Fallbericht
Der hier vorgestellte Fall zeigt eine bei Behandlungsbeginn 38 Jahre alte Patientin, Nichtraucherin, mit gutem Allgemeinzustand und guter Mundhygiene. Um eine optimale Therapiesicherheit zu gewähren, führte die Hauszahnärztin vor Therapiebeginn einen Titan-Stimulationstest und einen Entzündungs-Prädispositionstest durch (IMD Berlin). Das Ergebnis zeigte einen Entzündungsgrad 3, was einem 3,8-fach gesteigerten Risikos eines Titanimplantatverlustes entspricht. Daher wurde zur Versorgung auf ein vollkeramisches Implantatsystem zurückgegriffen (Zeramex XT, Dentalpoint AG). Die vorliegende Fallbeschreibung konzentriert sich auf regio 11 (Abb. 1).
Klinisch ist initial eine leichte vestibuläre Resorption erkennbar. Nach röntgenologischer dreidimensionaler Analyse mittels DVT (Abb.2) und 3D-Knochenrekonstruktion (Abb. 3) wurde der Therapieverlauf anhand der Restknochenbreite von 5,3 mm geplant. Grunder führte 2005 aus, dass der Knochen auf der vestibulären Seite mindestens 2 mm, besser 4 mm breit sein sollte [1] und palatinal mindestens 2 mm Knochen anzustreben sind. Um ein ausreichend dimensioniertes Zeramex XT Implantat (RB Ø 4,2 mm) zu inserieren, wurde also zunächst ein Knochenaufbau (GBR) mit einer nicht resorbierbaren titanverstärkten dPTFEMembran (Cytoplast, Osteogenics) ausgeführt. Als Augmentationsmaterial diente eine Mischung aus autologem Knochen, gewonnen von der Linea obliqua des Unterkiefers, und bovinem Hydroxylapatit (Bio-Oss, Geistlich Biomaterials ) im Verhältnis 1:1. Zur Vermeidung einer Wunddehiszenz wurde die Membran vor dem Wundschluss mit einer Kollagenmembran (Bio-Guide, Geistlich Biomaterials) abgedeckt. Zeitgleich wurde in Region 15/16 ein Sinuslift mit einer Mischung aus Knochen und bovinem Hydroxylapatit in grober Körnung durchgeführt.
Nach einer siebenmonatigen Heilungszeit zeigte sich eine Verbreiterung des anterioren Knochens auf 8,3 m. Die vier Keramikimplantate (4,2 mm, Zeramex XT) konnten wie geplant gesetzt werden (Abb. 4).
Zur Verbreiterung der keratinisierten Schleimhaut diente eine Vestibulumplastik mit einem freien Schleimhauttransplantat und einer Mucograft Matrix (Geistlich Biomaterials). Dazu wurde am Übergang von der Mucosa zur keratinisierten Schleimhaut inzidiert und die Mucosa dünn unterminiert. Nach einer Strecke von ca. 5 mm wurde die Schnittrichtung in Richtung Periost geändert. Bei Erreichen des Periosts wurde es über ca. 3 mm freigelegt und ein dünnes freies Schleimhauttransplantat als Begrenzung zur keratinisierten Schleimhaut aufgenäht. Das exponierte Bindegewebe wurde mit einer Mucograft Matrix abgedeckt (Abb. 5)[3]. Abbildung 6 zeigt das postoperative Ergebnis und die Vorbereitung zur Freilegung des Implantates mittels einer Rolllappentechnik. Hierzu wird das Gewebe oberhalb des Implantates deepithelialisiert und dann halbmondförmig dem Implantat folgend palatinal inzidiert. Das nun vestibulär noch verbundene, deepithelialisierte Gewebestück wird vom Implantat gelöst. Ein Gewebetunnel wird nach vestibulär unter die ortsständige keratinisierte Schleimhaut präpariert, in dem das zuvor gebildete Gewebestück eingeschlagen wird. Die Fixation erfolgt durch wenige Nähte und das Einbringen des Gingivaformers. Die Volumenzunahme auf der vestibulären Seite ist gut erkennbar (Abb. 7).