäure
Die vorhersagbare Regeneration von intraossären Defekten stellt den Behandler häufig vor eine besondere Herausforderung. Die zahnärztliche und chirurgisch-implantologische Rehabilitation von Seniorinnen und Senioren verlangt eine wenig belastende und auf die Veränderungen in der Zukunft ausgerichtete Behandlung und Versorgung, die individuelle Morbiditäten der Patienten berücksichtigt.

Eine Fallstudie von Prof. Dr. med. dent. Andrea Pilloni
Die vorhersagbare Regeneration von intraossären Defekten stellt den Behandler häufig vor eine besondere Herausforderung. Die Kombination von Schmelzmatrixderivaten (EMD) mit einem geeigneten Lappendesign repräsentiert den Goldstandard. Erkenntnisse aus präklinischen und klinischen Studien deuten darauf hin, dass Hyaluronsäure (HA) eine breite Palette positiver biologischer Wirkungen auf die parodontale Wundheilung und -regeneration aufweist. HA zeichnet sich zudem durch eine deutlich erleichterte Anwendung im Vergleich zu EMD aus.
In jüngster Zeit haben sowohl präklinische als auch klinische Daten die positiven Effekte von Hyaluronsäure (HA) in Verbindung mit rekonstruktiver Parodontalchirurgie zur regenerativen Behandlung von intraossären Defekten aufgezeigt. In der vorliegenden Arbeit wird das chirurgische Verfahren zur Regeneration typischer intraossärer Defekte mit HA anhand von zwei klinischen Fällen vorgestellt.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Intraossäre Defekte sind definiert als spezifische Knochendefekte mit einer Basis apikal zum interdentalen Alveolarkamm und können das Ergebnis einer anhaltenden Parodontitis sein [1]. Unbehandelt stellen sie ein erhöhtes Risiko für ein Fortschreiten der Krankheit und einen zusätzlichen Attachmentverlust dar [2]. Falls tiefe intraossäre Defekte nicht durch eine ursachenbezogene Parodontaltherapie stabilisiert werden konnten, stellen chirurgische Eingriffe, insbesondere unter Verwendung von Barrieremembranen oder Schmelzmatrixderivaten (EMD), die bevorzugte Behandlung dar [3,4].
Zur Optimierung der Wundstabilität und zur Verringerung der Morbidität werden spezielle Lappendesigns unter maximalem Erhalt des interdentalen Weichgewebes oder Begrenzung der Lappengröße durch einen sog. „Single Flap Approach“ (SFA) dringend empfohlen [4,5].
Hyaluronsäure (HA) ist ein anionisches, nicht sulfatiertes Glycosaminoglycan, das in praktisch allen Geweben vorkommt. HA spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei der Wundheilung sowie bei der Reparatur von Weich- und Hartgewebe [6-8]. Hyaluronsäure ist in hohem Maße biokompatibel, fördert die Proliferation und Migration von parodontalen und gingivalen Fibroblasten, hat einen positiven Einfluss auf die Angiogenese und stabilisiert das Blutkoagel [8,9].
Aufgrund dieser positiven Eigenschaften wird HA erfolgreich in der parodontalen Weichgewebechirurgie eingesetzt. Die Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie, die in meiner Gruppe durchgeführt wurde, zeigten, dass die Behandlung von Miller-Klasse-I-Rezessionen mit einem koronalen Verschiebelappen und die Verwendung von vernetzter Hyaluronsäure (hyaDent BG, Regedent GmbH) sowohl zu einer stärkeren Verringerung der Rezession als auch häufiger zu einer vollständigen Rezessionsabdeckung führte als die alleinige Lappen-OP [10].
















