Prothetisches Vorgehen
Nach einer komplikationslosen Einheilzeit von fünf Monaten stellte sich die Patientin zur prothetischen Weiterbehandlung in unserer Praxis vor. Sie war nach der Implantatinsertion mit einer klammergestützten Interimsprothese versorgt worden. Der postoperative Zustand des Alveolarfortsatzes im Bereich der Implantate war gut.
Die girlandenförmige Inzision bei Implantation ermöglichte es die Implantatposition zur Freilegung präzise zu lokalisieren (Abb. 4, 5). Das Gewebe über den Implantaten wurde mittels Diamant und Schnellläufer (Chiropro plus, Bien Air) entepithelisiert (Abb. 6), und das Bindegewebe kreisförmig bis auf den labialen Anteil inzidiert und aufgeklappt (Abb. 7).
Labial wurde eine Tasche präpariert (Abb. 8) und das Bindegwebeläppchen nach labial über eine Naht eingezogen. Durch diese einfache Rolllappentechnik wurden das Weichgewebe mit der Freilegung labial verdickt und die Jugae ausgeformt (Abb. 12). Nach Einsatz der Abformpfosten erfolgte zunächst die Perforation des Kunststofflöffels, um die offene Abformung zu ermöglichen.
Anschließend wurde die Abformung konventionell mit einem additionsvernetzenden Silikon (Panasil, Kettenbach) durchgeführt (Abb. 9). Nach der Abformung wurden die Einheilkappen aus PEKK eingesetzt (Abb. 10). Reizlose periimplantäre Verhältnisse waren sowohl zum Zeitpunkt der Nahtentfernung nach einer Woche (Abb. 11) sowie sechs Wochen nach dem Eingriff zu beobachten (Abb. 12). Die prothetische Versorgung erfolgte zunächst auf Standardabutments aus Polyether Keton- Keton (PEKK) (Abb. 13-17) und einer Keramik-Brückenversorgung (Abb. 18, 19). Kunststoffbasierte (Methacrylat-basierte)
Zemente sind für das Einsetzen von provisorischen Versorgungen nicht zu empfehlen. Die, zum Teil explizit für Implantatsuprakonstruktionen angepriesenen Zemente, sind dünnflüssig, schwer erkenn- und entfernbar. Da sie als Substrat für Bakterien dienen, fördern sie periimplantäre Entzündungen. Der Autor empfiehlt daher für die provisorische Eingliederung Zinkoxid-Eugenol- und für die definitive Carboxylatzement.
Vor Behandlungsbeginn war mit der Patientin vereinbart worden, dass nach einem Jahr die PEKK-Abutments gegen individuelle Zirkonabutments ausgetauscht werden. Ziel war es das klinische Verhalten der Materialien zu prüfen. Hierzu wurden individuelle Dedicam-Abutments hergestellt, wie vereinbart nach einem Jahr eingegliedert und wiederum mit einer Zirkonoxidbrücke versorgt (Abb. 21, 22). Es wur- de ein digitales Wax up erstellt und durch digitales Cut-back die idealen Gerüst- und Abutmentformen generiert (Abb. 24, 25).
Nach Neuanfertigung der keramikverblendeten Zirkonoxidbrücke wurden die Zirkonoxidabutments (Ceralog, Camlog) und die Brückenversorgung neu eingesetzt (Abb. 25-31). Nach einem weiteren Jahr Tragezeit mit den individuellen Keramikabutments und einer zementierten Zirkonbrücke wurde der Patientin freigestellt, welche Versorgung sie definitiv behalten möchte.