fallstudien
Schmelzparaplasie als Mitursache für eine Periimplantitis
Schmelzparaplasien (Schmelzperlen, Schmelzzungen) zählen zu den bekannten Reizfaktoren, die eine marginale Parodontopathie auslösen können. In dem hier vorgestellten Fall wird dargestellt, dass über eine chronische marginale Parodontitis im Oberkiefer, eine Periimplantitis, in der Einheilphase, ausgelöst wurde.

Eine Fallstudie von Michael Kirsch, Irina Anishchenko
Schmelzparaplasien (Schmelzperlen, Schmelzzungen) zählen zu den bekannten Reizfaktoren, die eine marginale Parodontopathie auslösen können. In dem hier vorgestellten Fall wird dargestellt, dass über eine chronische marginale Parodontitis im Oberkiefer, eine Periimplantitis, in der Einheilphase, ausgelöst wurde. Die erfolgte Therapie wird erläutert. Die Prävalenz der Schmelzperlen und deren klinische Bedeutung werden diskutiert. Das Fazit für die Praxis ist ebenfalls dargelegt.
Als Schmelzparaplasien werden Anteile des Zahnschmelzes an nicht typischer Lokalisation bezeichnet, die eine morphologische Vielfalt aufzeigen können. (Grulich et al. 1993)
Paraplasien des Schmelzes sind für den erfahrenden Parodontologen ein bekanntes Problem (Tabari et al. 2011, Martos et al. 2009, Rathva 2012), viele Kollegen anderer Spezialisierungen wissen nicht von diesem Fakt. Lange wies schon 1993 darauf hin, dass 90% der Patienten mit einer marginalen Parodontopathie, in Deutschland, nicht die notwendige Therapie erhalten (Lange 1993). Dieses Thema dürfte von seiner Aktualität nichts verloren haben, im Gegenteil, dieses Problem hat sich auf andere Länder ausgeweitet.
Bei einer nichtrepräsentativen Umfrage von 50 Absolventen, bei einem paroimplantologischen Kongress 2014 in Deutschland, kannten 45 von ihnen keine parodontale Basisdiagnostik, sowie morphologische Varianten des Schmelzes. Selbst in einigen Lehrbüchern für Parodontologie werden diese anatomischen Strukturen als Reizfaktor, besonders wenn sie im Furkationsbereich liegen, nicht erwähnt. Doch sind diese Schmelzperlen, Schmelzleisten und Schmelzzungen ein parodontaler Risikofaktor die eine marginale Parodontopathie auslösen, bzw. eine bestehende Entzündung der marginalen Strukturen komplizierter gestalten können. (Tabari et al. 2011, Matthews; Tabesh 2004, Grulich et al. 1993)
Bei dem hier vorzustellenden Case report wird diese Komplexität, der Zusammenhang zwischen anatomischer Variationen des Zahnschmelzes, marginaler Parodontopathie, mit nachfolgender Periimplantitis, dargestellt.
Eine Kollegin, bat die Autoren um eine kollegiale Meinung über die von ihr durchgeführte Implantattherapie bei einer Patientin. Die zum Zeitpunkt der Implantation 67-jährige Patientin befand sich im guten Allgemein- und Ernährungszustand. Eine Medikation bestand nicht, sie war Nichtraucher und der Alkoholgenuss war sehr moderat. Bei der intraoralen Untersuchung, vor der implantologischen Therapie, zeigte sich, dass der Zahn 23 und der Zahn 28 mit je einer Vollgußkrone versorgt und die regio 24 – 27 als Schwebeglieder gestaltet waren. Die Versorgung wurde von der Patientin mehr als 20 Jahre getragen. Da die Brücke nicht mehr suffizient war, wurde eine neue Versorgung notwendig. Entsprechend der klinischen Situation kam eine prothetische Therapie mit abnehmbaren Mitteln für die Patientin nicht in Frage. Als festsitzende Versorgung standen eine Erneuerung der Brücke, sowie eine Implantatversorgung, mit Einzelkronen, bzw. mit einer Brücke zur Auswahl. Die Patientin hat sich für die Implantate entschieden. So wurden zwei Implantate Semados S-Line der Firma Bego, mit den Durchmesser 4,1 mm (regio 26) und mit dem Durchmesser 3,75 mm in regio 24 inseriert, nachdem die Brücke entfernt war.







