fallstudien
Stufenweise Rekonstruktion eines atrophen Oberkiefers nach Implantatverlust
Eine 74-jährige Patientin mit ausgeprägter Oberkieferatrophie und vorausgegangenen frustranen Implantationsversuchen stellte sich mit dem Wunsch nach festsitzendem Zahnersatz vor. Ziel war eine erneute implantatprothetische Rehabilitation auf biologisch konsolidierter Grundlage.

Ausgangssituation
Die allgemeinmedizinisch gesunde, nichtrauchende Patientin nahm keine Dauermedikation ein. Zahnärztlich bestand eine stark reduzierte Restbezahnung mit ausschließlich Zahn 13. Mehrere frühere Implantations- und Rekonstruktionsversuche waren alio loco aufgrund unzureichender knöcherner Bedeckung gescheitert, Implantate mussten explantiert werden.
Klinisch und radiologisch zeigte sich eine ausgeprägte alveoläre Atrophie sowohl anterior als auch posterior sowie eine reduzierte vertikale Knochenhöhe im Sinusbereich. Aufgrund der kompromittierten Hart- und Weichgewebssituation wurde ein zweizeitiges, augmentationsorientiertes Therapiekonzept gewählt.
Behandlungsablauf
Phase I – Hartgewebskonsolidierung
Nach Entfernung der Zähne 14, 16 sowie 23–26 erfolgten eine sorgfältige Defektkonditionierung und eine simultane Socket Preservation mit lateraler Augmentation im Sinne einer GBR.
Zum Einsatz kam maxgraft® HyA (botiss biomaterials, Straumann Group) als biologisch aktiviertes allogenes Knochenersatzmaterial in Kombination mit autologem PRF zur Unterstützung der Weichgewebsheilung. Die Augmentate wurden mit einer resorbierbaren Kollagenmembran (Jason® membrane) abgedeckt. Trotz reduzierter Gewebesituation konnte ein spannungsfreier Wundverschluss erzielt werden.
Die postoperative Heilung verlief komplikationslos; klinisch zeigte sich eine reizlose Schleimhaut ohne Exposition. Nach vier Monaten war eine stabile knöcherne Konsolidierung radiologisch und klinisch nachweisbar.
Phase II – Implantation mit bilateralem Sinuslift
In der zweiten Phase erfolgte die Implantatinsertion in den augmentierten Arealen. Simultan wurde beidseits ein externer Sinuslift durchgeführt.
Im Sinusbereich kam ein Gemisch aus maxgraft® und Cerabone® Plus zum Einsatz: Der allogene Anteil unterstützte die biologische Integration, während der xenogene Anteil zur volumetrischen Langzeitstabilität beitrug. Die Implantate konnten mit ausreichender Primärstabilität inseriert und gedeckt zur Einheilung gebracht werden.










Diskussion
Der Fall verdeutlicht, wie entscheidend eine biologische Gewebekonsolidierung nach Implantatverlust für ein vorhersagbares Ergebnis ist. Die frühzeitige Socket Preservation begrenzt weiteren Volumenverlust und reduziert den späteren Augmentationsbedarf.
Die Kombination komplementärer Materialien erwies sich als sinnvoll: maxgraft® HyA unterstützt durch Hyaluronat Zelladhäsion und frühe Regenerationsprozesse, PRF fördert Angiogenese und Weichgewebsreifung, Cerabone® Plus sorgt im Sinus für volumetrische Langzeitstabilität. In dieser kompromittierten Situation bot das zweizeitige Vorgehen die höhere Prognosesicherheit gegenüber einer Sofortimplantation.
Fazit
Auch nach vorausgegangenen Misserfolgen ist durch ein strukturiertes, biologisch orientiertes Konzept eine erneute implantatprothetische Rehabilitation möglich. Entscheidend sind Hartgewebskonsolidierung vor Implantation, materialgestützte Regeneration, ausreichende Einheilzeiten und ein staged approach.
Die GBR bleibt selbst bei ausgeprägter Atrophie gut vorhersagbar. Der „Sticky-Bone“-Charakter von maxgraft® HyA verbessert die Partikelkohäsion, erleichtert die formstabile Defektadaptation und unterstützt frühe vaskuläre Infiltration. In Kombination mit PRF und einem maxgraft®/Cerabone® Plus-Gemisch im Sinus lässt sich so eine stabile Grundlage für die prothetische Rehabilitation schaffen.
(Alle Abbildungen: Dr. Sarah Schneider, Praxis VISTOC, Rostock)
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